Das Kulturjahr 2024
Worauf es sich freuen lässt
Der ultimative Pfälzer Spielfilm
An einem Mittwoch im Herbst 2024 um 20.15 Uhr soll es so weit sein: Dann wird der Film ausgestrahlt, auf den nicht nur Christian Baron aus Kaiserslautern sehnsüchtig wartet: die Verfilmung seines Bestsellers „Ein Mann seiner Klasse“ (2020). Marc Brummund, in Zweibrücken aufgewachsener Regisseur, mochte das Buch auf Anhieb und hatte sich gleich nach dem ersten Lockdown mit Baron getroffen. Sie haben Pälzisch gebabbelt, fanden einen Draht zueinander – und Brummund machte sich ans Drehbuch (mit Nicole Armbruster, mit der er auch „Freistatt“ schrieb). Der SWR und der BR sagten ja, die Filmförderungen von Rheinland-Pfalz (100.000 Euro) und Baden-Württemberg (350.000 Euro) beteiligten sich – und es wurde in Kaiserslautern und Mannheim gedreht.
Baron war mit der Verdichtung der Geschichte auf nur einen langen Sommer 1994 in Kaiserslautern einverstanden. Brummund, bekannt für starke, gefühlvolle Bilder, freute sich über die (Rheinland-)Pfälzer Besetzung: Leonard Kunz, in Freinsheim aufgewachsen, spielt den Vater, seine Schwester Jelena ist dabei, ebenso Steffen Wink aus Pirmasens, André Eisermann aus Worms, Denis Scheuermann aus Frankenthal, Svenja Jung aus Koblenz. Der Hauptdarsteller Camille Loup Motzen ist allerdings Berliner. „Die Regionalisierung war uns wichtig“, sagt Brummund, auch wenn viel Hochdeutsch gesprochen wird. Schließlich sollen ja alle verstehen, worum es geht: um Christian, der in prekären Verhältnissen lebt, aber in der Schule so gut ist, dass er auf Gymnasium könnte. Sein Vater, der Möbelpacker, will das nicht, seine Mutter schon. Als sie stirbt, kommt Christian zu Tante Juli, die seine Talente fördert. Es ist also eine Emanzipationsgeschichte.
Der Kosmos Bruckner in Ludwigshafen und Neustadt
Es gibt im Angebot der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz viele Konzerte, die man empfehlen könnte. Ich aber freue mich vor allem auf eines am Freitag, 26. April, im Pfalzbau in Ludwigshafen. Das hat mehrere Gründe, einer davon heißt Anton Bruckner. Dessen siebte Sinfonie wird Michael Francis, der Chefdirigent der Staatsphilharmonie, an diesem Abend dirigieren. Das Orchester hat schon unter seinem ehemaligen Chef Karl-Heinz Steffens bewiesen, dass es Bruckner kann. Das Projekt „Bruckner in den Domen“, bei dem alle Sinfonien des Komponisten in den Domen zu Speyer, Worms, Trier und Mainz aufgeführt worden waren, war ein großer künstlerischer Erfolg. Und es ist fest davon auszugehen, dass der ebenso charismatische wie Publikum und Orchester gleichermaßen mitreißende Francis auch einen Bruckner präsentieren wird, der zu einem ungewöhnlichen Erlebnis werden wird.
Das liegt vor allem an der Einzigartigkeit von Bruckners Musik. Sie bildet einen eigenen Kosmos. Mitunter wirkt seine Musik so eigenwillig, so sperrig sich zu der Tradition verhaltend auch, als hätte er diese riesigen sinfonischen Kathedralen ganz aus sich selbst heraus erschaffen. Entstanden sind so neun (die Neunte allerdings blieb unvollendet) gewaltige Sinfonien, die man auch als tönendes Gotteslob verstehen kann. Und als Überwältigungsmusik im besten Sinne des Wortes. Und es gibt noch mehr zu hören in diesem Konzert, das am Abend vorher auch in Neustadt gegeben wird: Die wunderbare Sophie Pacini, die gerade erst im Mannheimer Rosengarten begeistert hat, wird das erste Klavierkonzert von Franz Liszt spielen.
