Mecklenburg-Vorpommern RHEINPFALZ Plus Artikel SPD setzt im Wahlkampf auf „Die Frau für MV“

Spitzenkandidatin der SPD: Manuela Schwesig.
Spitzenkandidatin der SPD: Manuela Schwesig.

Mecklenburg-Vorpommern wählt am 26. September einen neuen Landtag. Für die SPD zeichnet sich eine komfortable Lage ab: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kann sich nach der Wahl wohl einen Koalitionspartner aussuchen.

Das letzte Großflächenplakat der SPD in diesem Wahlkampf zeigt nur das Porträt der Spitzenkandidatin. „Manuela Schwesig. Unsere Ministerpräsidentin“, ist darunter zu lesen. Der gesamte Wahlkampf der Partei in Mecklenburg-Vorpommern ist auf „Die Frau für MV“ ausgerichtet. Selbst im Fernsehwerbespot ist außer der 47-jährigen Schwesig kein anderer Mensch zu sehen.

Die Ein-Frau-Show im Küstenland habe die Grenze zum Personenkult längst überschritten, monieren Kritiker. Aber die Kampagne ist gleichwohl enorm erfolgreich. Stärker als in den alten Bundesländern kommt es bei den Wahlen in Ostdeutschland auf die Persönlichkeit an – und da kommt die gebürtige Brandenburgerin auch jenseits des sozialdemokratischen Milieus gut an.

Starke Werte für Regierungschefin

Nach einer NDR-Umfrage sind 90 Prozent der SPD-Anhänger zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Bei den Anhängern der Linken sind es 77 Prozent, bei denen des bisherigen Koalitionspartners CDU 70 Prozent und selbst bei den AfD-Anhängern kommt sie noch auf 46 Prozent. Das sind für eine Regierungschefin starke Werte, ebenso wie die 39 Prozent, die laut der jüngsten Infratest-dimap Umfrage ihre SPD am kommenden Sonntag einfahren könnte.

Dass die frühere Bundesfamilienministerin auch die nächste Regierung in Schwerin anführen wird, daran gibt es kaum noch Zweifel. Ob sie erneut mit der CDU (14 Prozent) und damit zum vierten Mal eine große Koalition bilden möchte, lässt Schwesig offen. Mit der Partei „Die Linke“ (zehn Prozent), der FDP (sieben Prozent) oder den Grünen (sechs Prozent) stehen der SPD weitere Optionen offen.

Schwergewichtige Konkurrenz fehlt

Die herausragende Stellung der bisherigen Regierungschefin ist auch das Resultat fehlender schwergewichtiger Konkurrenz. CDU-Spitzenkandidat Michael Sack ist Landrat in Vorpommern, erst seit einem Jahr Landeschef und wenig bekannt. Sein Vorgänger und Hoffnungsträger Vincent Kokert ist im vergangenen Jahr in die Wirtschaft gewechselt, der potentielle Nachfolger wiederum, Philipp Amthor, musste sich wegen seiner Lobby-Affäre zurückziehen. So sprang Sack kurzfristig ein und hofft auf die Fortführung der geräusch- und affärenlos arbeitenden großen Koalition.

Der Kommunalpolitiker muss sich in Vorpommern – nicht nur dort, aber da besonders – mit der AfD auseinandersetzen, die im Osten des Landes ihre Hochburg hat. Die Rechtsnationalen sind die größten Konkurrenten der CDU. Bei der letzten Wahl verwies die AfD mit knapp 21 Prozent die Union auf Platz drei. Ihr Spitzenkandidat Nikolaus Kramer warnt vor einer neuen Flüchtlingswelle aus Afghanistan und fordert: „MV – aber normal“. Der Slogan richtet sich gegen die Corona-Maßnahmen von Bund und Land, aber auch gegen alle, die in den Augen der Rechtsaußen-Partei nicht „normal“ sind. Durch interne Streitigkeiten hat die AfD im Laufe der Legislaturperiode vier Fraktionsmitglieder verloren; Umfragen sehen die Partei derzeit bei 17 Prozent.

Die Hoffnung der Linken

Die Linke hofft erstmals seit vielen Jahren wieder, an einer Landesregierung in Schwerin beteiligt zu werden. Spitzenkandidatin Simone Oldenburg unterstützte auch als Oppositionspolitikerin die Ministerpräsidentin, wenn Schwesig etwa die Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit der im Küstenland ankommenden Gaspipeline Nord Stream 2 attackierte. Oldenburg verspricht eine sozialere Politik für die Menschen, sollte die SPD mit den Linken – wie zuletzt bis 2006 - regieren.

Die Grünen und die Liberalen machen sich Hoffnungen, nach fünf Jahren (Grüne) beziehungsweise nach zehn Jahren (FDP) in den Landtag zurückzukehren – und dann ebenfalls als potenzielle Koalitionspartner bereit zu stehen.

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