1. FC Kaiserslautern
Julian Niehues über seine Zukunft beim FCK und den Abstiegskampf
Profifußballer mögen keine Schwebezustände. Sie bevorzugen feste Abmachungen, klare Fakten. Julian Niehues entschuldigte sich im RHEINPFALZ-Gespräch beinahe schon, als er wieder in Richtung Kabine huschte. „Was soll ich dazu sagen? Das ist doch alles nicht so einfach“, sagte Niehues.
Die gegenwärtige Situation ist wahrlich nicht leicht – für Niehues und für den FCK. Der Vertrag von Julian Niehues endet im Juni. Aber der Klub weiß noch nicht, ob er kommende Saison in der Zweiten oder in der Dritten Bundesliga spielt. Davon hängt sehr viel ab. Wohl kaum ein Profi aus dem aktuellen Kader ist erpicht darauf, mit dem FCK abzusteigen und kommende Saison einen etwaigen Betriebsunfall zu reparieren. Vielmehr sieht die Wirklichkeit so aus, dass im Falle eines Abstieges eine neue Mannschaft aufgebaut werden müsste.
Die Shootingstar in der Aufstiegssaison
Julian Niehues ist mit dem FCK durch die Dritte Liga gegangen und dann aufgestiegen. Unter Coach Marco Antwerpen spielte der 2021 von Borussia Mönchengladbach II gekommene Mittelfeldspieler keine große Rolle. Als Dirk Schuster und Sascha Franz kamen, änderte sich die Situation für Niehues schlagartig: Schuster baute auf den defensiven Mittelfeldspieler. „Wenn ein Trainer einem Spieler das Vertrauen schenkt, dann bringt das einen Spieler enorm weiter“, sagt Niehues. Der 22 Jahre alte gebürtige Münsteraner spielte sich zur großen Entdeckung der Hinrunde in der Aufstiegssaison. Er wurde Stammspieler. Das blieb er bis heute. Und er steigerte seinen Marktwert von 200.000 auf 1,5 Millionen Euro. Vergangene Saison absolvierte Niehues 26 Spiele, in der aktuellen Runde waren es 22 von bislang 25, fehlte einmal wegen einer Gelbsperre und einmal wegen einer Magen-Darm-Grippe. Niehues setzte sich gegen die Konkurrenz immer wieder durch. Er ist so etwas wie die Konstante im FCK-Team. Es wurde Afeez Aremu für viel Geld verpflichtet, Niehues spielte, es kam Tobias Raschl, Niehues spielte. In dieser Winterpause holte der FCK Filip Kaloc – mit ihm bildet Niehues ein klasse Paar.
Doch die momentane Situation ist für alle Beteiligten verzwickt. Im schlimmsten Falle kann die Frage, wer absteigt, erst im Juni beantwortet werden. Dann, wenn beide Relegationsspiele absolviert wurden. „Das Beste wäre doch, dass wir so schnell wie möglich unsere Punkte holen, um dann die Gewissheit zu haben, dass wir durch sind“, sagt Niehues. Der kommende Gegner Hannover 96 ist eine Mannschaft, die dem FCK liegt. Seit dem Wiederaufstieg trafen beide Teams dreimal aufeinander – dreimal gewann Kaiserslautern. „Die Liga ist verrückt, da gibt es keinen Underdog. Fast jedes Spiel ist ein sogenanntes 50:50-Spiel“, betont Niehues. Auf wessen Seite das Pendel am Samstagabend ausschlägt (20.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de)? Das Momentum spricht für den FCK – sechs Punkte aus den letzten beiden Spielen. Hannover holte einen Zähler. Die Niedersachsen sind aber immer noch gut im Aufstiegsrennen dabei. 39 Punkte haben sie als Tabellenfünfter, 41 hat der HSV als Dritter auf dem Relegationsplatz. Lautern und Hannover sind sozusagen zum Siegen verdammt am Samstag im Topspiel – Hannover, um auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen zu bleiben, Lautern, um das Polster auf die Abstiegsplätze auszubauen.
In Hannover wird Julian Niehues wieder mit Filip Kaloc im defensiven Mittelfeld spielen. Trainer Friedhelm Funkel hat sich im Vorfeld darauf festgelegt, eine erfolgreiche Mannschaft nicht zu ändern. Nur Marlon Ritter wird wegen seiner fünften Gelben Karte aussetzen müssen. Niehues wird bei diesem Abendspiel wieder der stille Abräumer sein. Doch ganz so still will er künftig nicht mehr agieren. Denn Niehues ist in einem Stadium, um eine Führungsrolle zu übernehmen. „Ja, diese Rolle würde ich gerne irgendwann übernehmen. Ich habe sie jetzt noch nicht komplett übernommen. Aber das wird von Spiel zu Spiel besser. Allerdings wächst man in so eine Rolle hinein“, sagt er. Auch Funkel hat erkannt, dass Niehues zunehmend beginne, auf dem Platz etwas häufiger zu dirigieren, die Mitspieler zu unterstützen und sie „von der ein oder anderen Position hin und her zu schieben“.
Vertragsgespräche stockten zwischenzeitlich
Nur: Noch ist nicht klar, bei welchem Verein Niehues künftig diese Rolle weiter verinnerlichen wird. Vor dieser Saison kursierten Gerüchte, wonach Schalke 04 und die TSG Hoffenheim an Niehues interessiert gewesen seien. Er blieb, der FCK hatte klammheimlich den Vertrag um eine Saison verlängert. So weit sind beide Seiten derzeit nicht. Zwischenzeitlich sollen die Gespräche gestockt haben. „Wir sind stetig im Austausch mit unseren Spielern und auch deren Beratern. Es gibt immer wieder mal unterschiedliche Ansichten, Ausgangslagen, Optionen und Perspektiven“, sagte Geschäftsführer Thomas Hengen einst in einem RHEINPFALZ-Interview. Aktuell ist zu vernehmen, dass sich beide Seiten wieder angenähert haben und intensiver verhandeln. Vollzug aber wird es vorerst keinen geben, denn noch gibt es zu viele Fragezeichen. In welcher Liga spielt der FCK? Wer wird der neue Trainer? Das sind zwei wesentliche Aspekte für einen entwicklungsfähigen Spieler, die dieser bei einer womöglich längerfristigen Bindung an den Verein, beantwortet wissen möchte.
Friedhelm Funkel jedenfalls hält große Stücke auf Julian Niehues. „Er ist ein Spieler, der sehr gut arbeitet, der einer der Laufstärksten in der Mannschaft ist und der ein Gefühl für die Situation hat“, sagt Funkel. In diesem Punkt aber müsse Niehues noch besser werden. Darüber haben Funkel und Niehues auch schon gesprochen. Funkel gab dem jungen Mann, der vom Alter her sein Opa sein könnte, den Ratschlag mit, dass „er verschiedene Situationen eher erkennen muss, wenn er auf seinem Weg weiterkommen will.“
Für Julian Niehues ist Funkel ein Glücksfall – wie zuvor Dirk Schuster. „Er ist ein sehr zuverlässiger und wichtiger Spieler. Solche Spieler habe ich sehr sehr gerne in der Mannschaft“, sagt Funkel. Ob der neue Trainer auch so über Niehues urteilt? Bei welchem Klub auch immer der 22-Jährige kommende Saison spielen wird.
