Hockey
40 Jahre nach dem Boykott der Spiele von Moskau: Peter Trump und Heiner Dopp erinnern sich
Die Erinnerungen an das Jahr 1980 sind bei Heiner Dopp (63, TG Frankenthal, Dürkheimer HC) und Peter Trump (69, TG Frankenthal) noch sehr lebendig. Und gerade in diesen Zeiten, da Sportler ob der Corona-Pandemie auf ihren Jahreshöhepunkt in Tokio verzichten müssen, kommen sie noch mal hoch. Gut, die Lage vor 40 Jahren war eine andere. Angeführt von den USA boykottierten einige westliche Länder die Spiele in Moskau, da die Sowjetunion einige Monate zuvor in Afghanistan einmarschiert war. Auch Athleten der Bundesrepublik kämpften in Moskau nicht um Medaillen. „Das war den Amerikanern geschuldet“, sagt Dopp. „Der Sport wurde herangezogen, um Politik zu machen“, meint der ehemalige Bürgermeister von Meckenheim.
Ein kleiner Trost: Für ihn, der schon 1976 in Montréal am Start war, war es nicht die letzte Gelegenheit, bei Olympischen Spielen aufzulaufen. 1984 in Los Angeles – die Spiele damals wurden dann von den Ostblockstaaten boykottiert – und 1988 in Seoul war er noch dabei.
Dopp: Hätten Chance auf eine Medaille gehabt
Für Peter Trump war das Thema damit allerdings erledigt. Und das nagt am Goldmedaillengewinner von 1972 in München auch heute noch. „Olympia 1980 hat man uns geklaut.“ Wenn er daran denke, rege er sich heute noch auf. Denn, da sind sich Trump und Dopp einig: „Wir hätten die Chance gehabt, eine Medaille in Moskau zu gewinnen.“ Vielleicht sogar Gold? Da will sich Dopp nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Aber: „Spanien hätte nie Silber gewonnen.“ Und Indien, das Gold gewann, sei auch nicht so überragend gewesen. „Spanien gegen Indien im Finale – da hat mir das Herz geblutet“, erzählt Peter Trump.
„Wir waren gut gerüstet“, erinnert sich Heiner Dopp. „Und dann waren vier Jahre Vorbereitung für die Katz.“ Das ist auch noch bei Peter Trump präsent: „Es war hammerhart. Nicht nur für mich. Viele Athleten arbeiten in einem Langzeitzyklus darauf hin.“ Es sei bitter gewesen, aber die Sportler hätten es eben nicht in der Hand gehabt. Da sei hinterher die Länderspielreise nach Australien auch nur ein schwacher Trost gewesen.
Trump mit Tränen in den Augen
Die Spiele 1980 haben die beiden dann unterschiedlich erlebt. Peter Trump berichtet, dass er die Spiele am Fernsehen schon verfolgt habe. „Weil ich mich so aufgeregt habe. Und manchmal sind mir schon die Tränen in den Augen gestanden“, gesteht er.
Heiner Dopp hat von den Spielen 1980 dagegen nicht viel mitbekommen. Er sei mit seiner Freundin damals zum Campen ins damalige Jugoslawien gefahren. „Ich hab’ damals aus der Zeitung erfahren, wie das Turnier ausgegangen ist. Ich habe noch gedacht: Mein Gott, Indien gewinnt, und wir sind in Urlaub.“ Interessiert habe er sich schon für das sportliche Geschehen in Moskau. Auf dem Campingplatz sei die damalige Wasserknappheit allerdings das dringendere Problem gewesen.
Trump ist überzeugt, dass er 1984 der Mannschaft hätte helfen können
Für Peter Trump war das Kapitel Olympische Spiele damit beendet. Obwohl es für Los Angeles 1984 schon noch gereicht hätte. Davon ist er auch heute noch überzeugt. „Ich war damals erst 33 Jahre alt und hätte der Mannschaft mit meiner Erfahrung bestimmt helfen können.“
Für Heiner Dopp ging es dagegen noch weiter. „Ich war 1980 ja erst 24. Da waren die nächsten Spiele vier Jahre später schon noch das Ziel“, sagt Dopp. Die Mannschaft sei im Kern auch zusammengeblieben. „Ein paar Jüngere sind dazugekommen.“ 1988 in Seoul führte er die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän aufs Feld. Bei beiden Turnieren holte er die Silbermedaille mit dem Team.
1988 seien es dann auch endlich komplette Spiele gewesen, sagt Dopp. Heißt: Kein Boykott, alle Länder waren vertreten. Eigentlich habe er ja 1986 nach der Weltmeisterschaft aufhören wollen, erinnert sich Dopp. Doch nach einem enttäuschenden Platz drei bei der Weltmeisterschaft habe er zwei Jahre drangehängt.
Dopp: Erst recht angreifen, die Chance wahrnehmen
Das Ziel Olympische Spiele in Tokio 2021 sollten junge Sportler weiterhin verfolgen. „Jetzt erst recht angreifen, die Chance wahrnehmen“, rät Heiner Dopp. Natürlich klinge es einfach, noch mal ein Jahr durchzuziehen. „Das ist ein enormes Pensum. Und für manche bedeutet es ja auch, dass sie womöglich ein Jahr später ins Berufsleben einsteigen. Andererseits: Wer jetzt noch verletzt ist, hat vielleicht im kommenden Jahr die Chance, doch noch daran teilzunehmen. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man es machen.“
Das sieht auch Peter Trump so. Natürlich sei auch die Teilnahme an den Spielen etwas ganz Besonderes gewesen. „Und mit einer Medaille kommt das noch mal in eine ganz andere Kategorie.“ Er habe damals Wochen und Monate gebraucht, um die Goldmedaille zu verarbeiten. „Nach und nach hat es sich erst gesetzt.“
Trump: Schlussfeier 1972 ein emotionaler Moment
Er schwärmt heute noch vom Erlebnis Abschlussfeier in München 1972. „Was da los war. Alle hatten ihre Medaillen umhängen. Die Feier war ein emotionaler Moment. Den vergisst man nie. Und Gewichtheber Wassili Alexejew hat auf jedem Arm eine Hostess getragen“, erzählt Trump und lacht.
Die Eröffnungsfeier sei für die Hockeyspieler eigentlich nie infrage gekommen. Da müsse man stundenlang rumstehen, und am darauffolgenden Tag habe man in der Regel gleich ein Spiel. Und doch: Peter Trump hätte sich dieses Erlebnis 1980 nicht nehmen lassen, wie er beteuert. Da wäre er sich mit den Offiziellen schon einig geworden. Doch dann kam alles ganz anders.