Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Boulevardkomödie „Die Liebe Geld“ beleuchtet Finanzgebahren von Banken

Die Banker Tanja Drobesch (Bianca Hein) und Julius Cerny (Axel Pape, rechts) nehmen Augenoptiker Alfred (Michael von Au) in die
Die Banker Tanja Drobesch (Bianca Hein) und Julius Cerny (Axel Pape, rechts) nehmen Augenoptiker Alfred (Michael von Au) in die Zange.

Ein absurdes kleines Gedankenexperiment war am Donnerstagabend auf der Bühne des Congress-Forums Frankenthal (CFF) zu sehen. Auf höchst amüsante Art führte die Boulevardkomödie „Die Liebe Geld“ den Theater-Besuchern vor Augen, mit welch skrupellosen Methoden Kreditinstitute versuchen, von der Privatsphäre ihrer unbedarften Kunden Besitz zu ergreifen und die gewonnenen Erkenntnisse für eigene Zwecke zu nutzen.

Bei dem Titel handelt es sich nicht um einen Grammatikfehler, sondern um einen Denkanstoß in Richtung „Liebe zum Geld“. Es ist eine bitterböse Bankengroteske aus der Feder des Wiener Bestsellerautors David Glattauer, die der Regisseur Peter M. Preissler in einer Produktion der Komödie im Bayerischen Hof München mit sicherem Gespür für Tempo und Timing auf die Bühne gebracht hat. Vor einer etwas steril wirkenden modernen Bürokulisse entwickelt sich ein schier aberwitziger Spießrutenlauf eines kleinen Mannes im Kampf um sein Geld und seine Rechte.

Der dramaturgische Spannungsbogen ist fein gesponnen, die abstrus-pointenreichen Dialoge und krassen Übertreibungen bereiten Freude. Dazu gesellen sich die brillanten Leistungen eines bühnen- und fernseherfahrenen Schauspieler-Quartetts, das sich in seinen Rollen sichtlich wohlfühlte.

Das Stück beginnt fast wie eine Realsatire. Der Augenoptiker Alfred Henrich (Michael von Au) ist der Verzweiflung nahe. Der Geldautomat spuckt keine Scheine aus, obwohl er doch 40.000 Euro auf der hohen Kante hat. An der falschen Pin oder einem defekten Magnetstreifen kann es nicht liegen. Nachdem es der Kunde schließlich geschafft hat, auch ohne Termin mit der Bankangestellten Tanja Drobesch (Bianca Hein) Kontakt aufzunehmen, erfährt er, dass sein Geld auf Geschäftsreise sei. Da hilft auch lautstarkes Protestieren nichts. Vielmehr muss er sich vom Bankdirektor Julius Cerny (Axel Pape) den Vorwurf machen lassen, dass er mit dem Geld in letzter Zeit etwas über seine Verhältnisse gelebt habe.

Den Einwand, dass man mit seinem Geld doch bittschön nach Belieben verfahren könne, lässt der smarte Banker nicht gelten, werde doch die Firma, von der Henrich sein Gehalt beziehe, mit Millionenkrediten am Leben gehalten. Als der dringende Bedarf an Bargeld mit dem Kauf eines Schmuckstücks für die Frau zum Hochzeitstag begründet wird, verwandelt sich die Komödie zur Groteske: Die Bank schlägt nicht nur ein anderes Geschenk vor, sondern beschafft es auch – in Form eines Büchleins mit einem Liebesgedicht, das der Bankdirektor höchstpersönlich verfasst hat und Henrich als eigene Schöpfung ausgeben soll. Zwar wird der literarische Erguss von Gattin „Ulli Maus“ mit dem Satz „Es kann nicht jeder ein Goethe sein“ kommentiert, doch sorgt der reichliche Genuss von Likör für eine aufgelockerte Stimmung, die sogar darin gipfelt, dass die Ehefrau vor versammelter Mannschaft einen Seitensprung beichtet.

Von Geld ist schon lange keine Rede mehr, sondern von anderen Serviceleistungen der Bank, namentlich Adventssingen unterm Christbaum, Trauerarbeit bei Todesfällen und Beistand bei Eheproblemen. Die Handlung nimmt eine überraschende Wende, als Ulli Henrich (Julia Uttendorfer) zwei Geldsäcke mit 143.000 Euro präsentiert, die sie als Ersparnisse ihrer Eltern auf dem Speicher gefunden hat. Bei den Bankleuten geht die Sonne auf, sie stürzen sich gierig auf das Bargeld und decken den bedauernswerten Alfred mit Werbesprüchen zur „Bank der Zukunft“ regelrecht zu.

Im Spannungsfeld zwischen permanentem Aufbegehren und Resignation agierte Michael von Au in der Hauptrolle des Alfred Henrich mit bemerkenswertem Einfühlungsvermögen, leidenschaftlichem Temperament und unaufdringlicher Situationskomik. Als salbungsvoller Lügner, verhinderter Schöngeist und homosexueller Bankdirektor überzeugte Axel Pape, wenngleich er nicht immer deutlich genug sprach. Bianca Hein machte als charmant-berechnende und resolute Bankangestellte Tanja Drobesch eine gute Figur. Und der etwas undankbare Part von „Ulli Maus“, der sich recht naiv gebenden Dozentin für Labortechnik, wurde von Julia Uttendorfer durchaus authentisch verkörpert.

Das Stück, das vom Publikum mit herzlichem Beifall goutiert wurde, setzte nicht nur komödiantische Glanzlichter, sondern führte gleichzeitig auch das mitunter zweifelhafte Geschäftsgebaren der Finanzwelt mit leichtem Augenzwinkern ad absurdum.

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