Vor der Wahl
CDU-Kandidat Xaver Jung will Früchte seiner Berliner Lehrzeit ernten
Nein, Berufspolitiker habe er nie werden wollen – obwohl oder gerade weil er bereits mit 22 in den Ortsgemeinderat seiner Heimatgemeinde gewählt wurde. Die Ämter, die er auf kommunaler Ebene innehatte und noch innehat, lassen sich kaum aufzählen. „Ich bin Kommunalpolitiker durch und durch.“
Genau das aber habe dazu geführt, dass er sich vor 2009 erstmals zur Bundestagskandidatur entschlossen hat und woraus er auch heute noch, zwölf Jahre später, Motivation zieht. „Wenn man kommunalpolitisch aktiv ist, merkt man, dass die Stellschrauben woanders gedreht werden. Und dorthin wollte ich“, spielt er auf die mangelhafte finanzielle Ausstattung an. Einmal ist er an diese Fleischtöpfe in Berlin gelangt: 2013, für vier Jahre, über die Landesliste.
Vier Jahre Erfahrung gesammelt
Deshalb glaubt er, dass er der beste Kandidat für den Wahlkreis ist: „Ich habe das in den vier Jahren gelernt: In den ersten vier Wochen wird alles verteilt. Wer danach kommt, geht weitgehend leer aus.“ Eine Lehrzeit seien die vier Jahre für ihn gewesen. „Jetzt kann ich für unsere Region ernten, was ich gesät habe.“ Das Schlagwort Erfahrung ist daher auch eines der Argumente, das er in seinen Wahlkampf immer wieder betont.
Der Gymnasiallehrer für Musik und Sozialkunde räumt aber auch ein, dass es für ihn schmerzlich gewesen sei, 2017 den Bundestag wieder zu verlassen. Wegen 1,7 Prozentpunkten, die er hinter Herzog lag und die diesem das einzige SPD-Direktmandat südlich von Köln ermöglichte. Dabei spricht er über seinen langjährigen Widersacher mit großem Respekt: „Angesichts seiner Persönlichkeit und seiner langen Zeit im Bundestag hätte er deutlich mehr werden können. Aber er wollte nicht. Er ist, wie ich, in erster Linie Politiker für unsere Region, nicht Berufspolitiker.“
Talentierter Musiker
Dass es die Politik werden würde für Jung, hat sich lange nicht so abgezeichnet. In jungen Jahren war er nicht nur ein begeisterter, sondern auch ein talentierter Musiker, spielte bei Festivitäten im weißen Anzug auf seinem Klavier. Nach seinem Abitur in Kusel studierte er Musik, fügte Politische Wissenschaften an und wurde Lehrer.
Die Musik, seine nach wie vor große Leidenschaft. „Das gemeinsame Musizieren mit meiner Familie war immer der Höhepunkt der Woche“, sagt er mit Blick auf seine vier Jahre als Abgeordneter. Seine Familie, das sind seine Frau Elena, von Beruf Ärztin, und zwei Kinder, Sohn und Tochter, 21 und 18 Jahre alt. Inzwischen sind die Kinder flügge geworden. Jung sitzt häufiger allein am Klavier. „Üben hat in meinem Alter keinen Zweck mehr“, sagt er und lacht. „Da geht es mir mehr um die Improvisation.“
Daneben hat er aber noch andere Hobbys: Beachvolleyball beispielsweise beim TV Rammelsbach, dessen Vorsitzender er seit vielen Jahren ist. In guten Sommern (und ohne Corona) bridgt und baggert er dreimal die Woche. Den Schachclub seiner Heimatgemeinde hat er mit aus der Taufe gehoben, auch wenn es zum Mitspielen zeitlich nicht mehr reicht. Und da ist sein Garten mit viel Wiese, aber auch mit vielen Obstbäumen – alle selbst gepflanzt. Ein Blick darauf zeigt: Auch hier ist Zeit zum Ernten.
Drei Themen
- Bildungs- und Jugendpolitik: Gute Angebote machen, damit die Jugend nicht aus unserer Region wegzieht.
- Wirtschafts-/Gesundheitspolitik: Es gibt einen Wettbewerb der Regionen. Wir müssen uns als Region so aufstellen, dass wir gut durch die Pandemie kommen und uns diesem Wettbewerb stellen können.
- Mobilität: Das zentrale Zukunftsthema im ländlichen Raum, das auch für die Versorgung der älteren Generation bedeutsam ist.
