Frankenthal/Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Drogenfahrt: Zwei Jahre Haft für Autorennen mit Polizei

Mit bis zu 200 Stundenkilometern war ein 27-Jähriger bei seiner Flucht vor der Polizei unterwegs.
Mit bis zu 200 Stundenkilometern war ein 27-Jähriger bei seiner Flucht vor der Polizei unterwegs.

Weil er sich im April mit Autobahnfahndern der Polizei ein illegales Rennen geliefert und Drogen transportiert hat, wurde ein 27-jähriger Mann am Mittwoch am Amtsgerichts Frankenthal zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Ausgangspunkt der Verfolgungsjagd am 12. April, die an der Anschlussstelle Ludwigshafen-Nord auf der Autobahn 6 endete, war die A67 zwischen Gernsheim und Lorsch in Hessen. Dort fiel der Angeklagte einem Autobahnfahnder aus Lorsch auf, der in einem Zivilfahrzeug unterwegs war. Mit seinem Audi A6 mit französischem Kennzeichen fuhr der 27-Jährige ungewöhnlich langsam. Vor einer Kontrolle auf dem nächsten Rastplatz, auf dem Kollegen des Fahnders warteten, flüchtete der Fahrer durch schnelles Beschleunigen auf der Zu- und Abfahrt des Parkplatzes. Bis zu 200 Kilometer in der Stunde sei der Audi bei der anschließenden Verfolgung schnell gewesen, wobei es auf den betreffenden Autobahnabschnitten kein Tempolimit gebe, meinte der Zivilfahnder, der als Zeuge vor Gericht aussagte. Allerdings habe der Mann andere Fahrzeuge über die Standspur überholt und damit den Verkehr gefährdet.

Verfolgt durch zwei Polizeifahrzeuge ging die Fahrt über das Viernheimer Dreieck auf die A6. Etwa in Höhe der Abfahrt Ludwigshafen-Nord setzte sich der Polizist im Zivilfahrzeug erneut vor den Audi und gab das Zeichen zum Anhalten, das zweite Polizeiauto blockierte die Überholspur. Trotzdem versuchte der Angeklagte auszuscheren, touchierte dabei das Polizeifahrzeug, verlor die Kontrolle über den Audi und krachte in die Leitplanken. Er wurde leicht verletzt in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Ludwigshafen gebracht.

Drogen und Schlagring im Auto

Laut Blutuntersuchung stand er unter Drogeneinfluss. Der Angeklagte gab an, seit seinem 14. Lebensjahr Drogen zu konsumieren. Wie sich bei der Untersuchung des Fahrzeugs herausstellte, hatte der 27-Jährige verschiedene Drogen unter den Vordersitzen versteckt. Zudem wurden in dem Fahrzeug ein Schlagring und eine Softairpistole sichergestellt. Die Kennzeichen gehörten nicht zu dem Fahrzeug.

Der gebürtige Erfurter, seit April in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Frankenthal und ohne festen Wohnsitz, sagte am Mittwoch vor dem Schöffengericht aus, er habe das Auto im Auftrag zweier Bekannter von Thüringen nach Strasbourg überführen sollen. Diese hätten ihn unter Druck gesetzt und ihm auf einem Rastplatz kurz vor der versuchten Kontrolle durch die Polizei mit einem Messer in die Hand gestochen, um ihn gefügig zu machen. Die beiden Männer hätten ihn in einem weiteren Fahrzeug begleitet. Dass neben den Drogen zum Eigenkonsum weitere Rauschmittel im Auto versteckt waren, habe er geahnt, aber nicht gewusst. Geflohen sei er, weil er seinen Führerschein wegen einer Arbeitsstelle nicht habe verlieren wollen. Der Angeklagte gab zu, dass er nicht zum ersten Mal im Auftrag der beiden Männer gehandelt hat. Dafür sei er mit Drogen entlohnt worden.

Verfolgungsjagd als illegales Rennen

Nach Einschätzung von Staatsanwältin Gabriele Werner handelte es sich um ein typisches Verhalten bei einem Drogentransport. Die Aktion habe in keinem Verhältnis zur Angst des Mannes gestanden, den Führerschein zu verlieren. Sie sah in ihrem Plädoyer auch den Tatbestand der Beihilfe zum Drogenhandel als gegeben an. Da der Angeklagte aktuell noch unter Bewährung stehe und ihrer Ansicht nach keine günstige Sozialprognose gestellt werden könne, forderte sie eine zweijährige Haftstrafe. Eine Frau mit einem kleinen Kind, für die er sorgen wolle, warte auf den 27-Jährigen, außerdem habe er sich bereits vor der Tat um eine Drogentherapie bemüht, argumentierte Verteidiger Andreas Kirsch.

Der Angeklagte habe gewusst, dass er Drogen transportierte, war Richter Thomas Henn überzeugt. Die Verfolgungsjagd mit der Polizei wertete das Gericht als illegales Rennen. Der Angeklagte erhielt eine Führerscheinsperre von einem Jahr und bleibt in Haft.

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