Analyse
Ein neues Trio gegen Iran
„Das hat schon Camp-David-Qualitäten“, sagt Carlo Masala, Professor an der Bundeswehr-Universität in München. Er spielt an auf den Durchbruch bei der Annäherung von Ägypten und Israel, der 1978 auf dem Landsitz des US-Präsidenten bei Washington erzielt wurde und ein Jahr später zum Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern führte. Die jetzige Vereinbarung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sieht er als „Zeitenwende“ in der Region. Es entstehe ein Bündnis gegen den Iran, bei dem die Teilnehmer ihre Differenzen beiseiteschieben, sagt Masala. Auch wenn Saudi-Arabien nicht offiziell den gleichen Schritt tun werde wie die VAE, sei das Königreich sehr wohl Partner in dem anti-iranischen Bündnis. Der Politikwissenschaftler spricht von einem „strategischen Dreieck Israel-VAE-Saudi-Arabien“.
Die Gewinner
Israel gehört zu den Gewinnern dieser neuen Konstellation. Der jüdische Staat, der in seiner Nachbarschaft bisher nur Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien hatte, kann nun zum ersten Mal offizielle Beziehungen zu einem der reichen arabischen Golfstaaten aufnehmen. Die Isolation Israels im Nahen Osten gehört damit endgültig der Vergangenheit an. Mit den VAE und Saudi-Arabien hat Israel mächtige Verbündete im Kampf gegen den Iran gewonnen.
Die VAE und Saudi-Arabien sind ebenfalls Sieger. Eine Entspannung im Verhältnis zu Israel passt zu ihrer außen- wie innenpolitischen Bedrohungsanalyse: Außenpolitisch ist der Iran der gemeinsame Gegner, und innenpolitisch fürchten die VAE und Saudi-Arabien vor allem die Muslim-Bruderschaft, deren palästinensischer Ableger Hamas zu den Erzfeinden von Israel gehört.
Auch Donald Trump kann zufrieden sein. Der amerikanische Präsident kann sich zugutehalten, einen neuen Grundlagenvertrag in Nahost eingefädelt zu haben. Bahrain könnte bald einen ähnlichen Vertrag mit Israel abschließen. Saudi-Arabien dürfte wegen seiner Position als Hüter der heiligen islamischen Städte Mekka und Medina vorsichtiger sein, doch die engen Beziehungen Riads zu den VAE bedeuten, dass Saudi-Arabien auch ohne offiziellen Vertrag mit im Boot ist.
Die Verlierer
Der Iran dagegen ist noch isolierter als vorher. Teheran wird sich im Dauerstreit mit Saudi-Arabien um die Führungsrolle in der islamischen Welt zwar erst recht als aufrechter Kämpfer für die palästinensische Sache präsentieren. Dennoch bleibt die Einigung ein schwerer Rückschlag für die Iraner. Immerhin lautet das strategische Ziel der Islamischen Republik, die USA aus dem Nahen Osten zu verdrängen und Israel zu bedrohen. Beides wird nun erheblich schwieriger.
Die Palästinenser werden durch das neue Bündnis ebenfalls geschwächt. Die Golfstaaten haben offiziell den Grundsatz über Bord geworfen, die Anerkennung Israels von Zugeständnissen an die Palästinenser abhängig zu machen. Damit verlieren die Palästinenser ein wichtiges Druckmittel.
Auch für die Türkei wird es im Nahen Osten ungemütlicher. Ankara hat als Verbündeter der Muslim-Bruderschaft enge Kontakte zur Hamas, aber außer Katar keinen staatlichen Partner im Nahen Osten. Präsident Recep Tayyip Erdogan erwägt, aus Protest gegen die Einigung mit Israel die diplomatischen Beziehungen zu den VAE auf Eis zu legen.
Die Folgen
Die drei Staaten im neuen „Dreieck“ sind wirtschaftlich, politisch und militärisch stark genug, um den Iran in Bedrängnis zu bringen. Daraus könnten neue Eskalationen entstehen, etwa in Syrien. Staatschef Baschar al-Assad ist zwar ein Partner des Iran, bemüht sich seit einiger Zeit aber auch um eine Normalisierung seiner Beziehungen zu den Golfstaaten. Syrien könnte deshalb zu einem Schauplatz des Machtkampfes werden.
In der konfrontativen Stimmung ist die Zukunft des internationalen Atomvertrages mit Teheran düster: Wie Trump lehnen Israel, die VAE und Saudi-Arabien den Vertrag ab. Der Iran wird deshalb unter Druck geraten, neuen Zugeständnissen in der Atomfrage zuzustimmen. Zugleich dürfte die neue Frontbildung im Nahen Osten den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern auch ohne neue Annexionen zumindest vorübergehend zum vollständigen Stillstand bringen. Möglich sind außerdem neue Gewalttaten. Schon in der Vergangenheit aktivierte der Iran seine Partner wie die Hisbollah im Libanon, pro-iranische Milizen im Irak oder die Huthis im Jemen. Sichererer wird der Nahe Osten wohl nicht