Weingut am Kaiserbaum in Gerolsheim Verkostungswettbewerb Mundus Vini: Das „Beste Weingut Deutschlands“ liegt in der Pfalz

Hat bei Mundus Vini ordentlich abgesahnt: Winzer Gerald Hundinger.
Hat bei Mundus Vini ordentlich abgesahnt: Winzer Gerald Hundinger.

Erstmals hat das Weingut am Kaiserbaum in Gerolsheim am Verkostungswettbewerb Mundus Vini teilgenommen und gleich mehrere Goldmedaillen für die angestellten Weine nebst der Auszeichnung „Bestes Weingut Deutschland“ gewonnen.

Gerald Hundinger macht aus seiner Freude über den Erfolg kein Geheimnis. Dass er mit seiner Frau Frauke, seinem Vater Frithjof, seiner Mutter Margit und den Mitarbeitern mit einem Glas Sekt auf den jüngsten Erfolg anstieß, versteht sich. Aber er ist auch keiner, der nach dem Ritterschlag durch die internationale Verkostungsjury beim Meininger Verlag in Euphorie ausbricht.

Sein Erfolg kommt trotzdem überraschend. Er kam, sah und siegte. Anders kann sein Weg zu einem Spitzenweingut nicht beschrieben werden. Denn die 140-köpfige Expertenjury zeichnete bei der letzten Verkostung nicht nur einen Wein des Weingutes aus, sondern gleich mehrere Weine. Neben „Grand Gold“ für seine Beerenauslese erhielt das Weingut für seinen 2007er Spätburgunder Blanc de Noir Eiswein Schwarzerde ebenfalls die höchste Auszeichnung.

Weine unter anderem aus Gerolsheimer Toplagen

Mit „Gold“ wurden gewürdigt: 2020er Schwarzerde Spätburgunder trocken, 2020er Kirchenstück Riesling, 2020er My Way „Gerald“ Cuvée rot trocken, 2020er Goldberg Riesling, 2016er Frithjof Cuvée rot trocken und ein 2018er Altenberg Lemberg trocken. Die Weine stammen aus den Toplagen in Gerolsheim, Weisenheim und Herxheim am Berg. Selten zuvor hat ein Weingut mit solch einer Kollektion die Fachwelt für sich eingenommen. So erhielt das inzwischen 60 Jahre alte Weingut, das Gerald Hundinger in dritter Generation fortführt, auch die Auszeichnung „Bestes Weingut Deutschland“.

Moderne trifft Tradition: Weingut am Kaiserbaum.
Moderne trifft Tradition: Weingut am Kaiserbaum.

Das Weingut wurde nach dem violett blühenden Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) benannt, den die Eltern Frithjof und Margit Hundinger zur Geburt ihres Sohnes Gerald 1980 im Hof ihres Weinguts gepflanzt haben. Ein Baum, den sie im Stadtpark von Montpellier entdeckt hatten, wie Frithjof Hundinger verrät. Eine Legende besagt, dass sich auf diesem Baum der mystische Vogel Phönix niederlässt, der seit der Spätantike Unsterblichkeit, Glück und Fruchtbarkeit verheißt.

Qualitativ hohe Vielfalt des Sortiments

„Wir freuen uns sehr über die Anerkennung unserer Weine durch Mundus Vini, die uns einmal mehr darin bestätigt, an unserer Strategie des nachhaltigen Weinbaus festzuhalten. Unsere Gewinnerweine decken dabei die gesamte Klaviatur unserer Kollektion ab: Sowohl Weißweine und Rotweine als auch Süßweine wurden ausgezeichnet, was die qualitative Vielfalt unseres Sortiments unterstreicht“, sagt Gerald Hundinger. So werden die Rotweine des Betriebs traditionell im Holzfass ausgebaut, die Weißweine reduktiv im Edelstahl vergoren.

Er fühle sich in seiner Einstellung, seiner Philosophie und seinem Tun bestätigt, wie er das von seinem Vater Frithjof übernommene Weingut führe, betont er. Doch der inzwischen 43-jährige Diplom-Oenologe sieht seinen Weg noch lange nicht vollendet. Der Gerolsheimer, der sich seit frühester Jugend mit der Natur beschäftigt und in der zwölften Klasse sein erstes Praktikum in den Osterferien in einem Weingut in Burgund absolvierte, setzt konsequent auf die Strategie des nachhaltigen Weinbaus.

