Kaiserslautern „Wir haben jeden Grund zu feiern“

Unter einer symbolischen Dekoration aus mehr als 120 Paar handgestrickter Socken präsentierte sich beim Neujahrsempfang des Mehr
Unter einer symbolischen Dekoration aus mehr als 120 Paar handgestrickter Socken präsentierte sich beim Neujahrsempfang des Mehrgenerationenhauses die Singgruppe des deutsch-iranischen Vereins.

Sind zehn „läppische Jahre“ überhaupt ein Grund zum Feiern? Beim Neujahrsempfang des Mehrgenerationenhauses stellte dessen Leiterin Petra Neumahr diese Frage gestern Nachmittag rein hypothetisch. Vor Freunden und Stammgästen, die den großen Saal bis auf den letzten Sitzplatz und darüber hinaus füllten, war ihre Antwort klar: „Ja, wir haben jeden Grund zu feiern“.

Alle, die die Entwicklung von der Begegnungsstätte zum Mehrgenerationenhaus miterlebt hätten, wüssten um die Höhen und Tiefen, die andere Organisationen in 50 Jahren nicht erlebten, und die das Mehrgenerationenhaus schließlich zu einer festen Größe in der Stadt hätten werden lassen, hob Neumahr in ihrem Rückblick auf die Anfänge hervor. Heute sei das Haus von morgens bis abends und an den Wochenende gut genutzt. Höhepunkte, auf die sie einging, waren die Besuche des als „Vorzeigeprojekt“ angekündigten Hauses von Bundespräsident Horst Köhler, Ministerpräsident Kurt Beck oder auch von Irene Alt, Mainzer Ministerin für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen, dazu Preise und Auszeichnungen für niederschwellige Angebote wie der Mittagstisch mit Abholdienst oder Betreuungsangebote für Demenzkranke. Immer wieder seien neue Projekte angefragt worden, schilderte Petra Neumahr. Die Arbeit müsse immer wieder weiter entwickelt werden, Stillstand dürfe es nicht geben in dem Haus, dessen Bestand erst seit 2017 gesichert sei. Die Mitarbeiter – sie kommen zusammen auf weniger als 80 Stunden in der Woche – hätten seither zum ersten Mal feste Verträge, und es habe keinen Wechsel gegeben. In einem „außergewöhnlichen Haus“, einem „Treffpunkt, auf den alle stolz sind“, begrüßte die Leiterin dies Mehrgenerationenhause „jeden, der da ist“. Unter einer Dekoration aus mehr als 120 Paar handgestrickter Socken – jede ein Einzelstück und die Unterschiedlichkeit von Partnern und Mitarbeitern symbolisierend, die sich für das Haus eingebracht haben, gratulierte die Pfalztheater-Schauspielerin Hannelore Bähr zum Jubiläum. „Viele Füße machen einen Weg“, das Jubiläumsmotto treffe, was seine innovative Kraft und Mut betreffe, auf den Punkt, sagte die Patin des Hauses und Leiterin einer Theatergruppe für Frauen. Unter Bezug auf eine Aussage von Elke Heidenreich, wonach die Hummel von der Aerodynamik her nicht fliegen könne, dies aber nicht wisse und deshalb trotzdem fliege, stellte sie fest: „Dieses Haus fliegt, lebt und ist ansteckend.“ Den musikalischen Rahmen gestalteten eine Singgruppe des deutsch-iranischen Vereins und drei armenischen Kinder mit landestypischen Liedern. Klaus Herzler ließ mit eigenen Mundartgedichten die Nachkriegszeit in der Nachbarschaft des Mehrgenerationenhauses erstehen, und in einer kleinen Geschichte thematisierte Renate Ganswindt passend zum Anspruch des Hauses, dass niemand nur nimmt, sondern immer auch etwas zu geben hat. Die Leiterin des Chor 2000, Ingrid Kompa, und Gisela Griasch vom Donnerstagsstrickkreis gratulierten zum Jubiläum. CDU-Fraktionsvorsitzender Walfried Weber gratulierte im Namen aller Stadträte dem Haus und seinem „Kopf“, Petra Neumahr. Ohne das Mehrgenerationenhaus wäre die Stadt deutlich ärmer, stellte der Leiter des städtischen Referats Jugend und Sport, Willi Gillmann, fest. Er habe dessen Entwicklung begleitet zu einem Haus, das inzwischen auch eines für Kulturen geworden sei.

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