SCHAUSPIEL „Maria Stuart“ in Ludwigshafen

Setzkasten-Spiel: Elisabeth (Julia Windischbauer) und Melvil (Jeremy Mockridge).
Setzkasten-Spiel: Elisabeth (Julia Windischbauer) und Melvil (Jeremy Mockridge).

Königinnen in ihren Zellen: Anne Lenks „Maria Stuart“, das am 30. Oktober 2020 am Deutschen Theater Berlin Premiere hatte, kommt nach Ludwigshafen und arbeitet mit einer typischen Pandemie-Ästhetik: dem Kasten.

Wird man irgendwann in naher Zukunft in theaterwissenschaftlichen Zirkeln vom Covid-Kästchen sprechen? Oder von einem szenischen Corona-Kubismus?

Tatsache ist, dass die Pandemie bereits eine eigene Theaterästhetik hervorgebracht hat. Ihr zentrales Bühnenelement ist der Kasten, der Isolation und Kontaktreduktion sowohl hygienevorschriftsmäßig ermöglicht, als auch versinnbildlicht. Vor allem in 2020, als die Ensembles noch nicht durchgeimpft waren, variierten viele Inszenierungen dieses Kästchenprinzip. Das gilt auch für Anne LenksMaria Stuart“, die am 30. Oktober 2020 am Deutschen Theater Berlin Premiere hatte, dieses Jahr zum Berliner Theatertreffen und zu den Mannheimer Schillertagen eingeladen war und im Februar kommenden Jahres am Ludwigshafener Theater im Pfalzbau gastieren wird.

Gefangene ihrer politischen Rollen

Friedrich Schillers Königinnendrama spielt hier in einer Art überdimensioniertem Setzkasten (Bühne: Judith Oswald). Jede Figur hat ihr eigenes Kämmerchen; die Schauspieler können einander nicht sehen, nur hören. Sobald jemand „auftritt“, wird seine Box beleuchtet, ansonsten bleibt die Kammer dunkel. Das erinnert an eine Zoom-Konferenz am Bildschirm. Aber auch ein Vergleich mit Zellen drängt sich auf: Dass letztlich beide Königinnen – Elisabeth (die erst 25-jährige Julia Windischbauer) ebenso wie Maria (Franziska Machens) – Gefangene ihrer politischen Rollen sind, dass sie, von Männern umgeben, einsam in einer Blase der Macht leben, wird selten so offensichtlich wie in dieser Inszenierung.

Liest man den Pressespiegel zu dieser „Maria Stuart“ quer, ist es Regisseurin Anne Lenk offenbar gelungen, aus der pandemischen Verschachtelungsnot auch darstellerischen Gewinn zu schlagen. Durch den Zwang zum frontalen Spiel erhalte die einzelne Figur deutlich mehr Kontur, heißt es in einer Kritik. Eine andere lobt: „Lenk gewinnt den beiden Königinnen und den sie umkreisenden Männerfiguren ungeahnte Schattierungen ab – und eine erstaunliche Menge Komik.“

Info

Schiller: »Maria Stuart« – Fr 11.2. und Sa 12.2. um 19.30 Uhr, Ludwigshafen, Theater im Pfalzbau, Karten: www.theater-im-pfalzbau.de

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