Nussdorf
Das Bauernkriegsmuseum öffnet wieder
Auf der Dorfkerwe fing alles an. Die Nußdorfer müssen wohl ordentlich gebechert haben am Kirchweihsonntag im April 1525. Der Wein löste die Zungen, und man disputierte mit hitzigen Köpfen – über die Armut, die hohen Steuern, die ungerechte Obrigkeit dieser Zeit. Am Ende der denkwürdigen Kerwenacht taten sich etwa 200 Bauern zusammen und zogen los: Der „Nußdorfer Haufen“ war gegründet. So nahm der Pfälzische Bauernkrieg seinen Anfang.
Unerträgliche Provokation für die Landsherren
Eine aufregende Zeit war das damals in der frühen Neuzeit, einer Epoche des Aufruhrs. Die aufständischen Bauern verlangten gleiche Rechte – ein demokratischer Anspruch lange vor dem Hambacher Fest. Abschaffung des Großen Zehnten (einer Steuer), Abschaffung der Leibeigenschaft und Minderung der Frondienste waren nur einige der selbstbewussten Forderungen. Heute würde man sagen: Es ging um die Menschenrechte. Damals war der Aufstand eine unerträgliche Provokation für die Fürsten und Landesherren.
Das spektakulärste Exponat in dem schönen historischen Fachwerkhaus gegenüber der evangelischen Pfarrkirche besteht aus 1200 Zinnfiguren. Die winzigen Figürchen stehen in einer Vitrine in Reih und Glied und stellen die Schlacht von Pfeddersheim bei Worms dar. Pfeddersheim war sozusagen das Waterloo der rebellischen Bauernkrieger: 8000 Mann wurden dort von den Truppen des Kurfürsten Ludwig V. vernichtend geschlagen.
Schlacht in Handarbeit mit Zinnfiguren nachgestellt
Zwischen 2000 und 4000 Bauern – die Historiker sind sich nicht ganz einig – kamen bei der blutigen Schlacht ums Leben. „Man wollte nicht alle töten, die Bauern waren ja was wert, weil sie Land bestellt und Abgaben geleistet haben“, sagt Simone Neusüß, die designierte Nachfolgerin des langjährigen Museumsleiters Rolf Übel. Die Zinnfigurenschlacht ist das Ergebnis einer ungeheuren Fleißarbeit. Bernd Ruckdeschel aus Haßloch hat jede einzelne Figur angefertigt und bemalt. Dem Bauernkriegsmuseum hat er das ganze Szenario als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
Um das blutige Ende des Bauernaufstands einschätzen zu können, sollte man einen Blick auf die Vorgeschichte werfen. In einem Zimmerchen neben dem Zinnfigurenpanorama ist eine Karte aufgehängt, auf der ein Gewirr von Linien in mehreren Farben zu sehen ist. Sie zeigt die Züge der verschiedenen Bauernhaufen quer durch den Pfälzerwald und die Rheinebene. Burgen und Klöster waren vor allem ihre Ziele, die geplündert, teilweise zerstört und angezündet wurden.
Auch Neustadt musste dran glauben
Die Nußdorfer zogen zum Beispiel über den Geilweilerhof zum Kloster Eußerthal und über weitere Stationen bis Pfeddersheim. Die Burg Neuscharfeneck war ein weiteres Ziel der Bauern. Auch Neustadt musste dran glauben: Am 6. Mai 1525 stand der Nußdorfer Haufen vor der Stadt und wurde kampflos eingelassen. Nachlesen lässt sich das alles in einer Broschüre von Simone Neusüß über das Bauernkriegsmuseum.
Zurück zu den Zinnfiguren: Das Diorama zeigt den dramatischen Höhepunkt der Schlacht bei Pfeddersheim. Die schlecht ausgerüsteten Bauern, die sich in der damaligen Reichsstadt verschanzt hatten, stehen den Soldaten des kurpfälzischen Heers gegenüber. Auf beiden Seiten wird gefeuert. Was das Bauernheer zunächst nicht wahrnimmt: Die Reiterei ist um die Stadt herum in Stellung gegangen und hat sie umzingelt.
