Frankenthal
JVA-Leiterin: Attacke auf Beamten hätte tödlich enden können
„Das hätte auch tödlich enden können“, sagt Gundi Bäßler. Glücklicherweise hätten die Ärzte bei einer Notoperation die Blutung aus der Stichwunde am Hals schnell stoppen können, dem Mann gehe es den Umständen entsprechend gut, informiert die Leiterin der JVA Frankenthal am Freitag auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Lebensgefahr besteht nach derzeitigem Kenntnisstand nicht“, heißt es in der Mitteilung der Ermittlungsbehörden. Ihr zufolge war der 22-Jährige am Mittwoch gegen 20.30 Uhr in seiner Zelle mit einem spitzen Gegenstand auf den Vollzugsbeamten losgegangen.
Worum es sich bei der Tatwaffe handelt, dazu sind am Freitag bei der Staatsanwaltschaft Frankenthal und im Polizeipräsidium Rheinpfalz (Ludwigshafen) keine Informationen mehr zu bekommen. JVA-Chefin Bäßler schildert den Ablauf so: Die Gefangenen, die an der sogenannten offenen Freizeit abends teilnehmen dürften, seien zwischen 20 Uhr und 20.15 Uhr wieder in ihren Hafträumen eingeschlossen gewesen. Der Tatverdächtige, gegen den die Staatsanwaltschaft laut Medienberichten vorerst wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, aber auch den Tatvorwurf des versuchten Mordes prüft, habe sich etwas später noch einmal gemeldet. Als der Mitarbeiter nach ihm schauen wollte, habe der 22-Jährige unvermittelt angegriffen.
Schlüssel an sich gebracht
Im Gerangel nach dem Vorfall sei es dem Gefangenen gelungen, den Schlüssel eines JVA-Beamten an sich zu bringen. Er habe versucht zu flüchten, sei aber von inzwischen alarmierten Polizeikräften und herbeigeeilten Kollegen des Verletzten gestellt und in eine Zelle gebracht worden. Inzwischen sei der Angreifer in ein anderes Gefängnis gebracht worden.
Zu Motiv und Hintergründen für die Tat äußern sich die Ermittler am Freitag nicht. Anstaltsleiterin Gundi Bäßler beschreibt den verletzten Mitarbeiter als jüngere, aber mit rund fünf Dienstjahren durchaus „erfahrene Kraft“, die den Inhaftierten mit hoher Wertschätzung begegne. Vorfälle zwischen ihm und dem 22-Jährigen seien ihr keine bekannt. Sie könne sich in der Zeit seit ihrem Dienstantritt im August 2015 an kein vergleichbares Ereignis erinnern, sagt Bäßler.
Für Raubdelikte verurteilt
Der Gefangene sitzt nach Angaben der JVA-Leiterin wegen Raubdelikten in Frankenthal eine vierjährige Freiheitsstrafe ab. Seit 4. September verbüße er mit Rechtskraft des gegen ihn gefällten Urteils seine reguläre Strafe. Bis dahin habe er rund zehn Monate in Untersuchungshaft gesessen. Aufgefallen ist er Bäßler zufolge auch schon vor dem nun bekanntgewordenen Zwischenfall. Der sei aus ihrer Sicht kein Anlass gewesen, an Abläufen etwas zu ändern oder Sicherheitsvorkehrungen hochzufahren.
In der aus sechs Hafthäusern bestehenden Justizvollzugsanstalt Frankenthal sind rund 250 Mitarbeiter beschäftigt, die sich um mehr als 400 Gefangene kümmern. Die JVA im Osten der Stadt ist damit eine der großen unter den zwölf Vollzugseinrichtungen in Rheinland-Pfalz. Inhaftiert sind dort Männer aus den Landgerichtsbezirken Landau, Kaiserslautern und Frankenthal, die zu Freiheitsstrafen von bis zu acht Jahren verurteilt worden sind.