Gesundheit RHEINPFALZ Plus Artikel Mausarm: Wenn jeder Klick schmerzt

Bei der Arbeit am PC sind Arme und Hände besonders belastet. Beim sogenannten RSI-Syndrom kann es zu ziehenden Schmerzen bis in
Bei der Arbeit am PC sind Arme und Hände besonders belastet. Beim sogenannten RSI-Syndrom kann es zu ziehenden Schmerzen bis in den Nacken kommen.

Wer am PC arbeitet, führt über längere Zeit immer wieder die gleichen Bewegungen aus. Eine dauerhafte Fehlhaltung von Händen und Armen kann zu einer Überlastung von Muskeln, Sehnen und Bändern führen. Die mögliche Folge: ein sogenannter Mausarm. Mit Wärme, Schwingungen und integrierten Mäusen ist es möglich, gegenzusteuern.

Etwa jeder zehnte Erwachsene leidet Schätzungen zufolge unter Schmerzen und Taubheitsgefühlen in Hand und Unterarm. „Durch die Arbeit am PC haben insgesamt die Beschwerden am Bewegungsapparat deutlich zugenommen“, berichtet Jörg van Schoonhoven, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Das sogenannte RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injuries), auch bekannt als Mausarm, gehöre dazu. Typische Symptome sind anfangs Sensibilitätsstörungen wie Taubheit und Kribbeln in den Fingern. „Außerdem kann ein Kältegefühl in den Händen und im Unterarm auftreten“, erklärt Bastian Marquaß von der Orthopädischen Gelenk-Klinik in Freiburg.

Schmerzen bis hinauf in die Schulter

Im weiteren Verlauf kommen oft Schmerzen hinzu, insbesondere in den Streckmuskeln des Unterarms, mitunter auch in der Schulter. „Hand und Arm sind ja in einer Bewegungskette mit dem übrigen Körper verbunden, die Schmerzen können also auch bis in die Schulter hinaufreichen“, betont van Schoonhoven. Umgekehrt könnten die Beschwerden von dort bis in die Unterarme und Hände ziehen. Eine Fehlhaltung im Schulter-Nackenbereich – beispielsweise, dass man den Kopf dauerhaft geneigt oder gedreht halten muss – könne zu einer Irritation der Nerven führen, die in den Unterarm und in die Hand ausstrahlen. „Und am Ende hat man dann möglicherweise die typischen RSI-Symptome“, warnt Jörg van Schoonhoven, der die Handchirurgie am Rhön-Klinikum in Bad Neustadt/Saale leitet.

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Dauerbeanspruchung bestimmter Muskelgruppen

Würde man jedoch ein Magnetresonanz-Bild der betroffenen Körperregionen machen, fände man dort in der Regel keine strukturellen Schäden und Entzündungen. Das unterscheidet das RSI-Syndrom von anderen Erkrankungen im Unterarmbereich, wie Sehnenscheidenentzündung und Tennisarm, die häufig auch schmerzhafter und hartnäckiger sind.

Das RSI-Syndrom hat seine Ursprünge vielmehr in den bereits erwähnten Nervenirritationen – und in der Dauerbeanspruchung bestimmter Muskelgruppen. „Wenn man etwa eine Maus oder Tastatur hat, bei der die Hand stark angehoben werden muss, führt dies ohnehin schon zu einer erheblichen Spannung in der Unterarmmuskulatur“, erläutert Marquaß. „Und wenn dann noch in schnellem Tempo geklickt und getippt wird, stehen dort die Zeichen auf Überforderung“, so der Orthopäde. Denn die Finger würden in erster Linie durch die Muskeln im Unterarm bewegt, deren Sehnen über das Handgelenk bis zu den Fingern reichen.

Wiederholtes Dehnen der Unterarmmuskulatur hilft

Eine erste Therapiemöglichkeit gegen RSI ist das wiederholte Dehnen der Unterarmmuskulatur. So kann man etwa bei nach vorn gestrecktem Unterarm die Hand – mit der Rückseite nach oben – nach unten einklappen und weiter in Richtung Unterarm ziehen. Man sollte dabei einen deutlichen Dehnungsreiz spüren, aber keinen Schmerz, weil das die Beschwerden verschlimmern würde.

Wärme in Form von Wärme-Pads, aufgeheizten Kirschkernsäckchen oder Infrarotstrahlungen trägt ebenfalls zur Lockerung bei. Kälte hingegen hilft nicht, weil sie in erster Linie bei Entzündungen angezeigt ist.

