Bad Dürkheim
Warum die Sparkasse Rhein-Haardt ihr Filialnetz ausdünnt
Wie Vorstandsvorsitzender Andreas Ott in einem Pressegespräch am Mittwoch ankündigte, werden bis zum 1. März die Filialen in Ebertsheim, Wattenheim, in der Heßheimer Straße in Frankenthal, in Studernheim, Niederkirchen, in der Talstraße in Neustadt, in Weidenthal und Esthal geschlossen. Nur ein paar Monate länger geöffnet bleibt die Filiale in Gönnheim. Hier soll noch das Ende der Umbauarbeiten am Standort Ellerstadt abgewartet werden. Hierhin sollen die Gönnheimer Kunden sowie das Personal wechseln.
Laut Ott verabschiede sich die Sparkasse damit von neun Filialen mit einer niedrigen Kundenfrequenz. Die Entfernung zur nächsten Sparkasse betrage jedoch nur zwischen fünf bis maximal zehn Autominuten. „In den kleinen Filialen wird es auch immer schwieriger, Personal zu finden“, erläuterte der Vorstandschef. Die jungen Bankmitarbeiter würden gerne in Teams arbeiten, doch in den Filialen, die geschlossen werden, seien höchstens zwei Leute tätig. Diese würden jetzt in das Team der nächstgrößeren Nachbarfiliale aufgenommen. „Sie bleiben Ansprechpartner für ihre Kunden“, betonte er. Die bald leerstehenden Immobilien werden verkauft, wenn sie im Eigentum der Sparkasse sind.
Sparkasse bietet Bargeldbringservice an
Die Sparkasse habe jahrelang eher auf den Ausbau ihrer Vertretung in der Fläche gesetzt und etwa zwölf Millionen Euro seit 2005 in die Modernisierung der Geschäftsstellen investiert, rechnete Ott vor. Nach wie vor betreibe das Kreditinstitut mit dann 32 Filialen das dichteste Filialnetz in der Region.
Kunden mit eingeschränkter Mobilität werde man einen kostenlosen Bargeldbringservice anbieten. Nach einer Bestellung über den Kundendialog-Center in Neustadt oder einen Berater werde das Geld über DHL zum Kunden nach Hause geliefert. Ott verwies auch auf die von der Sparkasse finanzierten Bürgerbusse in Freinsheim, Lambrecht, Wachenheim und im Leiningerland. Ein weiterer Bus in Deidesheim sei geplant. Mit diesen Fahrzeugen könnten die Kunden die nächste Sparkasse erreichen.
Vier abgespeckte Filialen
Weitere Änderungen plant die Sparkasse in den Filialen in Kallstadt, Hambach-Diedesfeld, Geinsheim und Altleiningen. Sie werden nicht mehr personell besetzt, nur noch das SB-Foyer mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker steht den Kunden zur Verfügung. Brauchen sie eine Vor-Ort-Beratung, müssen sie einen Termin über das nächstgrößere Beratungszentrum ausmachen. Die Filiale in Weisenheim am Berg wird bereits seit zwei Jahren ähnlich geführt, hier kommen die Berater aus Freinsheim auf Wunsch zum Gespräch in den Ort. Zur Frage, ob diese Filialen als Wackelkandidaten gelten und bei einer nächsten Filialausdünnung an der Reihe sind, sagte Vorstand Georg Lixenfeld, dass dies auch auf das Nutzungsverhalten der Kunden ankomme.
Online-Angebot boomt
Doch die tätigen Bankgeschäfte am liebsten online. Nur ein- bis zweimal im Jahr sucht ein Kunde eine Geschäftsstelle im Durchschnitt auf. Von den 101.000 Privatkunden der Sparkasse nutzen mittlerweile 60 Prozent das Online-Banking und rund 26.000 die Sparkassen-App.
Beim Blick auf die bevorstehende Bilanz 2020 sagte Ott, dass er in den meisten Geschäftsfeldern mit einem Plus rechne. Insbesondere bei den Darlehenskrediten sei die Nachfrage so hoch wie nie. Jedoch werde die Niedrigzinsphase, deren Ende noch nicht absehbar sei, auch mit einem sinkenden Jahresüberschuss einhergehen.
Kommentar
Einschnitt
Das lässt aufhorchen. Gleich neun Filialen auf einmal müssen schließen: Das trifft fast jeden der 101.000 Privat- und 5200 Geschäftskunden der Sparkasse Rhein-Haardt.
Doch die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Die Banken machen ihr Online-Geschäft immer attraktiver, und somit wird es für die kleine Filiale auf dem Land schwieriger, mit einer guten Kundenfrequenz zu glänzen. Bei der jetzigen Ausdünnung wird es deshalb wohl nicht bleiben. Wenn die Zinsen nicht steigen, wächst der Druck im Wettbewerb der Banken weiter. Gespart wird da auch an der Vertretung vor Ort. Die Kunden haben es aber auch ein Stück weit selbst in der Hand, ob ihre Filiale nebenan weiter eine Zukunft hat.