1. FC Kaiserslautern
Der FCK-Trainer vor dem Derby gegen den KSC: Erinnerungen an eine Kellertreppe
Die Kellertreppe ist schon lange nicht mehr da. Sie existiert nur noch in den Vorstellungen der damaligen Spieler des 1. FC Kaiserslautern. Damals, das war in den 1980er Jahren und davor. Da kamen die Profis über eine Kellertreppe ins Stadion.
Die Treppe fiel irgendwann später den vielen Um- und Neubauten im Stadion zum Opfer. Was aber geblieben ist, ist die Stimmung im Fritz-Walter-Stadion. „In so einem stimmungsgewaltigen Stadion möchte man manchmal am liebsten selbst noch auflaufen“, sagt FCK-Trainer Friedhelm Funkel: „Über die Kellertreppe liefen wir ins Stadion und haben dann in die Westkurve geschaut. Das ist Gänsehaut pur. Das ist doch jetzt nicht anders. Nun sind es aber 15.000 bis 16.000 Zuschauer mehr. Das ist immer das, was ich versuche, der Mannschaft zu sagen. Es soll Spaß machen, da raus zu gehen und so eine Unterstützung zu bekommen. Das ist nicht selbstverständlich.“
Am Samstag gegen den Karlsruher SC (13 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) wird der Betzenberg womöglich ausverkauft sein. Bislang sind 47.260 Karten verkauft, 49.327 Zuschauer passen in die Arena. Dreimal war das Fritz-Walter-Stadion in der laufenden Saison bislang ausverkauft. Die Fans sorgen für gehörig Spektakel. Am Samstag aber wird es auf dem Betzenberg für einen Moment ganz still. Der Verein und auch Fußball-Deutschland werden dem am Dienstag verstorbenen Andreas Brehme in einer Schweigeminute gedenken. Brehme spielte viele Jahre für den FCK und wurde 1990 mit Deutschland Weltmeister. Er erzielte per Foulelfmeter das Siegtor im Finale gegen Argentinien.
Die Nachricht vom Tod Brehmes traf Funkel. Brehme und Funkel spielten einige Zeit zusammen. Sie gehörten der FCK-Elf an, die am 17. März 1982 5:0 gegen Real Madrid gewann. „Für mich war das eine ganz, ganz traurige Nachricht. Ich brauchte eine Zeit, um das zu verdauen und um zu realisieren, dass Andi jetzt nicht mehr da ist. Es zeigt, wie schnell ein Leben vorbei sein kann. Man muss daher alles aufsaugen. Ich genieße dieses Spiel, das Training und die Gespräche mit den Jungs. Ich kann ihnen auch das eine oder andere an Erfahrung mitgeben. Man soll nicht zu viel von früher sprechen, aber trotzdem gibt es den ein oder anderen Vergleich, den man mal herbeiführen kann, auch um den Spielern zu zeigen, was für ein gutes Leben sie haben.“
Es sind nachdenkliche, emotionale Worte eines Mannes, der in seinem Leben viel erlebt hat. Friedhelm Funkel will seinen Spielern den Blick auf das Wesentliche schärfen – auf den Kampf um den Ligaverbleib. Er spricht daher viel mit den Spielern und ist dankbar, dass sein Trainerteam ihm einen Großteil der Cheftrainer-Aufgaben abnimmt. Eine Aufgabe ist, die Mannschaft mit Informationen über den kommenden Gegnern zu füttern, aber auch nicht zu überfrachten. „Der KSC ist in der Offensive stark und variantenreich. Er ist außerdem lauffreudig und gefährlich bei Standards“, listet Funkel auf.
Da kommt es ziemlich unpassend, dass in diesem brisanten Südwest-Derby mehrere Spieler ausfallen. Zu den Langzeitverletzten Hendrick Zuck und Philipp Hercher kommen Frank Ronstadt und Philipp Klement hinzu. Abwehrspieler und Winterzugang Ronstadt verletzte sich im Spiel gegen den SC Paderborn. Klement erwischte es diese Woche im Training. Laut FCK ist es eine Blessur am Muskel. Drei bis vier Wochen wird Klement fehlen, vermutet Funkel. Tymoteusz Puchacz fehlt nur gegen Karlsruhe. Er sah in Nürnberg die fünfte Gelbe Karte. Wer für ihn den Part des linken Verteidigers übernimmt, wollte Funkel nicht preisgeben. „Ich habe zwei Varianten im Kopf, aber ich werde mich mit dem Trainerteam noch einmal absprechen“, sagt er. Kenny Prince Redondo, Almamy Touré oder aber Jean Zimmer sind mögliche Kandidaten.
Wen auch immer Funkel gegen den KSC aufs Feld schickt, von ihnen erwartet er eine Sache. „Wir haben eine gestandene Mannschaft und die Spieler sind erfahren genug, um Situationen zu erkennen und Entscheidungen zu treffen. Ich will flexible Spieler haben“, sagt Funkel. Diese werden am Samstag wieder eine besondere Atmosphäre im Stadion erleben. Über die Kellertreppe werden sie nicht in die Arena kommen. Die existiert eben nur noch in den Köpfen der damaligen Protagonisten.