Die Qual der Wahl an einem Junitag in Mannheim
Ich freue mich auf den 28. Juni, einen Freitag. Allerdings habe ich sehr lange hin und her überlegt, was ich an diesem Abend machen werde: Ob ich das Konzert der Pet Shop Boys in der Mannheimer SAP-Arena besuche oder wenige hundert Meter entfernt das von Trettmann auf dem Zeltfestival. Ich habe Pro- und Contra-Listen erstellt, Playlisten durchgehört, mit meinem Mann diskutiert. Für Trettmann hätte gesprochen, dass ich seine Musik sehr gerne höre, ihn aber noch nie live gesehen habe. Bei den Pet Shop Boys war ich schon mal, 2007 in der Alten Oper in Frankfurt. Es war einfach fantastisch – so fantastisch, dass ich ein klein wenig befürchte, diesmal enttäuscht zu werden. Obwohl – eigentlich erwarte ich nicht weniger als eine grandiose Pop-Show. So habe ich mich für die Pet Shop Boys entschieden. Auch, weil Trettmann alias Stefan Richter fast 20 Jahre jünger ist als Chris Lowe und Neil Tennant, und es sicher nicht die letzte Gelegenheit sein wird, ihn zu erleben. Was bin ich froh, dass wenigstens bei der Fußball-EM an diesem Abend spielfrei ist …
Jazz in Montreux – und Kaiserslautern
Das weltberühmte Jazzfestival in Montreux ist im Umbruch. Die Hauptspielstätte wegen Sanierungsarbeiten geschlossen, ringt man nach Alternativen für die Konzerte, die von 5. bis 20. Juli 2024 stattfinden sollen. Eine neue große Bühne am See und die Rückkehr ins traditionsreiche Casino stehen neben einer Hand voll kleineren Open-Air-Gratisbühnen bislang fest. Spannend wird daneben, wie das Programm aussehen wird, das vermutlich Mitte April veröffentlicht wird.
Eine sichere Bank dagegen ist das ebenfalls traditionsreiche Jazzfestival im Kaiserslauterer Kulturzentrum. Kammgarn-Chef Richard Müller hat für die sieben Konzerte, die auf den drei Bühnen seines Hauses von 18. bis 20. April steigen, ein breit gefächertes Programm zusammengestellt. Es reicht von „alten Bekannten“ wie dem Kölner Trompeter Markus Stockhausen und dem französischen Akkordeonisten Vincent Peirani bis hin zu spannenden Newcomern wie dem 23-jährigen Saxophonisten und Komponisten Jakob Manz, der derzeit für Aufsehen sorgt. Dass ein kleiner Schwerpunkt mit skandinavischem Jazz (Daniel Herskedal aus Norwegen und das finnische Iro Rantala HEL Trio) nicht fehlen darf, ist der Leidenschaft des Festivalimpressarios für Klänge aus dem Hohen Norden zu verdanken. Der Trip in die Westpfalz steht also bereits fest (Vorverkauf: www.kammgarn.de), ob sich die Reise an den Genfer See (www.montreuxjazz.com) lohnt, wird sich zeigen.
Kleines, feines Festival mit viel Flair in Neuleiningen
Die einen klotzen, die anderen kleckern. Der Neuleininger Burgsommer liegt irgendwo dazwischen. Für mich hat das Festival genau die richtige Größe, vor allem aber ein ganz besonderes Flair: Ein paar hundert entspannte, strahlende Menschen bevölkern die Burgruine im beschaulichen Dörfchen, das hoch über der Rheinebene thront. Wer ein schönes Plätzchen zwischen den Burgmauern ergattert hat, schlürft gepflegt einen erfrischenden Cocktail oder einen Pfälzer Wein aus dem Stielglas – und freut sich auf gute Live-Musik. Unvergesslich bleiben mir die Auftritte von Albert Hammond, Christopher Cross und Saga unter dem sommerlichen Sternenhimmel, der hier oben noch ein bisschen näher erscheint als sonstwo in der Pfalz. Originale wie die genannten sind für 2024 zwar nicht angekündigt, aber an acht Abenden zwischen 21. Juni und 20. Juli werden erlesene Tribute-Bands Hits von Legenden wie Pink Floyd, Udo Lindenberg, Genesis oder Queen würdig aufleben lassen. Dabei fühle ich mich ganz nebenbei gleich ein paar Jährchen jünger… (Infos/Karten: burgsommer-neuleiningen.de)
