Bad Dürkheim Rampensau mit zarter Seele

Es ist ja schon Tradition im Adler in Weisenheim am Sand, dass einmal im Jahr sogar ein AC/DC affiner Dubbeglasbruder seine sanfte Seite entdeckt und alljährlich an Valentinstag die Menschheit mit Liedern für die zarten und verliebten Gemüter beglückt. „Willi sings Lovesongs“ nennt sich diese Veranstaltungsreihe, die am Samstagabend wieder zahlreiche Besucher in den Adler gelockt hat. Wegen des Fasnachtstrubels wurde hier der Valentinstag eine Woche später nachgeholt.

Mit Willi ist eben jener Barde gemeint, der zwar nicht mehr viele Haare auf dem Kopf, dafür aber umso mehr im Gesicht und auf den Zähnen hat. Willi Brausch ist übers Jahr als einer der beiden Dubbeglasbrieder auf so ziemlich jedem Weinfest in der Vorderpfalz unterwegs – wenn er nicht gerade für die AC/DC-Epigonen High Voltage sein Reibeisenstimmchen wetzt. Aber: Er beweist alljährlich im Februar, dass auch in der härtesten Rampensau eine zarte Seele schlummert. Wenn Romantik angesagt ist, dann aber richtig und getreu dem Spruch „Dem Liebenden schlägt keine Stunde“ ist das Konzert dann auch nahezu ausverkauft. Herzchen-Luftballons und Kerzenschein sorgen für die passende Stimmung. Brausch gestaltet den Einstieg betulich und sachte, nur mit Gitarre und Harp spielt er „Colide“ von Howie Day, „Harvest Moon“ von Neil Young und „Hiding My Heart Away“ von Adele. Das Publikum lässt sich von Anfang an darauf ein, ist aufmerksam und leiser als sonst. Man kennt sich eben und weiß daher, was man zu erwarten hat, und dass später bei Klassikern wie „You To Me Are Everything“ (The Real Thing) oder „To Love Somebody“ (Bee Gees) noch genug zum Mitsingen kommen wird. Und da auch der Willi im wirklichen Leben seine Maja gefunden hat, bekommt Gattin Gaby mit „Sing des Lied fer disch“ ein Ständchen, das sich in Pfälzisch gar nicht mal hinter den Klassikern zu verstecken braucht. Als Gast hat er sich dieses Mal mit Heidrun Vogt eine Sängerin ans Mikro geholt, die mit ihrer vollen und ausdrucksstarken Stimme gerade im Duett bestens harmoniert. Zudem hat sie es fertig gebracht, dass Brausch sich zu diesem Anlass tatsächlich hinter ein Piano setzt. Das ist sonst nicht sein bevorzugtes Instrument, aber er hatte seinem Gast versprochen, sie zu John Legends „All of me“ an den Tasten zu begleiten. Dafür wurde er mit einer ganz famosen Solo-Darbietung seiner Duettpartnerin belohnt. Man muss Brausch bei seiner Liedauswahl durchaus zugute halten, dass er nicht über den allerschlechtesten Geschmack verfügt. Er sucht immer wieder Perlen aus, die man nicht unbedingt kennen muss. Tom Waits „Hope That I Don´t Fall In Love With You“ ist solch ein Beispiel. Auch wenn er sich dabei seiner Grenzen bewusst ist und darauf verweist, dass es Leute in seinem Chor, dem ersten Frankenthaler Männerchor 03, gebe, die dieses Lied viel authentischer singen könnten. Trotzdem ist seine Version durchaus passabel. Immer wieder das Eintrittsgeld wert ist Brauschs selbstverfasster Song „Nimmie do“. Darin besingt er auf Pfälzisch den Schmerz, den ein Sohn beim Tod der Mutter empfindet, kleidet den Verlust und die Trauer in ganz schlichte, aber treffende Worte. Der Gebrauch des Dialekts unterstreicht diese Authentizität noch, zumal Brausch dieses Lied mit einer sehr sachten, fast gebrochenen Stimme interpretiert. Dies allerdings ganz und gar unprätentiös und ohne auch nur im Entferntesten auf die Tränendrüse zu drücken. Meistens platziert er diesen emotionalen Brocken an den Anfang seines Konzerts, und trotzdem bleibt er einem noch lange danach im Gedächtnis. Keine Frage, die Mama wär stolz – nicht nur auf diesen Song.

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