Politik So funktioniert taktisches Wählen

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Meist geben Wähler ihre Stimme der Partei, die ihnen am nächsten steht. Aber es geht auch anders.

Klara Maier* will ihre Zweitstimme im September möglichst geschickt einsetzen – und deshalb gerade nicht CDU wählen. Obwohl die in Teilen konservative Partei der 42-Jährigen inhaltlich näher steht als alle anderen Parteien. Maier geht mit einer Taktik zur Wahl. „Ich schwanke noch zwischen SPD und Grünen“, erzählt die Sachbearbeiterin, die sich die Fortsetzung der großen Koalition wünscht. Sie glaubt: Gibt sie ihre Zweitstimme der SPD, könnte das eine schwarz-rote Koalition fördern. „Wenn ich stattdessen CDU wähle und die CDU zu stark wird, könnte es für Schwarz-Gelb reichen. Das will ich nicht.“ Dass sie mit ihrer Strategie Rot-Rot-Grün oder die Ampel-Koalition fördert, glaubt Maier nicht: „Laut Umfragen haben diese Koalitionen keine guten Chancen.“ Thomas Gschwend, Politikprofessor an der Uni Mannheim, ist einer der Wahlforscher, auf deren Informationen Maier ihre Strategie stützt. Gschwend nutzt die Daten vieler Meinungsforschungsinstitute, um Prognosen zum Wahlausgang zu berechnen – und mit welcher Wahrscheinlichkeit verschiedene Koalitionen nach der Wahl eine Mehrheit haben. Strategisch zu wählen hält Gschwend für sinnvoll. Zwar gingen Taktiken nicht immer auf. „Aber diese Gefahr besteht auch, wenn ich wähle ohne über Koalitionen nachzudenken. Weil meine bevorzugte Partei nach der Wahl vielleicht Kompromisse eingeht, die weit weg sind von meinen Positionen.“ Maier hat noch eine zweite Taktik: mit der Zweitstimme die schwächelnden Grünen zu unterstützen. „Ich finde die kritische Haltung der Grünen wichtig. Sie sollen auf jeden Fall im Bundestag bleiben.“ Sollte es außerdem zur Jamaika-Koalition kommen, wäre es Maier lieber, wenn die Grünen mehr Einfluss hätten als die FDP – was ihr Mann ganz anders sehe. Mit welcher Taktik sie am Ende ihr Kreuz setzt? „Das entscheide ich wohl erst in der Wahlkabine.“
Im Netz Die Seite www.zweitstimme.org zeigt und erklärt Prognosen zu Wahlausgang und Koalitionen. *K. Maier ist fiktiv, ihre Ideen stammen von realen Personen.
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