Vorfreude auf kein Cure-Album
Das diebische Grinsen unterm Kajal und der Vogelnestfrisur war verräterisch. Er wisse sogar schon den Titel des neuen Albums, sprach Robert Smith vor bald zwei (!) Jahren listig ins Reportermikrophon. „Songs of a lost world“ werde das erste Werk der britischen Kultband The Cure seit 2008 heißen, im Grunde sei es ja fertig, ein paar Tüfteleien noch im Studio, der übliche Kleinkram halt. Nun muss man wissen, dass Smith es bei Interviews mit der Wahrheit zu seiner eigenen Belustigung nicht immer allzu genau nimmt. Und so gab es zur folgenden Welttournee zwar ein paar neue, etwas zähflüssige Songs – aber kein neues Album. Nun gut, die mit ihrem Idol alternden Cure-Fans – Smith wird im April 65 – können ihre Sehnsucht längst zügeln. Zumal seit dem 2000er-Werk „Bloodflowers“ keines der beiden folgenden Alben ein allzugroßer Wurf war. Schlimm? Gar nicht! Üben wir Smith-Jünger uns weiter in der Erkenntnis, dass mit den Meilenstein-Alben der 80er die Plattengeschichte von The Cure vielleicht sogar fast auserzählt war – zur vollumfänglichen Zufriedenheit für alle Zeiten. Freuen wir uns also 2024 guten Gewissens auf kein neues Cure-Album – und stattdessen eher auf Frischgepresstes von jemandem, den es ohne The Cure musikalisch so gar nicht gäbe. Postpunk-Gitarrenheld Betterov zum Beispiel – vielleicht dann auch wieder live in der Kaiserslauterer Kammgarn. Dann gern mit Strom von Anfang bis Ende des Auftritts.
Das Mannheimer Maifeld Derby diesmal zu Pfingsten
Als Adventskalender hat Timo Kumpf, Veranstalter das feinen Indie-Festivals Maifeld Derby im Mannheimer Reitstadion, diesmal die ersten Bands für 2024 präsentiert. Zugegeben: Außer Róisín Murphy, einst bei Moloko, sowie den Barden Edwin Rosen und Hannes Widmer (Ex-Spaceman Spiff) kenne ich niemanden. Aber das ist ja gerade das Besondere des Festivals: Kumpf und sein Team entdecken stets aufregende neue Künstler, die man sonst nie in der Region erleben könnte, 2023 etwa eine Band aus dem Kongo. Diesmal kommen Musikerinnen aus Polen und Singapur, das wird spannend. Ebenso wird sich zeigen, ob der neue Termin – Anfang statt Mitte Juni – mehr Publikum zieht (Karten: www.maifeld-derby): In Rheinland-Pfalz Pfingstferien.
Die Neue Sachlichkeit in Mannheim
Die Welt vor 100 Jahren? Aus den Fugen – wie jetzt gerade? Im November kehrt eine Kunst heim nach Mannheim, die synonym für eine Epoche in Aufruhr steht. Die 20er-Jahre waren das Jahrzehnt der Moderne, der Spanischen Grippe, der kulturellen Blüte, der aufkommenden Nazis, des sich anbahnenden Kriegs. „Neue Sachlichkeit“, den Begriff hat der damalige Kunsthallendirektor Gustav F. Hartlaub für seine im Juni 1925 angelaufene Ausstellung geprägt. Für Dix, für Grosz, für Schad, für Hubbuch. Wirklichkeitssüchtige Kunst abseits von Expressionismus, Futurismus und Kubismus. Jetzt blickt Kuratorin Inge Herold in der Kunsthalle („Die Neue Sachlichkeit. Ein Jahrhundertjubiläum“, 22. November 2024 bis 9. März 2025) noch einmal neu auf das Phänomen, das als Präzisionsbeschreibung des wilden Jahrzehnts gelten kann. Dieses Mal aber stehen Frauen wie Hanna Nagel, Jeanne Mammen, Elfriede Lohse-Wächtler oder Dodo im nachholenden Fokus. Und irgendwie auch die Gegenwart.
