Frankenthal
Theaterjubiläum: Der Park wird zur Bühne
Natürlich ist die Geschichte der darstellenden Kunst viel älter. Doch das freie Theater hatte die Jahreszahl gewählt, um sich ins Jubiläumsprogramm zur ersten urkundlichen Erwähnung Frankenthals im Jahr 772 einzureihen. Daher boten die Mimen an zwei Nachmittagen eine Zeitreise zu Formen des Theaters vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Und feierten damit die eigene Geschichte – das 1991 gegründete Theater wurde vor einem Jahr 30 Jahre alt. Wegen der Pandemie waren damals Feste nicht möglich. Daher wurde die Feier aufs erste Wochenende im September verlegt.
Den „Rummel Bummel“, so das Motto des im Stil eines historischen Jahrmarkts inszenierten Spektakels, gab es bereits im Vorjahr. In der zweiten Auflage hatten die Macher wieder elf teilweise interaktive Spielstationen aufgebaut. Doch dieses Mal mit Fokus auf Theatertraditionen – etwa das Schattenspiel, bei dem Figuren ihre Schatten auf die Leinwand werfen. Oder das Koffer-Theater, das Hans-Otto Häckel als „kleinste Shakespeare-Bühne der Welt“ anpries. In seinem Bauchladen bediente der nach der Mode des elisabethanischen Englands gekleidete Mime effektvoll kleine Puppen, wobei seine Finger die Beine der Figuren bildeten. Frei nach Schnauze variierte Häckel Werke des Dramatikers und ließ sogar Shakespeare persönlich auferstehen.
Ein Anziehungsmagnet für Erwachsene war das Volkstheater mit Pfälzer Sketchen. Hier überzeichnete Uwe Hörner gemeinsam mit Christine Wiebauer und Reni Rohe-Haberfellner humorvoll Spielarten spießigen Zusammenlebens. Ein originelles komödiantisches Gastspiel lieferten Regisseurin Hedda Brockmeyer vom Neustadter Theater in der Kurve und Nachwuchstalent Jonas Werling: Sie hatten sich im Theaterfundus in Verkleidungen gezwängt, die an einer Garderobe hingen und spielten dabei die Rolle sprechender Kostüme.
Wiedersehen mit Abraxas
Bei der Talentshow durften Besucher ihr schauspielerisches Können unter Beweis stellen. Denis Bode moderierte die Show, doch die Strippen zog Talentscout Leni: Die Siebtklässlerin aus Heßheim hatte bereits beim vorjährigen Spektakel an der Wunschmaschine mitgearbeitet. Dieses Mal pickte die selbstbewusste Zwölfjährige Personen für die Show aus dem Publikum. „Es macht einfach Spaß, dazuzugehören und nicht nur Zuschauer zu sein“, sagte Leni. „Papas machen seltener mit als Mamas.“ Eine der Mütter, die bereitwillig Lenis Aufforderung folgte, war Hanna Beißert. Sie musste ein Reh verkörpern, das vom Jäger verfolgt wird. „Eine witzige Erfahrung, man entdeckt das Kind in sich wieder“, berichtete die Dirmsteinerin, die von dem vielfältigen Angebot des Festes begeistert war.
Über ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuten sich Michi (7) und Philipp (5) aus Weisenheim am Sand. Die Brüder hatten im Sommer auf der Großkarlbacher TAW-Sommerbühne das Kinderstück „Die kleine Hexe“ angeschaut und waren begeistert, als im Publikum die freche Hexe (Osina Jung) und ihr Rabe Abraxas (Oliver Dietrich) auftauchten. Das Stück von Otfried Preußler wurde auch in einer Kurzfassung auf der Kinderbühne aufgeführt.
Das nostalgische Papiertheater von Monika Bengel und Sabine Asal-Frey zog die jüngsten Theaterfans in seinen Bann. Die Bühne war nach Art dreidimensionaler Pop-Up-Karten gebaut. Hier erlebten Rotkäppchen und der Wolf als an Stäben geführte Figuren ein modernes Märchen, in dem das Mädchen seiner Oma Pizza und Döner bringen soll. Nebenan auf der Puppenbühne gab Yvonne Vogel dem Kasperl ihre Stimme. Die Künstlerin aus dem Odenwald ist seit 20 Jahren mit dem mobilen Kindertheater „Tatüt“, Theater aus der Tüte, unterwegs und hatte innerhalb von drei Monaten das Konzept für den diesjährigen Rummel Bummel entworfen.
Offen für dritte Auflage
Die Bilanz von TAW-Chef Jürgen Hellmann: Am Samstag waren rund 400 Gäste auf die Wiese hinter dem Rathaus gekommen, am Sonntag waren es sogar über 500 Zuschauer – und damit mindestens 100 Köpfe mehr als 2021. 40 Schauspieler und Helfer hatten an dem Spektakel mitgewirkt. Die Gesamtkosten für Gagen und Material beliefen sich auf etwa 23.000 Euro. 3000 Euro hatte die Stadtverwaltung spendiert, die restliche Summe wurde aus Fördermitteln finanziert. Hellmann bezeichnete das Fest als „tolle Chance, um zusätzlich zum Stammpublikum neue Freunde für unser Theater zu gewinnen“. Für eine dritte Auflage vom „Rummel Bummel“ im kommenden Jahr sei er offen.