Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel FC Bayern verliert gegen Leipzig: Kompletter Systemabsturz

Ausgerechnet: Konrad Laimer wurde vom ehemaligen Bayern-Coach Julian Nagelsmann nach der gemeinsamen Zeit in Leipzig für die Bay
Ausgerechnet: Konrad Laimer wurde vom ehemaligen Bayern-Coach Julian Nagelsmann nach der gemeinsamen Zeit in Leipzig für die Bayern »angeworben«. Bestätigen will er den Transfer noch nicht. Erst einmal erzielt er den Ausgleich für RB – gegen seinen künftigen Arbeitgeber?

Der FC Bayern verliert nach 1:0-Führung gegen RB Leipzig mit 1:3. Damit ist die Meisterschaft gefährdet. Mit einem Sieg beim FC Augsburg kann Borussia Dortmund an den Münchnern vorbeiziehen.

Relativ ratlos schlichen die Spieler des FC Bayern nach der Niederlage zu ihren Fans. Die Blicke gingen ins Leere. Was für ein brutaler Rückschlag kurz vor der Ziellinie. Anstatt die Führung auf Borussia Dortmund auf vier Punkte auszubauen, verharren die Bayern bei 68 Punkten. Die nächste Meisterschaft auf dem gemütlichen Sofa am Sonntag zu feiern, damit wird es nun nichts. Im Gegenteil: Borussia Dortmund hat das Heft in der Hand und kann mit einem Erfolg beim FC Augsburg die Tabellenführung übernehmen. Der Titelverteidiger muss am kommenden Samstag zum 1. FC Köln, der BVB empfängt den 1. FSV Mainz 05.

Typisch Bayern! Nach einer Führung hat der deutsche Rekordmeister in dieser Saison schon 13 Punkte verspielt. Von der Stabilität nach den Siegen gegen Hertha BSC, Werder Bremen und Schalke 04 war urplötzlich nichts mehr zu sehen.

Das Schwungrad: Joao Cancelo

Dabei fing es ganz gut an. Das 1:0 für die Bayern fiel in der 25. Minute. Nach einer Traumkombination über Joao Cancelo und Thomas Müller kam der Ball zu Serge Gnabry – der Stürmer zog sofort ab und der Ball flog vom Innenpfosten ins Tor. Gnabry hat einen Lauf. Das war das fünfte Tor des 27-Jährigen in den letzten fünf Spielen. Alles in allem kommt Gnabry, der zwischenzeitlich ziemlich im Tief verharrte, nun schon auf 14 Saisontore. Der Treffer entstand in der besten Phase der Bayern. Ein Schwungrad: Der technisch begnadete Joao Cancelo auf dem linken Flügel. Die Führung stand dann aber auf dem Prüfstand. Binnen drei Minuten zeichnete sich Torhüter Yann Sommer dreimal aus. Vor allem die Parade bei einem Schuss von Dominik Szoboszlai war klasse. RB schöpfte Mut, weil der Champion das 2:0 nicht nachlegte. Jamal Musiala hatte dazu die Chance und auch Kingsley Coman. „30 Minuten war es okay, in der zweiten Halbzeit sind wir komplett schlampig geworden“, resümierte Trainer Thomas Tuchel.

Angeschlagen: Thomas Müller spielte in einem „Thomas-Müller-Spiel“. Das Ruder herumreißen konnte er aber nicht, genauso wenig wi
Angeschlagen: Thomas Müller spielte in einem »Thomas-Müller-Spiel«. Das Ruder herumreißen konnte er aber nicht, genauso wenig wie Joshua Kimmich. Die Reaktion der Bayern-Stars? Irgendwo zwischen Trotz und Frust und Ratlosigkeit.

Was dann folgte, war unverständlich. Die Bayern verloren nach der Pause ihren Rhythmus, sie verloren Zuversicht und Selbstvertrauen. Ihr Spiel hatte kein Tempo, wenig zwingende Aktionen. Das Verhalten vor dem Ausgleich war amateurhaft. Nach einem eigenen Eckball fingen sich die Münchner einen Konter. Die Absicherung fehlte, vier Leipziger Spieler rannten auf einen Münchner Akteur zu. Ausgerechnet der wohl künftige Bayern-Spieler Konrad Laimer vollendete den Angriff in der 65. Minute zum 1:1. „In der zweiten Halbzeit waren wir sehr schwach. Wir haben Leipzig mit unseren eigenen Fehlern eingeladen“, sagte Thomas Müller, der in der Startelf stand.

Oliver Kahn: Es ist noch nicht vorbei

Die Bayern gerieten nach dem Ausgleich in eine Art Schockstarre – und kassierten elf Minuten später das 1:2 durch einen Foul-Elfmeter von Christopher Nkunku. Der Franzose wurde selbst gefoult, und zwar von seinem Landsmann Benjamin Pavard. Das war auch eine unglückliche Aktion. „Es ist ja nicht das erste Mal. Man hat das Gefühl, alles bricht zusammen, wenn mal ein Gegentor fällt, wenn Widerstand kommt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir noch groß was entgegenzusetzen hatten“, sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Oliver Kahn. Mit Blick auf einige abenteuerliche Erlebnisse während seiner Karriere betonte er: „Es ist noch nicht vorbei.“

Nach dem 1:2 kam es noch schlimmer für die Bayern an diesem denkwürdigen Abend. Schiedsrichter Deniz Aytekin ahndete ein Handspiel von Noussair Mazraoui, diesmal trat Dominik Szoboszlai an und ließ sich die Chance nicht entgehen (85.). „Wir haben nach dem 1:0 nicht aufgegeben. Das ist eine geile Geschichte“, sagte der Ungar.

Mit diesem Erfolg, mit ihrem ersten Sieg in der Allianz-Arena, sind die Leipziger sicher für die Champions League qualifiziert. „Das war eine starke Leistung. Wir haben ein bisschen gebraucht. Wir haben in der zweiten Halbzeit vieles besser gemacht. Es war ein verdienter Sieg“, erläuterte RB-Kapitän Willi Orban.

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