Meinung
Mehr Zuversicht, bitte!
Nachrichtenmüdigkeit macht sich breit. Immer mehr Menschen schalten ab oder um, wenn sie grausame Bilder vom Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine sehen, von ertrunkenen Bootsflüchtlingen, von Waldbränden, Sturzfluten und so weiter.
Psychologisch ist Nachrichtenmüdigkeit verständlich. Aber fehlende Information über bedeutsame, geprüfte Nachrichten führt zu falschen Einschätzungen und Ansichten. Und dann gibt es auch noch die wachsende Anzahl von Menschen, die eine Meinung haben und sich dazu die passenden Belege im Internet suchen. Das und die Nachrichtenmüdigkeit erschweren eine öffentliche Meinungsbildung und sie behindern die Konsensfindung – zum Schaden der Demokratie.
Demokratie baucht Mitmacher statt Miesmacher
Wie merkwürdig: Genau jene, die sich ausklinken aus der öffentlichen Debatte, beklagen, dass die Demokratie nicht mehr funktioniere. Man trifft viele Menschen, die offenbar nur noch zufrieden sind, wenn sie nörgeln und Schuldige benennen können. Deutschland ist Quengelland geworden.
Demokratie baucht Mitmacher statt Miesmacher und bequemer, selbstgerechter Bürger. Wolfgang Schäuble hat es treffend gesagt: „Wenn die Menschen meinen, der Staat sei nur ein Supermarkt, der den Bürgern dauernd Angebote machen muss, dann geht die Demokratie vor die Hunde. Die Bürger müssen sich für die Demokratie einsetzen. Wir haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.“
Die Regierungen und Parlamente in Bund und Ländern machen Fehler – gar keine Frage. Aber sie reagieren auf Kritik, korrigieren sich auch. Am sogenannten Heizungsgesetz kann man das gerade beobachten. Bürger und Wähler können sich nicht aus allem rausreden. Gute Politik muss über den Tag und das Jahr hinaus denken. Wenn Bürger nur das Ende des Monats im Kopf haben und das, was dann (noch) in ihrem Geldbeutel ist, und wenn sie verlangen, dass die Politik sich vor allem daran orientiert, dann wird die Welt nicht besser. Im Gegenteil.
Niedergang der Höflichkeit beschleunigt
Die gegenwärtig so hohe Zustimmung zur AfD allein der Regierungspolitik in die Schuhe zu schieben, ist sehr simpel. In Thüringen hat die Wählerschaft einen AfD-Kandidaten zum Landrat gemacht, der im Wahlkampf ausschließlich unerfüllbare Versprechen gegeben hat. Denn er hat für das Wahrmachen seiner Versprechungen als Landrat überhaupt keine Zuständigkeit. Allein mit Protest gegen die Regierungen kann man solches Wahlverhalten nicht begründen. Es zielt, bewusst oder unbewusst, auf die Zerstörung der Demokratie ab.
Schlimm ist, dass die Ampel-Parteien im Heizungsstreit so rüpelhaft miteinander umgegangen sind. Da haben Regierung, Bundestag und Parteien ihre Vorbildfunktion völlig vergessen und den Niedergang der Höflichkeit beschleunigt.
In einer Demokratie müssen alle einander zuhören, sie müssen sich achten – egal welchen Rang sie haben. Demokraten brauchen Geduld miteinander, müssen Kritik an sich ertragen. Ja, sie haben die Aufgabe, sich zu informieren und ihre unterschiedlichen Meinungen offen, ohne Verletzung anderer auszutragen.
Aus dem fairen, (Allgemein)wohlgesinnten Umgang miteinander entsteht Vertrauen. Vertrauen macht Hoffnung. Hoffnung stiftet Zuversicht. Wer möchte denn nicht in einem Land der Zuversicht leben?