Eiskunstlauf
Nathalie Weinzierl hofft auf weiteres Bauchkribbeln
Gerade „die Anspannung, das Bauchkribbeln und die Nervosität“, bevor sie aufs Eis geht, liebt Nathalie Weinzierl an Wettbewerben. Und natürlich die Reaktionen der Zuschauer. „Ich brauche die Leute in der Halle. Wir wollen ja zeigen, wie toll der Sport ist und was man auf dem Eis alles machen kann. Zugleich wollen wir auch eine Geschichte erzählen“, schwärmt sie auch noch nach ihrer zwölften Teilnahme bei deutschen Meisterschaften – im Vorjahr fehlte sie verletzungsbedingt – noch glühend von ihrer Sportart, die wie so viele andere in dieser Saison vor großen Herausforderungen steht.
„Gesichter“ fehlen
Außer dem Auftakt in Oberstdorf, einem internationalen Wettbewerb der Challenger-Kategorie, wo sie Sechste wurde, gab es für die Frankenthalerin nur wenige kleinere nationale Wettbewerbe. Mal in Dresden, mal in Dortmund, wo jetzt auch die deutschen Meisterschaften stattfanden. Ohne Zuschauer, nur von wenigen Pressevertretern, Trainern, Helfern und Offiziellen verfolgt. Das sei „schon eine komische Atmosphäre“ gewesen, sagt Weinzierl im RHEINPFALZ-Telefonat. „Für mich ist es schwierig, Wettbewerbe zu laufen, wenn ich keine Gesichter sehe“, hofft sie auch, dass künftige Wettkämpfe nicht gar ins Virtuelle wandern. Schließlich würde dann Entscheidendes fehlen, vor allem das Wettbewerbsgefühl.
In Corona-Zeiten den Leistungssport aufrechtzuerhalten, ist jedoch schwierig. Bei den deutschen Meisterschaften in Dortmund fehlten auch einige Spitzensportler, darunter die fünffache deutsche Meisterin Nicole Schott. Die 24-Jährige – seit Jahren nun schon Weinzierls schärfste Konkurrentin – musste wegen Covid-19-Fällen an ihrem Trainingsstandort Oberstdorf einige Zeit in Quarantäne und verzichtete wohl nicht nur wegen Trainingsrückstands lieber auf die Fahrt nach Dortmund.
Eiskunstläufer sehr vorsichtig
Nathalie Weinzierl selbst indes hat „überhaupt keine Angst“ vor dem Virus, wie sie sagt, und daher auch keine Bedenken in der Dortmunder Halle gehabt, wo natürlich ein ausgeklügeltes Hygienekonzept umgesetzt worden war. „Ich passe ja sowieso auf meine Gesundheit gut auf“, sagt die Sportlerin. Gerade Eiskunstläufer sind besonders vorsichtig, da bereits eine einfache Erkältung lange Zwangspausen bedeuten kann. Die Nachrichtenlage allerdings belaste sie doch mental, räumt die 26-Jährige ein, sie versuche daher, vor Wettbewerben lieber keine Details an sich heranzulassen.
Ob in dieser Saison überhaupt noch Eiskunstlauf-Events möglich sein werden, ist offen. Die für Ende Januar vorgesehenen Europameisterschaften sind bereits abgesagt. Noch im internationalen Veranstaltungskalender stehen die Weltmeisterschaften im März in Stockholm. „Ich hoffe, dass sie stattfinden können – nicht für mich, sondern für den Sport an sich“, sagt Weinzierl, der die dafür notwendigen Qualifikationspunkte fehlen. Eislaufen müsse wieder sichtbarer und populärer werden. Sie hofft, dass sich dann auch wieder mehr Kinder für den so schönen Sport interessierten, sagt die Frankenthalerin, die sich inzwischen auch Gedanken über ihre eigene sportliche und berufliche Zukunft macht.
Zweites Standbein Studium
Mit 26 ist sie sozusagen schon recht „alt“ für den Sport. Vorgesorgt hat sie rechtzeitig: Weinzierl studiert in Mannheim Unternehmensjura, 2021 steht die Bachelorarbeit in Medizinrecht an. Ein Master könnte folgen. „Ich möchte etwas haben, worauf ich mich verlassen kann.“ Vom Sport komplett abwenden will sie sich allerdings nicht. So denkt sie etwa an einen Trainerschein.
Aber zuerst gilt es zu verarbeiten, dass sie in Dortmund die Chance auf ihren dritten Meistertitel verpasst hat. „Ich habe es selbst in der Hand gehabt“, weiß Weinzierl: Nach dem gerade auch im Künstlerischen starken Kurzprogramm zu „Lady Marmelade“ führte sie noch vor der späteren Siegerin Aya Hatakawa. In der Kür aber missglückte sogleich die wichtige Lutz-Kombination („ich war höher als ich gedacht habe“), später eine weitere. „Der Druck war es nicht“, will sie nicht der Favoritinnenrolle die Schuld geben, eher einem zu viel an Energie. „Ich war wohl übermotiviert.“
Zu Weihnachten nun kann sie ein wenig zur Ruhe kommen. Dann gilt es, für die Uni zu lernen und weiter zu trainieren, wenn die Mannheimer Halle offen bleiben kann. Um bereit zu sein, falls es doch noch Wettbewerbe geben darf in dieser Saison.