1. FC Kaiserslautern
Zwischen Traum und harter Realität: Die Zerrissenheit der Roten Teufel
Irgendwie befanden sich Marlon Ritter, Jean Zimmer und die anderen in einer doppelten Form von Ambivalenz, als sie am Samstagnachmittag – noch in schmutzigen Kleidern – in den Katakomben des Fritz-Walter-Stadions standen. Abgekämpft sollten die Profis des 1. FC Kaiserslautern Stellung beziehen – zu dem kurz zuvor abgepfiffenen Zweitligaduell gegen Fortuna Düsseldorf und dem am Dienstag nach Ostern anstehenden Halbfinale im DFB-Pokal beim 1. FC Saarbrücken. Es kann nicht einfach gewesen sein, im Kopf zwischen diesen gefühlten Welten zu springen, was auch damit zusammenhing, dass die mehrheitlich in den 90 und ein paar mehr Minuten gegen die Düsseldorfer gezeigte Leistung nicht mit dem Resultat zusammenpasste, dass von den großen Videoboards in der Arena angezeigt wurde.
Unnachgiebig effektive Fortunen
Obgleich die Lauterer über drei Viertel der Begegnung eine formidable Leistung gezeigt hatten und im letzten Viertel immer noch ordentlich performten, verloren sie gegen unnachgiebig effektive Westdeutsche, die nachwiesen, dass es kein Zufall ist, dass sie zumindest für einen Tag auf den dritten Platz in der Tabelle kletterten. 1:3 (1:0) verloren die Roten Teufel, obwohl sie gut gespielt hatten, was angesichts der Resultate der Konkurrenten im Tabellenkeller dafür sorgte, dass die Lauterer auf den 16. Platz abrutschten. Das Tun der Mannschaft von Friedhelm Funkel passte einerseits nicht zum Ergebnis gegen die Fortuna und andererseits nicht zum Klassement.
„Ich finde, dass wir mit den ersten 70 Minuten zufrieden sein und darauf weiter aufbauen können. Wir haben vieles gut gemacht“, sagte Jean Zimmer. Der Kapitän der Lauterer hatte Recht mit seiner Aussage, weiß aber, dass gerade in der aktuellen Phase der Spielzeit die nackten Resultate noch ein wenig bedeutsamer erscheinen als die gezeigten Darbietungen auf dem Rasen. Kritiker werden anmerken, dass es schlecht um den FCK steht, wenn er gar jene Spiele verliert, in denen er sportlich überzeugt. Andersherum betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Erfolg beim Versuch des Ligaerhaltes deutlich größer, wenn die gezeigten Leistungen auf dem Platz stimmen. Es ist diese Ambivalenz, die es den Menschen gerade schwer macht, die es mit dem FCK halten.
Es wäre ein Höhepunkt der Laufbahn
Marlon Ritter goss sie in Worte. „Wir kriegen zu schnell und zu einfach die Gegentore. Da bringt es dir nichts, wenn du 75 Minuten gut gespielt hast, dann stehst du wieder mit leeren Händen da“, sagte der offensive Mittelfeldspieler, der die Lauterer nach 26 Minuten sehr verdient gegen Düsseldorf in Führung geschossen hatte. Weil Christos Tzolis (74., 82.) sowie Shinta Appelkamp (76.) für im zweiten Abschnitt immer besser werdende Düsseldorfer trafen, standen die Lauterer zum wiederholten Mal in der laufenden Spielzeit trotz Führung am Ende ohne Punkte da. Immerhin kam es nicht gar so drastisch wie im Hinspiel, als die Roten Teufel bei der Fortuna nach einem 3:0-Vorsprung noch 3:4 unterlagen.
Die Sorge vor dem Abstieg in die Dritte Liga ist trotz der guten Leistung seit Samstag nicht kleiner geworden – und ihr steht mehr denn je der Wunsch entgegen, etwas Großes zu erreichen. Gewinnen die Pfälzer am Dienstag in Saarbrücken, ziehen ins DFB-Pokal-Finale in Berlin. Fraglos wäre dies für jeden FCK-Profi ein Höhepunkt der Laufbahn, für gesamten Klub ein Quantensprung. Über die Ostertage 2024 fühlt sich der 1. FC Kaiserslautern dem Himmel so nah und ist zeitgleich nur hauchzart von der Hölle entfernt.
Dieser emotional eigentlich schwer zu ertragende Gegensatz ist aus Sicht von Zimmer gar nicht so schwer zu ertragen. „Das ist ein anderer Wettbewerb, auf den wir uns alle freuen“, sagte der Kapitän mit Blick auf das Pokalduell. Von Debatten über die Favoritenrolle im Südwestderby oder der Tatsache, dass der Zustand des Rasens im Ludwigspark viel diskutiert wurde, hält sich Zimmer möglichst fern.
Der Rechtsverteidiger hat für seine Kollegen und sich einen klaren Plan entworfen. Mit einem Sieg am Dienstag soll für das Team und den Verein ein historischer Schritt gelingen, und in den Wochen danach in den Ligaduellen die Basis für den Ligaverbleib gelegt werden. Klingt im Grunde ganz einfach.
