Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Vertraulichkeit im Impfzentrum

Viele ältere Leute können nicht ohne Begleitung ins Impfzentrum. Auch dadurch erhöht sich die Anzahl der Anwesenden.
Viele ältere Leute können nicht ohne Begleitung ins Impfzentrum. Auch dadurch erhöht sich die Anzahl der Anwesenden.

Im Dürkheimer Impfzentrum wird ein weiterer Raum für private Arztgespräche eingerichtet. Dass dies nötig ist, zeigt ein Fall eines Ehepaars, dem eine Zweitimpfung Mitte April verweigert wurde. Den Grund dafür erfuhren nicht nur die Wachenheimer, sondern unfreiwillig auch viele andere Anwesende.

Noch einmal eine Infektion mit dem Coronavirus durchmachen, das wollen ein 86-jähriger Wachenheimer und seine 85 Jahre alte Frau unbedingt vermeiden. Eine Woche hat das Ehepaar im November im Krankenhaus gelegen. Beide kommen zwar wieder gut in ihrer Wohnung zurecht. Aber: In ihrem Alter war die Erkrankung nicht einfach wegzustecken. „Wer weiß, ob wir das wieder schaffen würden?“, fragen sie sich. Beide wollen sich deshalb impfen lassen.

Unterstützt werden sie in diesem Wunsch von ihrer Tochter, die als Internistin arbeitet und ebenfalls in Wachenheim wohnt. Sie meldet ihre Eltern im Februar beim Land für eine Impfung an und verschweigt dabei auch nicht, dass beide schon an Covid-19 erkrankt waren. „Ich habe auch wegen des Abstands zur Erkrankung extra noch gewartet. Andererseits war zu dem Zeitpunkt nicht abzusehen, wann überhaupt eine Impfung stattfinden kann“, erzählt sie.

Die erste Impfung verläuft ohne Probleme

Vier Wochen später ist es soweit: Die erste Impfung Mitte März mit dem Biontech-Impfstoff geht völlig unproblematisch über die Bühne. Der Arzt im Impfzentrum in der Salierhalle habe ihren Eltern in einem persönlichen Aufklärungsgespräch auch ausdrücklich empfohlen, den Termin für die Zweitimpfung vier Wochen später wahrzunehmen. Die Internistin freut sich darüber: „Ich will schließlich den bestmöglichen Schutz für meine Eltern.“ Sie fährt beide am 13. April wieder mit dem Auto nach Bad Dürkheim, denn die Mutter sitzt im Rollstuhl und für den Vater wäre der Transport zum Impfzentrum ohne Hilfe nicht zu bewerkstelligen gewesen.

„In Grund und Boden geschämt“

Doch diesmal ist in der Salierhalle alles ganz anders. „Wir waren mit etwa zwölf Leuten, die in kleinen Gruppen zusammensaßen, in einem größeren Bereich, wo beim ersten Mal auch das Aufklärungsvideo gezeigt wurde“, erzählt der 86-Jährige. Eine Frau sei hier von Gruppe zu Gruppe gegangen. „Man konnte nicht ersehen, dass sie eigentlich eine Ärztin ist.“ Sie habe sich die Unterlagen der Impfwilligen angeschaut und dabei auch kurze Kommentare abgegeben. Bei den Wachenheimern habe es dann geheißen: „Ach, und Sie waren schon einmal an Covid erkrankt.“ Daraufhin habe jeder zu ihnen hingeschaut. „Meine Eltern haben sich in Grund und Boden geschämt“, erzählt die Tochter. Ebenfalls vor allen Leuten habe die Ärztin dann die zweite Impfung abgelehnt. Zuvor hatte sie den Raum kurz verlassen – wohl um Rücksprache mit jemandem zu halten, der aber nicht in Erscheinung getreten sei. Auf den Impfunterlagen habe sie dann „Kontraindikation“ angekreuzt. Ihr Argument: Die wissenschaftlichen Meinungen hätten sich geändert, eine zweite Impfung könne schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Ein persönliches Gespräch habe sie abgelehnt.

