1. FC Kaiserslautern
Der Funkel-Abschied vom Betzenberg: Ein 5:0-Sieg wie im Märchen
Die Zweitligasaison des 1. FC Kaiserslautern endete so gar nicht wie sie sich für viele Fans über Monate hinweg angefühlt hatte. Beinahe kitschig schöne Szenen spielten sich in den abschließenden 90 Minuten auf dem Rasen ab, was im Anschluss an das klare 5:0 gegen Eintracht Braunschweig noch eine Steigerung erfuhr. Als Friedhelm Funkel sich von der Mittellinie aus aufmachte in Richtung Westen, folgten Momente, die zwar vorhersehbar, deshalb aber nicht weniger emotional waren. Der 70-Jährige hatte schon auf den ersten Metern Probleme, die Tränen zurückzuhalten, schnell verlor er den unfairen Kampf gegen seine Gefühle. „Da gab es ein paar Tränen, das gebe ich gerne zu“, sagte der Trainer des FCK später. Im Februar hatte er seinen Ruhestand unterbrochen, um die Roten Teufel vor dem Sturz in die Dritte Liga zu bewahren. Am Sonntag erhielt er von vielen Tausend Anhängern auf dem Betzenberg den Lohn, nachdem er die Zielvorgabe umgesetzt hatte.
Wehmut vor der Westkurve
Die Fans in der Westkurve riefen seinen Namen und feierten den Trainer, der ein paar Tage zuvor angekündigt hatte, die Aufgabe in der kommenden Spielzeit einem Nachfolger anvertrauen zu wollen. „Dann werde ich zu Hause sein und mich ausruhen“, sagte Funkel, nachdem er noch ein paar Worte an die Anhänger der Roten Teufel gerichtet hatte. „Ich möchte bei den überragenden Fans bedanken, wie sie mich verabschiedet haben“, erklärte er, und räumte ein, vor der Westkurve stehend Wehmut verspürt zu haben.
Der letzte Spieltag in der Zweiten Liga bescherte allen Lauterern Grund zur Freude, denn nicht nur der scheidende Coach wurde reichlich beschenkt, sondern auch die Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion, die den höchsten Saisonsieg ihrer Mannschaft sahen. Die Fans übergossen die Spieler dafür mit Zuneigung und es geriet in Vergessenheit, dass nur einen Monat zuvor – nach dem 1:1 gegen den SV Wehen Wiesbaden – Angst, Frust und Wut vorgeherrscht hatten. Mit drei Siegen in den abschließenden vier Ligaspielen haben die Lauterer nicht nur den Ligaverbleib gesichert, sondern eine Form der Amnesie ausgelöst. Die Menschen feierten den Sieg über Braunschweig ausgelassen und plötzlich hielten es einige sogar für möglich, am kommenden Wochenende den deutschen Meister Bayer Leverkusen im Endspiel des DFB-Pokals in Berlin besiegen zu können.
Der Fußballgott hilft
Friedhelm Funkel ist eine Legende der Bundesliga, niemand hat als Spieler und Trainer so viele Partien in der Ersten und Zweiten Liga hinter sich – und vielleicht wurde er deshalb zum Abschied in Kaiserslautern vom „Fußballgott“ bedacht. Die Spieler strengten sich mächtig an, um den letzten Auftritt Funkels auf dem Betzenberg erfolgreich werden zu lassen, und die Funkel-Elf benötigte zu Beginn Glück, damit am Ende ein glorreiches 5:0 auf der Anzeigetafel stehen konnte. Drei Mal tauchten die Braunschweiger frei vor dem FCK-Tor auf, und drei Mal verhinderte Julian Krahl mit starken Paraden einen Treffer der Eintracht. „Wir hatten etwas Glück“, sagte Funkel.
Ritter trifft drei Mal
Die Lauterer kamen schwer ins Spiel, agierten dann aber besser und belohnten sich effizient für die eigenen Mühen. In erster Linie Marlon Ritter, denn der Offensivspieler steuerte drei Tore zum 5:0 bei (36., 48., 69.). Außerdem trafen Daniel Hanslik (53.) und Aaron Opoku (76.) und sorgten für große Partylaune auf den Rängen des Fritz-Walter-Stadions. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, skandierten die Anhänger des FCK euphorisch, während sich die Spieler auf dem Rasen selbst in Unterzahl in eine Art Rausch spielten. Almamy Toure hatte in der 57. Minute nach einer Tätlichkeit die Rote Karte gesehen.
Die Unbeherrschtheit des Verteidigers verkam angesichts der guten Laune allenthalben später zu einer Randnotiz. Der Platzverweis spielte keine Rolle mehr, als die Profis nach dem Schlusspfiff lange mit den eigenen Fans feierten. Es wirkte, als ob alle Beteiligten froh waren, einfach nur euphorisch sein zu dürfen. Die Wunden, die der Kampf gegen den Abstieg verursacht hatte, waren schnell verheilt. Die Fans wollten nicht an die vielen Rückschläge zurückdenken, im Gegenteil: Der Blick richtete sich nach vorne, auf das Pokalendspiel am kommenden Samstag.
„Richtung Berlin“
Dort wird das Wirken von Friedhelm Funkel als Trainer des 1. FC Kaiserslautern endgültig ein Ende finden. „Mehr Außenseiter geht nicht“, sagte der Mann, der im Fußball eigentlich schon fast alles erlebt hat. Vielleicht fehlt nur noch ein Sieg gegen das Team, das mehr als ein Jahr lang kein Spiel mehr verloren hat.
Sonntagabend stand ein junger Mann in Kaiserslautern vor der Auffahrt auf die A6 und hielt ein Pappschild in der Hand, die verriet, wohin er mitgenommen werden wollte. „Richtung Berlin“ stand auf dem Schild geschrieben. Mehr Symbolik war nicht möglich.
