Frankenthal Auch im Düsteren steckt etwas Lebensfreude

Ein zierliches Persönchen mit einer großen Stimme: Ann Vriend hat am Samstagabend in Franks Bodega in Großkarlbach mit ihrer gefühlvollen Powerstimme und ihrer humorvollen Art die Zuschauer begeistert. Nur mit ihrem Keyboard und ausdrucksstarken Kompositionen schaffte es die kanadische Sängerin mühelos, das Publikum zum Mitsingen zu animieren.

Seit drei Jahren tourt Ann Vriend nun schon durch die Lande. Als Unterstützung hat sie ihren Musikerkollegen Rooster Davis dabei. Und wer tourt, der kann auch einiges erzählen: „Wir fuhren in unserem Mietwagen, und unser Navi hat uns heute nicht ganz den richtigen Weg nach Großkarlbach gezeigt – aber hier sind wir“, berichtete die Kanadierin in englischer Sprache, in die sie immer mal wieder deutsche Wörter einfließen ließ. Schließlich schnappt man bei einer längeren Tour das ein oder andere Wort auf. „Prost, Flaschenöffner, Korkenzieher“, zählte die Sängerin ihren neuen deutschen Wortschatz auf und brachte damit das Publikum zum Schmunzeln. Auch wenn sie mit ihren langen schwarzen Haaren äußerlich Ähnlichkeiten zur verstorbenen Amy Winehouse aufweist, sprechen ihre Songs eine ganz andere Sprache. Zwar singt Vriend auch über die Schattenseiten und Schwierigkeiten des Lebens, aber ohne dabei zu sehr ins Depressive abzugleiten. Vielmehr schafft sie es, auch ihren düsteren Liedern etwas Lebensfreude einzuhauchen, was unter anderem an ihrer außergewöhnlichen Stimme und der reduzierten Darbietungsform liegt. Zwei Keyboards – mehr braucht die Kanadierin nicht, um ihren musikalischen Werken eine starke Intensität zu verleihen. Dabei lässt Vriend mühelos verschiedene Einflüsse in ihrer Musik miteinander verschmelzen: Soul, Blues, Folk, Pop, Jazz – eine Mischung, aus der sie problemlos etwas Eigenständiges zaubert. Selbst ihrer Coverversion von „The Joker“ (Steve Miller Band) verpasste sie ein extravagantes Klanggewand, das einige Zuschauer an Janis Joplin erinnern ließ. Andere Anwesende verglichen sie in der Pause mit Katie Melua oder Norah Jones, nur um letztendlich festzustellen, dass sich die sympathische Kanadierin in keine Schublade stecken lässt. Stattdessen müsste man eine eigene Schublade für sie reservieren, denn Vriend zeigte sich ungemein wandelbar. Egal ob flott und schnell oder ruhig und langsam – die Songs verfehlten ihre Wirkung nicht. Das galt auch für ihre Stimme, die sich mal dunkel und rauchig präsentierte, nur um dann in leicht schrille Höhen zu fliegen, die so manchen überraschten. Vriends Kunst dabei: Auch in den ganz hohen Tonlagen klang ihre Stimme nie nervig, im Gegenteil. Sie wickelte sich ganz sacht in die Gehörgänge der Zuschauer, die gerne diesem abwechslungsreichen Klangerlebnis lauschten. Kein Wunder, dass sie Vriends Aufforderung, die Zeile „You’re The One I Wanna Be Around“ lautstark mitzusingen, folgten – wenn auch zunächst etwas zögerlich. „Überall hat das bisher gut geklappt, aber kein Druck“, forderte Vriend ihr Publikum auf, „nicht so schüchtern zu sein“. Dieser charmanten Ansage konnten sich die Anwesenden nicht entziehen und so sang die voll besetzte Bodega in einer Endlosschleife die Refrainzeile. „Absolut super, perfekt“, lautete das Fazit der Musikerin. Eine Aussage, die die Zuschauer nur zu gerne an die Künstlerin zurückgaben.

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