Nicht nur Operette in der Kulturhauptstadt Bad Ischl
Ja ist denn schon 2024? Es war ja noch gar keine Zeit, sich zu überlegen, auf was man sich freuen soll. Und außerdem, wer weiß, am Ende fährt mal wieder kein Zug nach Nirgendwo ... Trotzdem, das Kulturhauptstadtjahr in Bad Ischl ist schon was, auf das man sich freuen kann. Ganz egal , ob man nun für Sisi schwärmt, für Bruckner oder Hubert von Goisern – oder irgendwie je nach Laune für alle drei. Vielleicht kann man sich auch mal anschauen, wie das Operetten-Festival den Lehár Ferenc feiert – oder in die Bergwelt flüchten, wenn’s unten zu voll und zu laut wird. Die Auswahl ist riesig, die Landschaft wunderbar. Und am 20./21. Januar wird schon Eröffnung gefeiert. Ansonsten freue ich mich alles, was ich neu entdecken werde und von dem ich jetzt noch gar nichts weiß.
Kaiserslautern erinnert an Auswanderung nach Brasilien
Die Suche nach Glück und Wohlstand ist so alt wie die Welt. 2024 wird diesseits und jenseits des Ozeans an „200 Jahre deutsche Auswanderung nach Brasilien“ erinnert. Die Stadt Kaiserslautern begeht das Jubiläum mit einer Reihe von Veranstaltungen, für die das Land 143.000 Euro zuschießt. Auftakt ist am 19. Januar mit einem authentischen „Carnaval Brazil“ in der Fruchthalle. Im Mittelpunkt steht die Ausstellung „Neuland“ ab Pfingstsonntag im Stadtmuseum. Neben der - auch digitalen - Präsentation historischer Zeugnisse sind Lesungen, Konzerte und so unvermeidliche wie undefinierbare „Workshops“ geplant. Parallel erinnert Simmern im Rhein-Hunsrück-Kreis an das Jubiläum. In Brasilien wird übrigens traditionell der 25. Juli als „Tag der deutschen Einwanderung“ begangen. Erste Landarbeiter kamen nach der Heirat einer österreichischen Erzherzogin mit dem brasilianischen Thronfolger Dom Pedro 1817 ins Land. Dessen Vater João VI. schickte Werber über den Ozean, die vor allem Siedler aus der Westpfalz und dem heutigen Saarland anlockten. Heute rühmen sich rund zehn Prozent der Brasilianer deutscher Vorfahren. Anfang 2023 haben der deutsche Bundeskanzler und sein Wirtschaftsminister die 200 Millionen-Einwohner-Republik zwischen Amazonas und Savanne besucht. Anschließend wurden „die Beziehungen ganz oben auf der Agenda“ platziert.
Eine getanzte Johannes-Passion in Speyer
Meine erste Johannes-Passion von Bach habe ich 249 Jahre nach der Uraufführung der ersten Fassung 1975 gehört. Ein Jahr nach der 250-Jahrfeier des Werks. Das war mit dem leider jüngst in seiner bisherigen Existenz stark gefährdeten Mainzer Bachchor, dessen „Einsparung“ mich überhaupt nicht freut. Viele weitere Konzerte mit der Johannes-Passion habe ich erlebt, unter Helmuth Rilling, John Eliot Gardiner, Michael Gielen, Georg Christoph Biller, William Christie (sehr ergreifend) und Simon Rattle. Letzterer hat die Bach-Passionen mit den Berliner Philharmonikern und dem Rundfunkchor Berlin auch szenisch aufgeführt, in der Bewegungsregie des amerikanischen Theatergenies Peter Sellars. Auch eine Theaterversion von Bob Wilson hab ich gesehen. Doch Rattle/Sellars in Baden-Baden 2014 war etwas ganz Außerordentliches und Bewegendes. Warum erzähle ich das? Weil es kommendes Frühjahr zum dann 300. „Geburtstag“ der Bach’schen Johannes-Passion unzählige Aufführungen dieses Werks geben wird. Auch in Speyer mit der Dommusik. Und es wird dazu getanzt werden. Singen wird der neue KathedralJugendChor der Dommusik aus der ältesten Mädchenchorgruppe und den jungen Männerstimmen der Domsingknaben, das Dance Theatre Heidelberg wird den choreographischen Teil beisteuern. Rund um Palmsonntag sind zwei Vorstellungen angesetzt. Und was auch schon klar ist: Die Alt-Partie singt wieder der Weltklasse-Countertenor Andreas Scholl, dessen Auftritt in diesem Stück schon 2019 sehr eindrucksvoll war. Der Alt hat ja auch mit „Es ist vollbracht“ die ausdrucksvollste Arie der Passion. Es ist also ein sehr spannendes Projekt zu erwarten. Übrigens: Speyer und Bachs Johannes-Passion, da gibt es eine gewichtige und nachhaltige Verbindung: Anfang der 1990er-Jahre entstand vor allem im Dom zu Speyer die Filmversion von Hugo Niebeling „Es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk“. Auch hier spielt Tanz eine wichtige Rolle.
