Interview RHEINPFALZ Plus Artikel SWR1-Hitparade: Michael Lueg über Freddie Mercury und Bad Dürkheim

Schwärmt von seinen Erlebnissen mit Queen: Michael Lueg.
Schwärmt von seinen Erlebnissen mit Queen: Michael Lueg.

Ab Montag sendet SWR 1 Rheinland-Pfalz seine Hitparade aus dem gläsernen Studio auf dem Stadtplatz. Bis Freitag spielt der Radiosender die 1000 beliebtesten Lieder seiner Hörer. Mittendrin: Michael Lueg, einer der Moderatoren. Alexander Sperk hat mit ihm über den Reiz der Hitparade, seine Zeit in Bad Dürkheim und natürlich über Musik gesprochen.

Herr Lueg, die Hitparade wird ein echtes Heimspiel für Sie.
Ja, das stimmt. Ich bin in Bad Dürkheim aufgewachsen und zur Schule gegangen. Außerdem bin ich noch oft bei meiner Mutter, die hier wohnt. Aber nicht nur deswegen freue ich mich: Endlich können wir wieder raus zu unseren Hörerinnen und Hörern, wegen Corona mussten wir das für zwei Jahre unterbrechen.

Zwei Jahre Unterbrechung gab es auch beim Wurstmarkt. Jetzt wurde wieder gefeiert. Waren Sie dort?
Nein, in den Wochen, in denen ich Frühsendungen moderiere, geht das leider nicht. Aber ich weiß natürlich, was die Jahre ohne Wurstmarkt für die Stadt bedeutet haben. Ich weiß noch, wie in meiner Schulzeit der Unterricht praktisch ausgesetzt wurde über die Wurstmarktzeit, weil die Lehrer wussten, dass Schule kaum etwas bringt oder sie selbst einen Kater hatten. Auch einen Tag schulfrei gab es. Daran sieht man doch den Stellenwert des Fests für die Stadt.

Beruflich haben Sie vor allem mit Rock und Pop zu tun. Auf dem Wurstmarkt wird eher „Do werd die Wutz geschlacht“ intoniert. Können Sie damit etwas anfangen, schunkeln Sie bei den Mackenbachern mit?
Aber klar doch. Das waren auch die Feier-Lieder meiner Jugend. Wenn wir auf den Wurstmarkt oder auf Weinfeste nach Wachenheim oder Deidesheim gezogen sind, haben meine Freunde und ich auch noch „Ein Prosit“ gesungen. Das gehört einfach dazu.

Einen Brückenschlag zwischen Hitparade und Wurstmarkt gibt es aber: die Anonyme Giddarischde. Die Gruppe hat es im vergangenen Jahr mit dem Palzlied auf Platz vier der Hitparade geschafft. Gelingt Ihnen jetzt der Sprung in die Top 3?
Das weiß ich nicht. Und will es auch gar nicht vor dem Finaltag wissen. Wegen der Spannung. Ich habe mich aber total gefreut, dass unsere Hörerinnen und Hörer eine vor allem regional bekannte, kleine Truppe wie die Anonyme so weit nach vorne gewählt haben. Als Pälzer machen sie mir einfach Spaß – und außerdem sind sie wirklich nette Leute.

Wann erfahren Sie denn, wer auf welchem Platz gelandet ist?
Unsere Musikredaktion verwaltet die Hitliste und stellt stündlich die Lieder für die nächste Stunde ein. Das heißt, wir Moderatoren erfahren es erst in der Sendung, welche Titel wir ansagen dürfen. Aber das ist auch das Spannende an der Aufgabe.

Wie bereiten Sie sich dann überhaupt vor?
Die SWR1-Redaktion plant bestimmte Themen, Interviews und Aktionen – ansonsten wird von uns Moderatoren viel improvisiert. Oft erzähle ich, was ich mit den Bands und Interpreten erlebt habe. Bei Bohemian Rhapsody – ein Song, der oft ganz vorne liegt – zum Beispiel berichte ich von meinen Erlebnissen mit Queen.

Erzählen Sie.
Musik war für mich immer ein Hobby im Beruf. Ich berichte nicht nur über Politik oder Regionales, sondern war als Reporter auch auf vielen Festivals. So habe ich Queen kennengelernt, die 1986 in Mannheim gespielt haben. Brian May hat mich eingeladen, mit dem Queen-Hubschrauber übers Festival-Gelände zu fliegen, und ich durfte hinter die Bühne, wann ich wollte.