Gefeuert wird aus allen Rohren
Als die Bauernkrieger die Fußtruppen angreifen wollen, denen sie sich überlegen fühlen, können die Reiterei und weitere Truppen ihnen in den Rücken fallen. Das Bauernheer bricht zusammen. Alles das kann man sehen, wenn man sich in die kleinteilige Szenerie vertieft: Zinnsoldaten, die martialisch aufmarschieren und aus allen Rohren feuern, Zinnbauern, die sich am Boden krümmen, Geschütze, die in Stellung gebracht werden.
Der Bauernkrieg steht im Mittelpunkt des kleinen Museums, das vom Historischen Arbeitskreis Bauernkriegshaus Nußdorf betreut wird. Das Haus, das im Besitz der Kirche ist und in seinem ältesten Teil auf 1500 datiert wird, stand übrigens in den 70er-Jahren vor dem Abriss. Zu seiner Rettung wurde der Bauverein Nußdorf gegründet, der bis heute Träger der Einrichtung ist.
Ausstellung zur Hexenverfolgung
Neben den Informationen zum Bauernkrieg wird in der Pfarrer-Lehmann-Stube das Leben von Johann Lehmann dokumentiert, der im 19. Jahrhundert 30 Jahre lang in Nußdorf tätig war. Er widmete sich weniger seiner Gemeinde als vielmehr der pfälzischen Geschichte von Burgen, Schlössern und Städten. Über die Geschichte von Nußdorf seit der Römerzeit wird in den drei weiteren Räumen informiert. Unter anderem geht es um die Hexenverfolgung Ende des 16. Jahrhunderts und die Beteiligung an revolutionären Umtrieben in der Zeit der Französischen Revolution.
Der Museumstag im Überblick
Zum Internationalen Museumstag morgen ist das Bauernkriegshaus in Nußdorf, Kirchstraße 66, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Um 14 Uhr wird eine Führung durch das Museum angeboten, um 15.30 Uhr eine Führung durch die benachbarte Kirche mit ihren Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Vorgestellt werden auch die neuen Publikationen: ein Museumsführer, ein Friedhofsführer sowie eine Abhandlung zu den Nußdorfer Hexenprozessen von 1584/85. Die regulären Öffnungszeiten bis Oktober sind sonntags von 14 bis 16 Uhr.
Das Museum für Weinbau und Stadtgeschichte Edenkoben mit seiner Sonderausstellung „Ludwig Schütte – Historiker und Maler“ hat von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Das Hoffmann Hammer Trio spielt mehrfach im Weinkeller und Räumen des Museums. Der Heimatbund Edenkoben lädt zum Picknick ein (Essen muss mitgebracht werden).
Winzlinge und Mammuts
Im Museum unterm Trifels in Annweiler, Schipkapass 2, sind von 10 bis 20 Uhr vier Sonderausstellungen zu sehen: „111 Jahre Kurhaus Trifels – Vom Erholungsheim zum Jugendstilhotel“, „Bodenlos“ der Künstlerin Betty Beier, „Little Pfalz – Winzlinge entdecken die Pfalz“ des Fotokünstlers Benedikt Hild samt Gewinnspiel und „Burgen der Südpfalz“ des Fotografen Christian Fernández Gamio. In der historischen Gerberwerkstatt gibt Stadtführer Erwin Unger in authentischer Gewandung Einblicke in das Gerberhandwerk. Im „Kunschdhaisl“ wird ein Mitmachprogramm für Kinder angeboten. Vor dem Museum stehen das Oldtimer Café Mobil der Annweilerer Kaffeerösterei Gaumenfreuden und ein Infostand der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.
Im Museum Herxheim bietet die Kuratorin Andrea Skamletz Einblicke in die Sonderausstellung zur Eiszeit. Ihre Führungen um 14, 15, 16 und 17 Uhr richten sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Fladen, Brot und Brötchen werden im Lehmofen gebacken und Feuer nach Steinzeitart gemacht, und Besucher können steinzeitliches Werkzeug herstellen.
Das Ziegeleimuseum in Jockgrim empfängt von 10 bis 17 Uhr Besucher.
Das Strieffler-Haus in Landau, das eine Ausstellung des Fotografen Karlheinz Schmeckenbecher zeigt, ist von 14 bis 17 Uhr geöffnet.