Katholische Kirche RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchliche Mitarbeiter outen sich als queer

Ein Arbeiter hängt nach der Entscheidung im Bundestag über die „Ehe für alle" vor der Kulisse des Doms und der Kirche Groß St. M
Ein Arbeiter hängt nach der Entscheidung im Bundestag über die »Ehe für alle« vor der Kulisse des Doms und der Kirche Groß St. Martin in Köln im Juni 2017 eine Regenbogenfahne auf.

125 Schwule, Lesben und Transpersonen in der katholischen Kirche wagen den Schritt in die Öffentlichkeit. Es sind Priester, Pastoralreferenten, Bistumsmitarbeiter und Religionslehrerinnen. Was der Speyerer Generalvikar zu deren Anliegen sagt.

Sie berichten von Selbstzweifeln, lebenslangem Versteckspiel, Zurückweisung und Ausgrenzung. Da ist das lesbische Paar, das sich erst nach 40 Jahren traute, zu heiraten. Zuvor verbargen die ehemalige Ordensfrau und die Religionslehrerin ihre Partnerschaft. Da ist der schwule katholische Pfarrer Frank Kribber. Seit der 45-Jährige weiß, dass er homosexuell ist, quält er sich damit, einer Institution anzugehören, für die er im Prinzip gar nicht existiert. Doch er will sich nicht mehr schuldig fühlen für seine Veranlagung.

Wie die Ordensfrau und der Priester haben sich mehr als 100 Menschen in der Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ zu Wort gemeldet. Menschen, die trotz Diffamierung die katholische Kirche nicht verlassen, sondern sie verändern wollen. „#OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst“ heißt die Initiative. Das Netzwerk ruft alle LGBTIQ+-Personen, die haupt- oder ehrenamtlich für die katholische Kirche tätig sind, dazu auf, sich anzuschließen.

LGBTIQ+ steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Inter und Queer, das Pluszeichen steht für weitere Identitäten und Geschlechter.

Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts gefordert

„Viel zu oft wird abstrakt über die Betroffenen gesprochen. Mit #OutinChurch werden diejenigen, um die es geht, in der Kirche selbst hörbar und sichtbar“, sagt der Initiator der Aktion, Jens Ehebrecht-Zumsande, Referent im Erzbistum Hamburg. Man wolle mit dem Schritt in die Öffentlichkeit „zu einer Erneuerung der Glaubwürdigkeit und Menschenfreundlichkeit der katholischen Kirche beitragen“. Die Initiative fordert, dass „diffamierende Aussagen der kirchlichen Lehre zu Geschlechtlichkeit und Sexualität auf Grundlage theologischer und humanwissenschaftlicher Erkenntnisse“ revidiert werden. Sie will, dass das kirchliche Arbeitsrecht geändert wird. Denn wer für die katholische Kirche arbeitet, muss mit seinem Arbeitsvertrag besonderen Bestimmungen zustimmen. So kann eine gleichgeschlechtliche Heirat zur Kündigung führen. Noch im März 2021 stellte der Vatikan klar, homosexuelle Partnerschaften entsprächen nicht den Plänen Gottes, eine Segnung sei damit nicht möglich.

Speyerer Generalvikar: Mutiges Zeichen

Die Initiative appelliert an die Bischöfe, öffentlich ihre Unterstützung für das Manifest zu erklären. Im Bistum Speyer hat Generalvikar Andreas Sturm umgehend reagiert: „Das ist ein großartiges und mutiges Zeichen.“ Es sei höchste Zeit, dass eine Sexualmoral überwunden werde, die lange Zeit viel Unheil angerichtet habe.

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