1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Niederlage bei Hertha BSC: Fehlerteufel in Berlin

Das sehenswerte Freistoßtor von Marlon Ritter (Bild oben) war zu wenig für den 1. FC Kaiserslautern im Spiel bei Hertha BSC.
Das sehenswerte Freistoßtor von Marlon Ritter (Bild oben) war zu wenig für den 1. FC Kaiserslautern im Spiel bei Hertha BSC.

Der 1. FC Kaiserslautern verliert 1:3 bei Hertha BSC. Trotzdem gibt es eine gute Nachricht: Er kann nicht mehr direkt absteigen. Im schlimmsten Fall droht die Relegation. Doch eine Aussage von Friedhelm Funkel lässt aufhorchen.

Von Marek Nepomucký

Berlin. Es kam in dieser Saison nicht häufig vor, dass die Statistik für den 1. FC Kaiserslautern sprach. Schon gar nicht, wenn der FCK am Ende als Verlierer vom Platz ging. Am Samstag beim 1:3 (1:2) gegen die Berliner Hertha vor 67.144 Zuschauern im Olympiastadion sah das Zahlenwerk für den FCK eigentlich gut aus. 54 Prozent Ballbesitz, 85 Prozent Passquote, 13 Torschüsse. Eine Rubrik fehlte, aber die wird nie aufgeführt – die Fehlerquote. Die war gegen Berlin zu hoch, und deshalb verlor der FCK verdient. „Wir haben uns vorgenommen, hier zu gewinnen. Das hat nicht geklappt, weil wir zu viele einfache Fehler gemacht haben, die bestraft worden sind“, sagte Jean Zimmer. Der Kapitän wird beim Saisonfinale gegen Eintracht Braunschweig nicht spielen. Zimmer sah die fünfte Gelbe Karte.

Die Anzahl der individuellen Patzer beim FCK war zu üppig an diesem Samstag. Zu üppig, um das im Vorfeld avisierte Ziel, in Berlin zu gewinnen, zu erreichen. Denn mit einem Sieg hätte der FCK den vorzeitigen Klassenverbleib perfekt machen können – ohne auf die Konkurrenz zu schauen. So aber muss er noch etwas zittern – möglicherweise aber nur 24 Stunden. Verliert Wehen Wiesbaden am Sonntag bei Eintracht Braunschweig, bleibt der FCK sozusagen auf dem Sofa Zweitligist.

Für Pal Dardai endet die dritte Amtszeit in der Hauptstadt. Nach der Saison ist Schluss. Das hat der Klub vor der Partie bekannt
Für Pal Dardai endet die dritte Amtszeit in der Hauptstadt. Nach der Saison ist Schluss. Das hat der Klub vor der Partie bekannt gegeben. Die Runde war einfach nicht gut genug.

Das Fernduell wird sich das Trainerteam und die Mannschaft im Kollektiv anschauen. Funkel hat dafür das Training extra von 11 Uhr auf 12 Uhr verlegt. Dabei wird er auch die vielen individuellen Fehler aus dem Spiel seiner Mannschaft in Berlin ansprechen. „Alle drei Gegentore resultieren aus individuellen Fehlern, die wir zuletzt nicht mehr gemacht hatten. Heute sind wir zu Recht bestraft worden. Der Gegner hat es gut gemacht, wir haben hochverdient verloren“, sagte Funkel. Der FCK-Trainer hatte personelle Überraschungen im Vorfeld der Partie angedeutet. So begann Nikola Soldo für den gesperrten Filip Kaloc. Weil Daniel Hanslik wegen eines grippalen Infekts zu Hause blieb, rückte Marlon Ritter für ihn in die Mannschaft.

Ritters Traumtor

„Da sieht man mal, dass ein Spieler wie Daniel Hanslik, der vorher keine Rolle gespielt hat, uns heute gefehlt hat, Kaloc sowieso“, sagte Funkel. Mitte der ersten Halbzeit musste schließlich auch noch Ben Zolinski ausgewechselt werden. Er hatte sich bei einem Zweikampf am Knie verletzt. Dick bandagiert humpelte Zolinski nach dem Spiel durchs Stadion. Zu diesen personellen Rückschlägen kamen noch die individuellen Patzer hinzu. Jan Elvedi räumte im Strafraum Haris Tabakovic ab. Schiedsrichter Daniel Schlager entschied auf Foulelfmeter (19.). Tabakovic traf zum 1:0 – sein 22. Saisontor. Marlon Ritter zirkelte einen Freistoß gefühlvoll in den rechten Torwinkel (39.) – ein Traumtreffer. Das 1:1 war zu diesem Zeitpunkt etwas schmeichelhaft, weil Berlin zuvor gute Chancen vergeben hatte. „Ich hätte mein Tor lieber gegen drei Punkte eingetauscht“, sagte Ritter. Ob er im Spiel ahnte, was danach auf den FCK zukommen würde?

Die Roten Teufel verloren die Kontrolle über die Partie. Sie ließen sich in der Nachspielzeit des ersten Abschnitts bei einem Einwurf übertölpeln und mussten durch den Lapsus das 1:2 einstecken. Jeremy Dudziak traf. „Wir haben zu wenig richtig gemacht, auch wenn wir nicht zu viel falsch gemacht haben. Wir haben den Gegner ein paarmal eingeladen, und das wird überall bestraft. Wir müssen beispielsweise beim 1:2 einfach wacher sein, das darf uns nicht passieren. Das sind insgesamt ein, zwei Fehler zu viel, dann fährst du halt mit null Punkten nach Hause“, haderte Ritter.

Endet die Zeit von FCK-Trainer Friedhelm Funkel nach dieser Saison, also am kommenden Sonntag?
Endet die Zeit von FCK-Trainer Friedhelm Funkel nach dieser Saison, also am kommenden Sonntag?

Der Fehlerteufel hörte aber nicht auf, bei den Roten Teufel zuzuschlagen. Elvedis Fehlpass nahm Fabian Reese dankend an: 3:1 (67.). So vergab der FCK den ersten Matchball im Abstiegskampf.

Funkel ist dennoch optimistisch, dass der FCK in der Liga bleibt. Er kramte eine Statistik dazu hervor. „Die Tendenz, die wir gehabt haben, seit ich hier bin, ist, dass wir gegen keine Mannschaft verloren haben, die schlechter als Platz zehn ist. Nur gegen ein Team, dass einstellig ist, siegten wir: gegen Kiel. Das zeigt, was der Kader zu leisten imstande ist“, sagte Funkel. Und er prophezeite schon vor Wochen, dass der Klassenkampf bis zum letzten Spieltag andauern wird. „Ich glaube, ich habe wieder recht behalten“, sagte er und blickte Richtung kommender Saison: „Dann werden sich beide Mannschaften vielleicht ohne die beiden, die jetzt hier oben sitzen, wiedersehen“, ergänzte Funkel mit Blick auf seinen Berliner Kollegen Pal Dardai. Der darf die Hertha nur noch bis zum Saisonende trainieren. Enrico Maaßen und Christian Fiél werden als Nachfolger gehandelt.

Wohl auch der FCK wird bald einen neuen Trainer präsentieren. Funkel sagte im Anschluss an die Pressekonferenz auf Nachfrage, dass er für sich persönlich die Entscheidung über eine mögliche weitere Saison beim FCK getroffen habe, diese aber noch nicht öffentlich bekannt geben möchte. Das klingt nach Abschied.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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