Kultur Karl, Franz und die Genderfrage

„Die Räuber“ 2019: Ersan Mondtags bildgewaltige Kölner Inszenierung gastiert.
»Die Räuber« 2019: Ersan Mondtags bildgewaltige Kölner Inszenierung gastiert.

Friedrich Schiller und Mannheim: Das ist eine lange und wechselvolle Geschichte. 1782 wurde hier die „Räuber“-Uraufführung bejubelt, ein Jahr später erkrankte der junge Dichter und Arzt an Malaria. Auf beide Ereignisse spielen die 20. Internationalen Schillertage des Nationaltheaters im Juni an.

„Fieber“ heißt das Motto des Theaterfestivals, das zum ersten Mal die Handschrift des Mannheimer Schauspiel-Intendanten Christian Holtzhauer trägt. Der 45-Jährige hat wie seine Vorgänger das dramatische Werk Schillers in den Mittelpunkt gestellt und ergänzt es mit vielen Programmpunkten, die Schillers Relevanz für die Gegenwart verhandeln. Um gesellschaftliches Fieber geht es da, um Hypes, die Kommunikation und ihre Verrohung, um Emotionen, Verstand, um den Kontrollwahn. Vieles führt in die Stadt und die Stadtgesellschaft hinein. Clemens Bechtels dokumentarische Arbeit „Mannheim 2.480 oder die subjektive Sicherheit“ (Premiere am 20. Juni) spielt zum Beispiel in der Multihalle im Herzogenriedpark, einem schaurig-schönen Architekturdenkmal, gebaut 1975 und total marode. Drei Jahre später, 1978 also, hat der damalige Generalintendant Arnold Petersen aus Anlass des 200-jährigen Bestehens des Nationaltheaters die heute noch quicklebendigen Schillertage gegründet. Das Festival erinnert seitdem im zweijährigen Turnus an den ersten Mannheimer Hausautor und zeigt aktuelle Inszenierungen seiner Dramen. Zum Auftakt 2019 ist eine Eigenproduktion zu sehen: Claudia Bauer inszeniert für das Nationaltheater das Königinnendrama „Maria Stuart“ (Premiere am 20. Juni). Die berühmten „Räuber“ stehen gleich zweimal auf dem Spielplan: In der „realen Fiktion im Mannheimer Stadtraum“ des Gießener Kollektivs Studio Beisel (Premiere am 20. Juni) betreiben Karl und Franz Moor ein Start-up in der Nähe des Nationaltheaters. In seiner Kölner Inszenierung, die in Mannheim gastiert, stellt Theater-Shootingstar Ersan Mondtag die Genderfrage und vertauscht Männer- und Frauenrollen. Der Beitrag des Düsseldorfer Schauspielhauses zu den Schillertagen ist „Don Karlos“ (22. Juni), der des Staatsschauspiels Dresden „Kabale und Liebe“ (23. Juni). Daneben sind viele kleinere Sprech- und Tanztheaterinszenierungen, Performances, Kunstaktionen, Lesungen, Filmvorführungen und Konzerte zu erleben, nicht nur im Nationaltheater selbst, sondern an vielen Orten in der Stadt. Bei den „Schill-Out“ genannten abendlichen Konzerten auf dem Vorplatz des Theaters tritt unter anderem der aus Landau stammende Sänger Fabian Altstötter mit seinem Projekt Jungstötter auf (23. Juni). Termin Internationale Schillertage, 20. bis 30. Juni. Informationen im Internet unter www.schillertage.de.

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