Wie war die Band denn so?
Absolut bemerkenswert. Freddie Mercury war ein eher kleiner Mann, vor den Konzerten immer sehr ruhig, in sich gekehrt und fast ein wenig introvertiert. Das hat sich natürlich geändert, wenn er raus ist auf die Bühne. Brian May ist auch ein eher ruhiger Mensch. Trotz ihres Erfolgs waren das völlig normale Typen. Das fand ich schon sehr beeindruckend. Dass Musiker extrem hart arbeiten, wurde mir klar, als ich Udo Lindenberg bei einer Probe begleiten durfte.

Inwiefern?
Er hat von acht Uhr abends bis drei Uhr nachts selbst das Bühnenbild arrangiert. Ein Stimmdouble stand auf der Bühne und hat gesungen, die Band hat gespielt. Und er saß in der ersten Reihe und hat auf jedes Detail geachtet. Anschließend sind wir dann auf den Kurfürstendamm zusammen eine Currywurst essen gegangen.

In Zeiten von Spotify kann sich doch eigentlich jeder selbst eine Liste mit seinen persönlichen Lieblingssongs zusammenstellen. Wieso ist die Hitparade dennoch so erfolgreich?
Ich glaube, es liegt daran, dass man gerade nicht selbst die Songs zusammenstellt und immer wieder Lieder auftauchen, die einen überraschen und bei denen man denkt: „Toll, dass das jetzt läuft, das hatte ich selbst gar nicht auf dem Schirm.“ Dazu ist die Hitparade Gesprächsthema, läuft beim Friseur, in Geschäften, Büros, Pflegeeinrichtungen oder Werkstätten. Nicht zuletzt entsteht eine besondere Atmosphäre zwischen Radio und Hörern, weil wir rausgehen und uns die Leute bei der Arbeit besuchen und sehen können, wie wir ihre Lieder spielen. Auch wenn diese Nähe in diesem Jahr wegen Corona nur mit gebremstem Schaum möglich ist. Für uns ist es etwas Besonderes, vom Stadtplatz zu senden.

Stimmen Sie im Geheimen mit ab?
Nein. Das will ich nicht, das darf ich nicht und das würde ich auch nicht.

Gibt es einen Titel, den Sie gerne weiter vorne sehen würden?
Grundsätzlich finde ich es gut, dass Bands wie Led Zeppelin oder Queen vorne landen, weil es einfach tolle Musik ist, unabhängig vom jeweiligen Lied. Persönlich würde ich mir was von Ten Years After in der Spitzengruppe wünschen, am besten eine Live-Aufnahme. Ich mag aber auch AC/DC, „Thunderstruck“ zum Beispiel. Es ist schon vorgekommen, dass ich im Studio die Musik so laut gedreht habe, dass die Boxen durchgebrannt sind.

Was haben Sie Ihrem Team denn von Bad Dürkheim berichtet?
Steffi Stronczyk, die gemeinsam mit mir moderiert, habe ich vom Wurstmarkt erzählt, vom Fass, dass ich immer wieder hier bin und den Pfälzerwald vermisse. Sie hat sich ein richtiges Programm zusammengestellt: Am Montag macht sie eine Stadtführung, dann hat sie ein Frühstück im Café Pompöös geplant, am nächsten Tag will sie im Pfälzerwald wandern gehen und am Ende hat sie noch ein kleines Wellness-Programm eingeplant.

Und was haben Sie vor, wenn Sie nicht gerade am Mikrofon sitzen?
Ich werde Zeit mit meiner Mutter verbringen und freue mich auf einen Spaziergang an den Drei Eichen. Ich werde mich einfach ein wenig treiben lassen in der Stadt.

Zur Person

Michael Lueg hat Germanistik und Politikwissenschaft in Mannheim studiert und von 1968 bis Mitte der 1980er-Jahre in Bad Dürkheim gelebt. Der 61-Jährige hat während des Studiums als freier Mitarbeiter vor allem für den Südwestrundfunk, aber auch für die RHEINPFALZ gearbeitet. Er ist einer der Moderatoren der SWR1-Hitparade. Seine Moderationszeiten sind am Montag von 7 bis 9 Uhr, sonst von 5 bis 9 Uhr.

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