Nachruf Helmut Berger, Schauspiellegende und einst „schönster Mann der Welt“

Helmut Berger 1972, als Märchenkönig Ludwig II. .
Helmut Berger 1972, als Märchenkönig Ludwig II. .

Er galt als Stil-Ikone. In den 1960er und 1970er Jahren schrieb Helmut Berger Filmgeschichte. Später sorgte er mit seinem exzessiven Lebensstil für einige Skandale. Nun ist der österreichische Schauspieler im Alter von 78 Jahren gestorben.

Der österreichische Schauspieler wurde mit Filmen des italienischen Regisseurs Luchino Visconti berühmt und arbeitete mit Stars wie Romy Schneider, Elizabeth Taylor, Henry Fonda oder Burt Lancaster. Zuletzt war Helmut Bergers Image aber arg angekratzt. Von der einstigen internationalen Film-Ikone in Erinnerung bleiben wohl auch Alkoholeskapaden, fragwürdige Talkshow-Auftritte, ein Gastspiel im RTL-Dschungelcamp und ein skandalträchtiger Dokumentarfilm. Dem Alkohol schwor er am Ende ab. Nun ist der Mime kurz vor seinem 79. Geburtstag in Salzburg gestorben.

Ganz oben und ganz unten: Mittelmaß war Helmut Berger stets ein Graus. Der Schauspieler war in den 1960er- und 70er- Jahren ein Star des europäischen Jet-Sets, feierte in St. Tropez und Monaco rauschende Feste und zierte als „schönster Mann der Welt“ das Cover der Zeitschrift „Vogue“.

„Ich weiß nicht, was Moral ist. Ich weiß auch nicht, was Unmoral ist. Ich habe nur mein Gewissen“, sagte Berger einmal in den 1970ern. Damals war er ganz oben, fehlte auf keiner wichtigen Party, hatte angeblich zahlreiche Affären und Liebschaften. In seiner Autobiografie „Ich“ (1998) erzählt er aus dieser exzessiven Zeit.

Ein schönes Paar: Visconti und Berger

Doch der Reihe nach: Der Sohn eines Hotelier-Ehepaares wird in der „Kaiserstadt“ Bad Ischl geboren, wächst in Salzburg auf, macht Abitur in einem Franziskaner-Kolleg und geht nach London, um Schauspielunterricht zu nehmen. Später zieht es Berger nach Italien. 1964 arbeitet er als Filmstatist in Rom, ehe ihn der berühmte und 38 Jahre ältere Visconti, sein späterer Lebensgefährte, entdeckt. 1966 gibt er Berger erstmals einen kleinen Part, bald darauf spielt der Österreicher unter Viscontis Regie seine eindringlichsten Rollen. In „Die Verdammten“ glänzt Berger und wird danach für einen Golden Globe nominiert. In „Ludwig II.“ gibt er den wahnsinnig werdenden Bayernkönig. In „Gewalt und Leidenschaft“ spielt er an der Seite von Hollywood-Legende Burt Lancaster einen provokanten, schönen Jüngling. Zu Oscar-Ehren kommt Berger mit „Der Garten der Finzi Contini“. Der Film von Vittorio De Sica wird 1972 als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.

1976 dürfte das einschneidendste Jahr in Bergers bewegtem Leben sein: Sein – so sagt er – „Meister“ und „Vaterersatz“ Visconti stirbt, anschließend stürzt Berger ab. Er verfällt dem Alkohol und dreht kaum noch Filme. In den folgenden Jahren zehrt Berger zunehmend von seiner Vergangenheit, seine beeindruckende Schönheit schwindet, er macht mehr mit Auftritten in Talkshows als mit schauspielerischen Leistungen von sich reden. „Ich bin total versackt“, erklärt er 1996 in Harald Schmidts damaliger Sat.1-Show.

Verachtung für Hollywood

Für rüdes Hollywood-Actionkino hat er nur Verachtung übrig. Überhaupt, Hollywood: Ende der 1980er Jahre spielt Berger eine Nebenrolle im dritten Teil des Mafia-Epos „Der Pate“ unter der Regie von Francis Ford Coppola. Doch mit der US-Filmwelt kann er nichts anfangen, kehrt bald nach Europa zurück. „Ich hasse Hollywood, alles dort, die Plastikwelt, das ganze System. Ich bin Europäer“, sagt er dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“ im Interview.

Kurz vor seinem 70. Geburtstag 2014 berührt Berger noch einmal mit einem stillen Auftritt: Zittrig zeigt er sich zur Weltpremiere von „Saint Laurent“ auf dem roten Teppich des Filmfestivals von Cannes. Berger spielt darin den Modedesigner in dessen letzten Lebensjahren, melancholisch und von Alkohol- und Tablettensucht gezeichnet. 2018 folgt dann in hohem Alter auch noch sein Theaterdebüt: An der Volksbühne Berlin spielt Berger an der Seite von Ingrid Caven einen Baron der Barockzeit.

Späte Skandale

Überschattet werden diese späten Arbeiten von dem Dokumentarfilm „Helmut Berger, Actor“ (2015), in dem der Schauspieler unter anderem bei der Selbstbefriedigung gezeigt wird. Berger bringt eine Klage gegen den Regisseur Andreas Horvath ein, weil einige Szenen „bloßstellend und herabsetzend“ seien. Ein Salzburger Gericht weist die Schadenersatzansprüche jedoch ab, weil Berger eine Einverständniserklärung für den Film unterzeichnet hat.

Ganz schwört Berger dem Jet-Set auch im Alter nicht ab und genießt das Leben auf Events wie dem Wiener Opernball. Daran erinnert auch sein Agent: „Vor vielen Jahren sagte mir Helmut Berger: „Ich habe drei Leben gelebt. Und das in vier Sprachen! Je ne regrette rien!““

Helmut Berger 2013 – von Exzessen gezeichnet.
Helmut Berger 2013 – von Exzessen gezeichnet.
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