Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Lateinamerika nach der Ära Trump: Verbrannte Erde

Menschen stehen an der Grenzmauer zwischen Mexiko und San Diego, Kalifornien. US-Präsident Biden stoppte den Mauerbau.
Menschen stehen an der Grenzmauer zwischen Mexiko und San Diego, Kalifornien. US-Präsident Biden stoppte den Mauerbau.

Auf US-Präsident Joe Biden warten in Lateinamerika große Aufgaben, nachdem sein Vorgänger nur die Migration aus diesen Ländern in die USA verhindern wollte. Das hat China weidlich ausgenutzt.

US-Präsident Joe Biden hat auch in Lateinamerika von seinem Vorgänger viel verbrannte Erde geerbt. Donald Trump interessierte sich nicht für die Nöte der Region oder ihre Entwicklung. Er wollte die USA lediglich vor Migranten aus den früher so gerne als „Hinterhof“ verunglimpften Ländern schützen und seine ideologischen Feinde vor allem in Kuba und Venezuela von der Macht verdrängen. Biden hingegen blickt nicht ideologisch auf Lateinamerika, sondern pragmatisch, wirtschaftlich und mit dem Fokus auf gemeinsame Interessen, ohne dabei die Sicherheitsaspekte seines Landes aus den Augen zu verlieren.

Kooperation statt Konfrontation

Biden, der in den acht Jahren seiner Vizepräsidentschaft (2009 bis 2017) unter Barack Obama wichtigster Emissär der Vereinigten Staaten in Lateinamerika und der Karibik war, verfügt über große Erfahrung in der Region. Er setzt auf Kooperation und nicht auf Konfrontation, er reicht die Hand und droht nicht mit der Knute. Aber die zu erledigenden Aufgaben sind groß.

In erster Linie sind das die verantwortliche Steuerung der Migration aus Zentralamerika, die Korruptionsbekämpfung sowie die Stärkung der Demokratie. Als neues Element kommt das Klimathema hinzu, besonders der Schutz des Amazonas-Regenwaldes.

Notlagen Hauptursache der Migration

Erste Schritte hat Biden gleich nach seinem Amtsantritt unternommen. Er stoppte den Bau der Trumpschen Mauer an der Grenze zu Mexiko und schaffte die „Drittstaatenregelung“ ab, die zentralamerikanische Migranten dazu zwang, innerhalb der Staaten der Region auf ihrer Durchreise einen Asylantrag zu stellen, bevor sie das in den USA durften. In Mittelamerika will Washington auf Wachstum und Entwicklung setzen, um in den Ländern die Notlagen zu lindern, die letztlich eine Hauptursache für die Migration sind. Auch Umweltschutz muss jetzt eine große Rolle spielen. Denn derzeit sind wieder Tausende Menschen aus Honduras, Guatemala und El Salvador auf dem Weg in die USA, weil die jüngsten Wirbelstürme ihnen die Lebensgrundlage genommen haben.

Klare Worte hat Biden bereits für die diktatorischen Bestrebungen von Staatschef Daniel Ortega in Nicaragua gefunden und dem jungen Autokraten Nayib Bukele aus El Salvador die kalte Schulter gezeigt, als dieser in der US-Hauptstadt war. Der US-Präsident hat die Korruption in Mexikos Streitkräften gegeißelt und die schreckliche Mordserie an Aktivisten der Zivilgesellschaft in Kolumbien kritisiert. Gegenüber Kuba will er die Kalter-Krieg-Politik beenden, mit der Trump die kommunistische Insel überzogen hatte.

Korruption, Gewalt und Naturkatastrophen

Die USA finden eine Region vor, in der überall zwischen Mexiko und Argentinien die Probleme dramatisch zugenommen haben – Korruption, Gewalt, Naturkatastrophen und noch mehr Armut. Durch die Corona-Pandemie sind mehr als 25 Millionen Latinos in teils existenzbedrohende Verhältnisse abgerutscht.

Um in Lateinamerika wieder Einfluss zu gewinnen, muss die Biden-Regierung eine langfristige Vision entwickeln, die die strategische Bedeutung der Region für die USA berücksichtigt. Denn China hat den USA in einigen Ländern längst wirtschaftlich und politisch den Rang abgelaufen. Inzwischen dehnt die Regierung in Peking ihren Einfluss sogar nach Mexiko aus.

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