Stützbandagen und Manschetten können beim RSI-Syndrom allenfalls kurzfristig ein paar Tage lang Entlastung bringen. „Längerfristig sorgen sie hingegen für eine kontraproduktive Immobilisierung und einen damit einhergehenden Muskelabbau“, warnt van Schoonhoven. Ganz zu schweigen davon, dass sie nichts an der Fehlhaltung am PC ändern, die zum RSI-Syndrom geführt hat.

Bastian Marquaß hält große Stücke auf die zellbiologische Regulationstherapie. Die Idee dahinter: Durch die hohe Spannung der Unterarmmuskulatur kommt es dort zu einer dauerhaften Übersäuerung und Störung des Stoffwechsels in den Zellen. „Durch sanfte Schwingungen von außen soll die Mikrozirkulation um die Zellen verbessert werden, sodass sich die Stoffwechselvorgänge wieder normalisieren“, erläutert der Facharzt.

Kassen übernehmen Kosten für Regulationstherapie nicht

Die Behandlung erfolgt über ein Handgerät, das ein wenig an eine elektronische Zahnbürste erinnert und vom Therapeuten entlang des Unterarms geführt wird, wo es über Rüttelbewegungen für Schwingungen sorgt. Eine Behandlungseinheit dauert rund 30 Minuten. Nach Angaben von Bastian Marquaß sollten für eine spürbare Linderung der Beschwerden sechs Einheiten im Abstand von jeweils zwei, drei Tagen ausreichen. Der Haken: Es gibt zwar manche Ärzte und Physiotherapeuten, die das Verfahren nutzen, aber die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen es nicht.

Mit ergonomischer Vertikalmaus vorbeugen

Nicht nur therapeutisch, sondern auch präventiv wirken ergonomische Veränderungen am Arbeitsplatz. Dies gilt insbesondere für die Handstellung an der Computer-Maus. Die handelsüblichen Modelle sind so konstruiert, dass der Handballen aufliegt. „Wenn man sich entspannt hinstellt oder spazieren geht, merkt man schnell, dass dies nicht der natürlichen Handstellung entspricht, bei der die Handinnenflächen nach innen zum Körper zeigen“, so Marquaß. Durch ergonomische Vertikalmäuse werde bei der Büroarbeit die Hand in diese natürliche Stellung, also mit der Innenfläche zum Körper ausgerichtet. Der Unterarm wird dadurch nicht mehr nach innen verdreht, und man muss nicht mehr die Finger bei angespannter Unterarmmuskulatur anheben, um die Maus bedienen zu können.

Eine weitere Alternative ist laut einer Harvard-Studie die sogenannte Rollstangenmaus, die im Keyboard, direkt vor der Tastatur integriert ist. Dies führt zu einer besseren Symmetrie der Körperhaltung. Die Finger werden entlastet, weil man die Rollstange mit beiden Händen bedienen kann und die Hände auf einem Sockel vor dem Keyboard liegen.

Bewegungspausen in den Büroalltag einbauen

Die Experten Marquaß und van Schoonhoven verweisen darauf, dass man zum Beheben und Vermeiden des RSI-Syndroms nicht nur technische Lösungen im Auge behalten sollte. Denn letztlich sei es nur eine Facette eines großen, umfassenden Problems am PC-Arbeitsplatz: dass nämlich der Körper gezwungen wird, in einer für ihn ungünstigen Haltung zu verharren.

„Regelmäßiger Sport kann da einen Ausgleich bieten“, so Marquaß. Wobei nicht alle Sportarten geeignet sind. „Monotones Arbeiten am Crosstrainer etwa kann einen Mausarm verschlimmern“, warnt Marquaß. Besser geeignet seien Schwimmen, Wandern, Joggen und Yoga.

Es hilft aber auch, schon während der Arbeit immer wieder Bewegungspausen – im Sinne von Bewegung in der Pause – einzustreuen. Das können außer Stretchübungen auch Maßnahmen sein, durch die der Büroalltag etwas „unbequemer“ wird. Also beispielsweise die Treppen anstatt des Lifts zu nehmen oder Akten und andere Büromaterialien so zu deponieren, dass man sich aus dem Stuhl erheben muss, um sie zu erreichen. Ein ergonomischer Arbeitsplatz heißt nicht, dass man es jede Minute bequem hat, sondern vielmehr, dass er einen nicht krank macht.

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