Ausbildung bei Hans-Günter Schwarz

Das Wissen darum wurde Gerald Hundinger in seinen Ausbildungsbetrieben wie dem Bio-Weingut Eymann in Gönnheim und dem Weingut Müller-Catoir bei Hans-Günter Schwarz nochmals vertieft. Eine Zeit, die für ihn rückblickend prägend gewesen sei, meint er. Hundinger gilt als wissensdurstig und neugierig, als einer, der auf seine Fragen Antworten sucht.

Sein Blick ging schon immer über den Tellerrand hinaus. Er verbrachte ein erstes Semester an der Faculté d'Œnologie der Université Bordeaux II, ehe er an der Hochschule in Geisenheim seinen Abschluss machte. Dazu führten ihn mehrere Praktika und Studienreisen nach Frankreich, Österreich, Spanien, Portugal und nach Kalifornien. „Überall wo ich wirken durfte, konnte ich etwas mitnehmen“, erinnert sich der preisgekrönte Winzer, der im Laufe der vergangenen 16 Jahre beim Ausbau der Weine seinen eigenen Stil gefunden hat.

Seit dem vergangenen Jahr am Ruder

Bis zum vergangenen Jahr hat sein Vater den Außenbetrieb geführt. Nach dessen altersbedingtem Ausscheiden übernahm der Sohn die Verantwortung. Gerald Hundinger will bei der Weinproduktion so wenig wie möglich steuern. „Man muss das Gespür dafür bekommen, im richtigen Moment einzugreifen, nur so kann etwas Großes entstehen“, sagt Hundinger. Das A und O sei der richtige Reifezeitpunkt der Trauben. Deshalb lege er sich auch nicht bezüglich des Einsatzes eines Traubenvollernters oder einer Handlese fest.

Dafür steckt Hundinger seine ganze Kraft in die Weinberge. Das hat Gründe. „Die Traube ist das Potenzial, sie braucht viel Einsatz über das Jahr. Nur wenn sie reif und gesund ist, dann steckt in ihr auch das gesamte Potenzial“, sagt Gerald Hundinger. „Die innere Qualität der Trauben kommt vom Boden. Deshalb sollte der Boden auch vital sein.“ So begrünt er alle landwirtschaftlichen Flächen des Betriebs bewusst artenreich, um mehr Insekten einen Lebensraum zu bieten.

Partnerbetrieb Naturschutz des Landes Rheinland-Pfalz

Zudem setzt er Kompost als Düngemittel ein und ist mit diesem Ansatz seit 2016 als Partnerbetrieb Naturschutz des Landes Rheinland-Pfalz anerkannt. Gleichzeitig verzichtet er konsequent auf den Einsatz von Herbiziden und Insektiziden. „Ein umweltbewusster Umgang im Weinbetrieb kommt nicht nur der Vitalität der Weinberge zugute, sondern schlägt sich auch in der Weinqualität nieder“, ergänzt Marketingleiter Jürgen Armbruster.

In der Tat: Hundinger versucht immer wieder neue Wege zu gehen. So setzt der Oenologe auf seinen 25 Hektar Weinbergsfläche neben Burgunderreben und Riesling einen Schwerpunkt bei pilzwiderstandsfähigen Rebsorten wie Cabernet Blanc. Bei allen Bestrebungen ist das Weingut am Kaiserbaum kein zertifiziertes Bio-Weingut. Man arbeite zwar konsequent wie ein Bio-Weingut. „Wir möchten aber frei sein, es vorleben, aber nicht den Vorgaben unterworfen sein“, sagt er.

Rohdiamant der deutschen Weinszene

Gerald Hundinger ist eben keiner, der mit dem Strom schwimmt. Er ist ein Rohdiamant, der die deutsche Weinszene noch bereichern wird. Die Weine sind von einer Harmonie und Eleganz geprägt, dass sie einfach Spaß machen. Darauf ist auch sein Vater Frithjof besonders stolz, der dem Sohn „Enthusiasmus, aber auch das Herz für die Trauben“ bescheinigt. „Der Rebstock ist das, was es ausmacht. Er braucht so viel Einfühlungsvermögen wie ein Mensch. Der Wein hängt eng mit dem Menschen zusammen.“

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