Bad Dürkheim Kirchenorgel kann auch Swing

Die Kurpfälzer Madrigalisten mit dem Speyerer Pianisten und Organisten Stephan Rahn haben das Konzert am Ostermontag in der protestantischen Kirche in Weisenheim am Berg gestaltet. Mit Vokalmusik von der geistlichen Motette über frühbarocke Madrigale bis zum Swing war wirklich alles dabei.

Alles passte klanglich überraschend gut zueinander, sei es Johann Sebastian Bach oder Cole Porter. Die Brücke zwischen den so unterschiedlichen Musikstilen war die Harmonie der Stimmen von Sopranistin Josefa Kermes, Mezzo Beate Reiser, Alt Christine Schneider, Tenor Ingo Wackenhut und Bass Emmerich Pilz, dazu kam Stephan Rahn an der Orgel, der zeigte, wie überraschend man dieses Instrument einsetzen kann. Drei höchst unterschiedliche Teile hatte das Programm, der erste umfasste barocke geistliche Musik, im zweiten waren Madrigale zu hören, also weltliche höfische Unterhaltungsmusik, und mit Schwung leitete die Orgel über zum Swing und anspruchsvoller Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts. Gewichtiger Schwerpunkt des Konzerts gleich zu Beginn war die Bach-Motette „Jesu meine Freude“. Fünf Sänger ersetzen einen ganzen Chor, und das ganz großartig. Die Motette ist schon fast ein Oratorium von fast einer halben Stunde Dauer, zu keiner Zeit kann sich eine Stimme ein wenig tragen und mitziehen lassen. Stephan Rahn spielte auf der Orgel dazu den basso continuo. Basis der Motette, die Bach zwischen 1723 und 1735 komponierte, ist das um 1650 entstandene evangelische Kirchenlied, textlich die Abkehr von der Welt und Hinwendung zu Jesus erfassend. Zwischen die sechs Strophen ist jeweils eine Schriftstelle aus dem Römerbrief geschoben, so dass das Werk auf elf Sätze kommt, im Mittelstück eine reich verzierte Fuge. Nach dem 7. Satz spielte Stephan Rahn auf der Orgel aus dem Bachschen Orgelbüchlein ein Choralvorspiel zum ursprünglichen Kirchenlied. Beim ersten der drei Geistlichen Konzerte von Heinrich Schütz verwandelte sich Emmerich Pilz, eigentlich Bass, ohne Schwierigkeit in einen Tenor. Er sang mit Tenor Ingo Wackenhut im Duett („Eins bitte ich vom Herren“), das zweite („Herr wenn ich nur dich habe“) war für zwei Frauenstimmen und Tenor, das dritte für alle fünf Stimmen. Heinrich Schütz komponierte aber nicht nur reine Kirchenmusik. Das italienischsprachige Madrigal von ihm „Mi saluta costei“ bildete in seiner munteren Rhythmik und Heiterkeit den idealen Übergang zu den weltlich-höfischen Madrigalen im zweiten Teil des Konzerts. Es wurde jetzt international: „Adieu, sweet Amaryllis“ , ein Madrigal für vier Stimmen des Engländers John Wilbye thematisiert in schmerzlicher Süße die Trennung von einer Geliebten. „O Rose, reine des fleurs“ des noch älteren Franzosen Claude le Jeune besingt den Frühling in Gestalt der Rose. Besonders reizvoll war das Madrigal „Il est bon et bel“ von Pierre Passereau, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebte: Ein paar Frauen streichen jede vor der andern die Vorzüge ihres Ehemannes heraus, und der ganze Rhythmus liegt auf „bon“ wie Trommelschläge. Mit Claudio Monteverdis „O primavera“, einem heiteren Frühlingslied, endete dieser Teil des Programms, und Stephan Rahn spielte an der Orgel ein Stück von Nigel Ogden (geboren 1954), das man einer Kirchenorgel nicht zugetraut hätte: „Penguin′s playtime“ klingt nach Jahrmarktkarussell und Kirmes und machte richtig Laune. Die Madrigalisten wandelten sich danach zu einem Vokalensemble a la Comedian Harmonists und sangen zu viert von Cole Porter „Let′s do it“, den frechen Song übers Verliebtsein (und was man da so macht). „She was beautiful“ von Stanley Myers wurde ursprünglich für Gitarre geschrieben, klang aber vierstimmig, mit Sopranistin Josefa Kermes als „Leitstimme“ sicher noch besser, und mit „Smoke gets in your eyes“ von Jerome Kern schlossen die fünf Madrigalisten ihr Programm, begeistert beklatscht von den vielen Zuhörern.

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