Ein klimaneutraler „Moby Dick“ am Pfalztheater
Herman Melvilles 900-Seiten-Roman um die Jagd nach dem Wal „Moby Dick“ wird von modernen Interpreten als Reflexion über die Unbezwingbarkeit der Natur trotz menschlichen Raubbaus gedeutet. Vielleicht hat das Pfalztheater Kaiserslautern deshalb den 170 Jahre alten Buchklassiker zur Grundlage seiner „ersten klimaneutralen Produktion“ gemacht. Das bislang ohne Autorennennung angekündigte Projekt trägt den sperrigen Titel „Moby Dick – Eine Reflexion unter steigenden Temperaturen“. Es wird vom 1978 in Thüringen geborenen Regisseur Robert Neumann inszeniert und soll am 4. Mai Premiere haben. Die Kulturstiftung des Bundes hat 98.000 Euro zur Erprobung „klimaneutraler Produktionsformen und neuer Ästhetiken einer ökologischen Nachhaltigkeit“ bewilligt. Was hätte der dichtende Stilist Melville wohl zu solchen Formulierungskünsten gesagt? Aber wie dem auch sei: Die „ökologische Transformation“ des Lauterer Theaters prägt schon jetzt die Vorbereitungen zu „Moby Dick“. Die Anfahrt des Regieteams soll „nach Möglichkeit klimaschonend erfolgen“, sagt die Kaufmännische Direktorin Marlies Kink. Bei ihrem Amtsantritt im Sommer hat sie angekündigt, das Pfälzer Schauspielhaus zum „nachhaltigen Unternehmen“ zu machen. Offenkundig hat sie mehr Erfolg als Herman Melville, der zu Lebzeiten nur 3000 Exemplare eines Werks verkaufen konnte. Seine Bekanntheit verdankt „Moby Dick“ vor allem zahlreichen Bearbeitungen für Radio, Fernsehen und Film. Die bekannteste Verfilmung drehte John Huston 1956 mit Gregory Peck als einbeinigem Walfänger-Kapitän Ahab. Im Film „Dämon des Meeres“ spielte 1932 der Pfälzer William Dieterle die Rolle. Das Lauterer Theater holt den Weißen Wal jetzt in die Pfalz zurück.
Das Reinhard-Ernst-Museum in Wiesbaden
Der edle Zuckerwürfel aus glänzendem Granit am Beginn von Wiesbadens Prachtrue Wilhelmstraße steht schon (fast). Der 95-jährige japanische Pritzker-Preisträger Fumihiko Maki hat das Museum Reinhard Ernst entworfen. Im ersten Halbjahr soll das mre, das auf einem gläsernen Sockel ruht, jetzt – endlich – eröffnen. Ein Geschenk des mit Präzisionsgetrieben reich gewordenen Arbeiterkinds und Realschulabsolventen Ernst, der sein Sammlerherz nach einem Besuch im Pariser Picasso-Museum entdeckte und heute über 900 Werke besitzt. Direktor Oliver Kornhoff hat der Unternehmer vom Arp-Museum in Rolandseck abgeworben. Zu sehen sein wird Abstrakte Kunst vom Feinsten. Arbeiten von Josef Albers, Sam Francis, K. O. Götz, Lee Krasner, Morris Louis, Heinz Mack, Robert Motherwell, Ernst Wilhelm Nay, Shoto Shimamoto, Toko Shinoda, Frank Stella oder Wolfgang Tillmans. Das Atrium präsidiert Eduardo Chillidas Stahlskulptur „Looking for the Light III“, ihr gegenüber steht ein 50 Jahre alter japanischer Ahornbaum. Rund 80 Millionen Euro soll das Haus kosten, dessen Unterhalt Ernst mit seiner Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung bestreitet (www.museum-reinhard-ernst.de). Und das Beste: Angekündigt ist, dass es an den meisten Tagen vormittags ausschließlich für Kinder und Jugendliche öffnet.