Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Gastronomen kritisieren Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes

Umsatzverluste befürchtet: Einige Betriebe werden in Zukunft wohl schließen müssen, glauben die Frankenthaler Gastronomen.
Umsatzverluste befürchtet: Einige Betriebe werden in Zukunft wohl schließen müssen, glauben die Frankenthaler Gastronomen.

In der Corona-Pandemie wurde die Mehrwertsteuer für Speisen in Restaurants und Cafés von 19 auf sieben Prozent abgesenkt. Diese Steuersubvention soll nun zum Jahresende endgültig auslaufen. Die Gastronomen in der Stadt sehen die Entscheidung kritisch.

Gestiegene Einkaufs-, Energie- und Personalkosten sowie die Zurückhaltung der Gäste infolge der Inflation bescheren der Gastrobranche dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zufolge das vierte Verlustjahr in Folge. Und nun soll auch noch die als Corona-Hilfe gedachte und zwischenzeitlich verlängerte Absenkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent enden. Der Dehoga ist dagegen. Befürchtet wird, dass es im nächsten Jahr neben Preissteigerungen von bis zu 18,2 Prozent und sinkenden Umsätzen auch zu Betriebsschließungen und Insolvenzen kommen wird. Der Branchenverband plädiert deshalb für die Beibehaltung der reduzierten Mehrwertsteuer.

Michael Jockers, Inhaber des Restaurants Wein-Therapie in der Frankenstraße, sieht in der Heraufsetzung der Mehrwertsteuer auf Vorkrisenniveau „eine erweiterte Hürde, die nicht für jeden Betrieb machbar sein wird“. Bei Preissteigerungen sei mit einem veränderten Kundenverhalten zu rechnen. Auch Alexander Stock, Wirt des Restaurants Penny Lane 20.18 in der Westlichen Ringstraße, betrachtet die Entscheidung als „Katastrophe für die Branche“. Indirekt seien davon auch Zulieferer wie Metzger, Winzer und Gemüsehändler betroffen. Der verringerte Mehrwertsteuersatz sei wichtig gewesen, um das Corona-Defizit auszugleichen, erläutert Stock. Er betont: „Wir haben keine Kapazitäten mehr, um Preissteigerungen aufzufangen.“ Er baue nun auf seine Stammkunden, sein seit fünf Jahren erfolgreiches Konzept werde er beibehalten.

„Nur noch Straßenverkauf“

Der Inhaber des Restaurants Quattro in der Welschgasse, Egon Werner, sieht die Branche angesichts von Kriegen, Inflation und gestiegener Kosten für Energie und Personal in einer „Polykrise“, der er mit seiner eigenen Strategie begegnen möchte. Er werde die ersten Monate des kommenden Jahres noch abwarten und dann den Bereich Sitzgastronomie aufgeben. Bereits jetzt sei sein Betrieb nur an drei Tagen – dienstags, donnerstags und freitags, jeweils von 11.30 bis 14 Uhr – geöffnet. Der Anteil des Umsatzes seines Geschäfts außer Haus, für den grundsätzlich der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent gilt, sei mit rund 50 Prozent relativ hoch. Den Straßenverkauf will der 73-Jährige, der sich einen „Einzelkämpfer“ nennt, deshalb auch beibehalten. Damit verfolge er sein eigenes „Altersteilzeitmodell“, so Werner.

René Stengel, Wirt des Restaurants Zum Elefanten im Neumayerring, sieht vor allem die Kleingastronomie im Katastrophenmodus und befürchtet Umsatzverluste: „Ab zehn Prozent Minus wird es kritisch.“ Einige Betriebe werden seiner Ansicht nach in Zukunft schließen müssen: „Der Kipppunkt wird in zwei bis drei Jahren kommen.“ Die Dehoga-Kampagne zur dauerhaften Beibehaltung des verringerten Mehrwertsteuersatzes habe er unterschrieben.

Gestiegene Fassbierpreise

Ein weiteres Problem sieht Stengel in den höheren Kosten. Den um knapp 100 Prozent gestiegenen Strompreisen sei er durch den Einbau eines Prepaid-Zählers begegnet. Die staatlichen Corona-Hilfen seien jedoch als Einnahmen bilanziert worden und müssten nun als Gewinn versteuert werden. Und noch ein Problem mache seiner Branche zu schaffen: die Preispolitik der Brauereien. Während die Preise für Kastenbier in Supermärkten künstlich niedrig gehalten würden, seien die von Fassbier gestiegen. Daher müsse er das Bier nun für 4,90 Euro statt 4,60 Euro anbieten. Zudem machten rund ein Drittel höhere Einkaufspreise für Rumpsteaks aus Übersee und Gänse die Kalkulation von Hauptgerichten zur Herausforderung. Gänsegerichte gibt es im „Elle“ laut Stengel nur noch auf Vorbestellung.

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