„Ärger und Enttäuschung“

„Die Frau war eiskalt. Ihr Verhalten uns gegenüber war an der Grenze zum Bösartigen“, erzählt der 86-jährige Wachenheimer, der zwei Wochen nach dem Erlebnis immer noch „Ärger und Enttäuschung“ empfindet. Seine Frau ergänzt: „Ins Impfzentrum gehe ich nie wieder.“ Das Gespräch sei dann vor einem Angestellten der Verwaltung in der Überwachungshalle fortgesetzt worden, so dass die dort etwa 50 anwesenden Personen ebenfalls von der Covid-Erkrankung erfuhren. „Das verstößt eklatant gegen die Datenschutzrechte meiner Eltern“, betont die Tochter, die sich nach dem RHEINPFALZ-Artikel an die Redaktion wandte. Darin wurde über eine von Covid Genesene berichtet, die sich impfen lassen wollte und der Ähnliches im Impfzentrum widerfuhr.

In der Kreisverwaltung weist Sprecherin Sina Müller darauf hin, dass die Impfentscheidung letztlich der jeweilige Arzt treffe. Es könne auch Fälle geben, bei denen der Arzt entscheidet, nur eine Impfung durchzuführen – sozusagen als „Auffrischung“ der Immunabwehr, ohne Zweitimpfung. „Dann dürfte aber natürlich kein zweiter Termin mehr vergeben werden, beziehungsweise der zweite Termin müsste storniert werden“, schränkt Müller ein. Wenn es ein Gespräch über diese Fragen gebe, sollte es natürlich in einem freundlichen Ton geführt werden. Dieses finde in aller Regel auch so statt. Wenn gewünscht, auch unter vier Augen in einem extra Raum, obwohl ein solches Gespräch bei einer Zweitimpfung eigentlich nicht mehr nötig sei, da die Aufklärung beim ersten Termin schon stattgefunden habe. „Aber auch hier kann ein privates Gespräch geführt werden, wenn dies gewünscht wird“, stellt Müller klar.

„Manchmal liegen die Nerven blank“

Zum konkreten Fall erklärt Müller: „Die Ärztin sagt hierzu, dass mehrfach ein privates Gespräch angeboten wurde, dies aber nicht angenommen wurde.“ Jedoch lasse sich die Situation im Nachhinein schwer rekonstruieren. Generell würden die Ärzte freundlich auf die Umstände hinweisen, weswegen jemand möglicherweise nicht geimpft werden könne, und es gebe auch Gelegenheit zum privaten Gespräch. „Wenn dies einmal nicht der Fall gewesen sein soll, möchten wir uns hierfür entschuldigen.“ Bei bislang mehr als 18.000 Impfungen im Dürkheimer Impfzentrum sei es leider nicht auszuschließen, dass in dem einen oder anderen Fall auch etwas nicht optimal laufe. „Und manchmal liegen auch – bei Mitarbeitenden wie zu Impfenden – die Nerven blank“, ergänzt Müller. Jedoch gebe es sehr deutlich mehr positive Rückmeldungen als negative. Um dem Bedarf nach Vier-Augen-Gesprächen nachzukommen, werde jedoch im Impfzentrum noch ein weiterer Raum für private Arzt-Beratungen eingerichtet. Dieser zweite Bereich für Vier-Augen-Gespräche soll bereits ab morgen zur Verfügung stehen.

Erst einmal keine zweite Impfung

Die Entschuldigung akzeptiert die Tochter – obwohl die Aussage, dass ein privates Gespräch angeboten worden sei, nicht stimme. Was die zweite Impfung ihrer Eltern anbelangt, werde sie erst einmal nichts unternehmen – auch nicht beim Hausarzt. „Wenn meine Eltern noch einmal Corona bekommen sollten, würde ich aber juristisch gegen das Impfzentrum vorgehen“, sagt sie bestimmt. Wenn eventuell im Herbst eine Drittimpfung anstehe, werde sie sich aber darum bemühen, dass ihre Eltern dabei wieder berücksichtigt werden.

Im Überwachungsbereich kommen die Geimpften zusammen.
Im Überwachungsbereich kommen die Geimpften zusammen.
Die zweite Spritze mit Biontech-Pfizer wurde den Wachenheimern verweigert.
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