Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Die Mandel – für die Pfalz ideal

Philipp Eisenbarth hat für sein Buch zahlreiche Mandelbäume ausfindig gemacht.
Philipp Eisenbarth hat für sein Buch zahlreiche Mandelbäume ausfindig gemacht.

Seit 16 Jahren befasst sich Philipp Eisenbarth intensiv mit dem Thema Mandel. Die Erkenntnisse des Vorderpfälzers sind jetzt in sein Buch „Einheimische Mandeln“ eingeflossen. Warum der Obstbaum jetzt die Chance hat, aus seinem Mauerblümchendasein herauszukommen.

Die Mandel (Prunus dulcis) ist eine Obstbaumart, die in der Obstkunde bislang eher ein Mauerblümchendasein fristete. Was vermutlich daran lag, dass sich ihre Kultur aus klimatischen Gründen nur auf wenige, wärmere Regionen Süddeutschlands beschränkte. Ihr Anbauschwerpunkt in Deutschland ist seit Jahrhunderten unstrittig die Pfalz. Die Mandel gilt als Charakterbaumart der Deutschen Weinstraße. Allein für die Gemarkung von Gimmeldingen sollen es etwa 3000 Bäume sein.

Dass sein Mandelbuch demzufolge etwas „pfalzlastig“ ausfällt, wie Eisenbarth in seinem Vorwort schreibt, dürfte die Pfälzer freuen, zumal auch die meisten Bilder aus unserer Region stammen.

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Chancen für Anbau wachsen

Die Mandel gehört wie Kirsche, Schlehe, Zwetschge, Aprikose, Pfirsich, Kirschpflaume und Zwergmandel zu der sehr artenreichen Gattung Prunus. Eisenbarth zeigt die Baumeigenschaften auf wie Farbe und Form der Blüten, erklärt die Unterschiede von Süß- und Bittermandel und die typische Baumform von Mandeln im Vergleich zu Pfirsich x Mandelhybriden.

Was die Klimaansprüche angeht, gehört die wärmeliebende Mandel, die vermutlich aus Südwestasien stammt, zu den Gewinnern – auch in unseren Gärten. Eisenbarth glaubt, dass sich zu den traditionellen Mandel-Anbaugebieten in Deutschland noch mehr gesellen können. „Die seit den 1990er-Jahren beobachtete Klimaerwärmung scheint jedoch grundsätzlich die Bedingungen für einen Mandelanbau in Deutschland zu verbessern“, schreibt er.

Im Kapitel „Mandelkultur in der Geschichte“ geht Eisenbarth dem Anbau in der Antike nach, wo unter anderem das Mandelöl im mediterranen Raum schon als Kosmetikum beliebt war. In Deutschland wurde der Mandelbaum bereits im frühen Mittelalter angebaut. Ihre aktuelle wirtschaftliche Bedeutung weltweit sowie Nutzung und Verwendung schildert der Pfälzer Autor ebenfalls.

Schwerpunkt innerhalb Deutschlands ist die Pfalz, belegt mit zahlreichen literarischen und historischen Angaben: angefangen mit Hildegard von Bingen über die aus dieser Region stammenden Ärzte und Botaniker Hieronymus Bock und Jacobus T. Tabernaemontanus bis hin zu Achilles Zschokke, der 1917 als Leiter der Königlich Bayerischen Obst- und Weinbauschule Neustadt über den Mandelanbau in der Pfalz berichtete. Aber auch die aktuelleren Forschungen der Obst- und Weinbauschule Geisenheim (Rheingau) und der Aufbau eines Mandelsortiments am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz in Neustadt-Mußbach werden behandelt.

Wer Mandeln bislang nur als kleine, zierlich am Straßenrand wachsende Bäumchen ansah, der irrt gewaltig, wie im Absatz „Mandelbäume als touristischer Blickfang“ nachzulesen ist: Auf dem Gimmeldinger Mandellehrpfad weist ein mächtiger, mit Kunstharz präparierter Stamm eines etwa 110 Jahre alten, abgestorbenen Mandelbaums fast zwei Meter Umfang auf. Überhaupt können Mandelbäume je nach Wuchsform zwischen zwei und elf Meter hoch wachsen und immerhin 80 Jahre und älter werden.

Wer sich mit dem lohnenswerten Gedanken trägt, einen wunderschön blühenden Mandelbaum im eigenen Garten zu setzen, findet im Buch zahlreiche Kulturhinweise. Behandelt werden die Themen Anbau und Standortansprüche, Vermehrung, Unterlagen, Pflanzung, Pflegemaßnahmen, Krankheiten, Schädlinge und Pflanzenschutz sowie Ernte und Lagerung.

In „Sortenporträts der wichtigsten Mandelsorten Deutschlands“ werden von der südfranzösischen ,Ai’ über die aus Mußbach stammende ,Keilmandel’ bis hin zur kalifornischen ,Texas’ 21 Süß- und Bittermandelsorten heimischer und ausländischer Herkunft auf je zwei Seiten vorgestellt. Darüber hinaus finden sich darin ihre jeweilige Klassifizierung, Angaben zu Herkunft, Baum- und Fruchteigenschaften, Verwechslersorten sowie eine allgemeine Beurteilung der jeweiligen Sorte.

Nicht nur für Pomologen

Daran schließen sich Porträts von sechs Pfirsich x Mandelhybriden, darunter ,Gimmeldinger Süßmandel’ und ,Perle der Weinstraße’, an. Eine Vorstellung der ,Davidsmandel’, bei der es sich nicht um eine echte Mandel, sondern um den Chinesischen Wildpfirsich handelt, rundet das Kapitel ab.

Damit sich der Leser (mehr als) ein Bild machen kann, sind jedem Porträt je ein Foto der Blüte und der Fruchtsteine beigefügt. Hilfreich sind auch die Fotografien des unterschiedlichen Laubes der einzelnen Sorten.

Ob das Bild vom ehedem stärksten Mandelbaum Deutschlands, der bis vor wenigen Jahren bei Kallstadt stand, eines von der ,Forster Jesuitenmandel’ bei Forst (beide Kreis Bad Dürkheim) und natürlich alle Blüten-, Frucht- und Laubbilder: Zum überwiegenden Teil wurden die Fotos vom Autor aufgenommen. Die Bildqualität ist ausgezeichnet.

Das Buch richtet sich an Freizeitgärtner, Obstliebhaber und Pomologen (Obstbau-Experten), an Fachberater in Behörden und Verbänden sowie an Personen und Einrichtungen im Bereich Tourismus, die mit Mandelbaum-Projekten zu tun haben und Hintergrundwissen benötigen.

Lesezeichen

  • Philipp Eisenbarth: „Einheimische Mandeln“, 132 Seiten, erhältlich unter www.pomologen-verein.de, 16,50 Euro plus Versandkosten .

Von wegen klein und zierlich: Dieser stattliche Mandelbaum steht bei Neustadt-Königsbach. Die Bäume können mehr als elf Meter ho
Von wegen klein und zierlich: Dieser stattliche Mandelbaum steht bei Neustadt-Königsbach. Die Bäume können mehr als elf Meter hoch werden, wenn man sie lässt.
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