Kultur
Grandios, gewaltig, überwältigend: Mendelssohns „Elias“ in Kaiserslautern
Zu einem grandiosen und gewaltigen Klangerlebnis geriet die Aufführung des Oratoriums „Elias“ von Felix Mendelssohn durch Chor und Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern und des Konzertchors Mannheim am Freitagabend in der Fruchthalle. Mitverantwortlich für den großen Erfolg des spektakulären, mit Ovationen endenden Abends war das hochkarätig besetzte Solistenensemble.
Brodelnde Tremoli und peitschende Rhythmen im Orchester, gewaltige Klangexplosionen im Chor, acht kraftvoll strahlende Solistenstimmen: Dirigent Gerhard Polifka, seit der vergangenen Spielzeit Chordirektor am Pfalztheater, lässt alle Register klangstark auftrumpfen, setzt auf Power und Dramatik, spart nicht mit großer Gestik. Und folgt damit möglicherweise den Vorstellungen Mendelssohns, der seinerzeit offensichtlich eine eher opernhafte Darstellung der spannenden, alttestamentarischen Geschichte des Propheten Elias im Kampf gegen Dürre und Wasserfluten, Erdbeben, Feuer, Sturm, Baalspriester und feurige Rösser im Visier hatte. Immerhin verdankte die umjubelte Uraufführung ihren Siegeszug nicht zuletzt der monumentalen Orchester- und Chorbesetzung – 260 (!) Chorsänger sollen 1846 an dem Klangspektakel vor 2000 Zuhörern in Birmingham beteiligt gewesen sein.
Chor des Pfalztheaters und Konzertchor Mannheim
Freunde des schlanken „historisch informierten“ Chor- und Orchesterklangs durften also angesichts des in der Fruchthalle erlebten atemberaubenden Klangvolumens nach zweieinhalb Stunden einigermaßen enttäuscht den Saal verlassen haben. Die Mehrzahl aber zeigte sich hingerissen von der bezwingenden Kraft und Energie, die in geradezu verschwenderischer Weise von der Bühne strömten.
Angefangen mit dem in medias res einsetzenden Solo des Propheten Elias, stimmgewaltig ausgeführt von Bartolomeo Stasch, der damit die Steilvorlage für die gleichfalls abrupt einsetzenden, markerschütternden Hilfeschreie des bestens aufgestellten, in den Registern stimmlich fein ausbalancierten Chores gab. Überhaupt waren es die energiegeladenen, sich wunderbar organisch in die Orchester- und Solopassagen einfügenden Chornummern, die letztendlich dafür sorgten, dass die von Polifka hochkonzentriert geführten Klangmassen nicht in einen Massenklang mündeten – auch wenn man sich das ein oder andere Mal ein stärkeres Zurücknehmen der Lautstärke gewünscht hätte, beispielsweise in dem berühmt gewordenen Mendelssohn’schen „Hit“ „Denn er hat seinen Engeln befohlen“.
Ein wunderbares Solisten-Ensemble
Verstärkt wurde das Solistenquartett von Mitgliedern des Pfalztheater-Chores und Juliane Santa, der Leiterin des Konzertchors Mannheim. „Himmlisch“ schöne Wirkungen entfalteten ihre von der Empore gesandten, teils von weiteren Stimmen begleiteten musikalischen Botschaften. Ein glasklares Verständnis des Handlungsverlaufs ermöglichten dabei ungeachtet ihrer charmanten muttersprachlich bedingten Akzente die kernig-strahlenden, blitzsauber deklamierenden Stimmen der Hauptsolisten. Hut ab vor der südkoreanischen Sopranistin Zoe Juyhun Park, die einen einsamen, aber bewunderungswürdig siegreichen Kampf gegen ihre starke Erkältung führte und die gemeinsam mit ihrem Landsmann, dem Tenor Tae-Hwan Yun, und der musikalisch ausdruckstarken Russin Polina Artsis ein wunderbar homogen agierendes, internationales Ensemble von hohem Rang bildete. Und über allen thronte Bartolomeo Stasch: Ein Elias, wie ihn sich wohl Mendelssohn vorgestellt hatte: „Einer, wie wir ihn heut’ zu Tage wieder brauchen könnten, stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster“.