Umwelt RHEINPFALZ Plus Artikel Greta demonstriert gegen einen Windpark

In Oslo tragen Polizeibeamte Greta Thunberg vor dem Finanzministerium weg.
In Oslo tragen Polizeibeamte Greta Thunberg vor dem Finanzministerium weg.

Warum die Schwedin nach Norwegen gereist ist und was die Münchener Stadtwerke damit zu tun haben

Die schwedische Klimaschützerin Greta Thunberg ist bekannt geworden, als sie 2018 – anfangs einsam – vor dem heimischen Parlament in Stockholm gegen unzureichende Klimaschutzmaßnahmen demonstrierte. Ihrem Beispiel folgten Millionen junger Menschen in Europa, ja in der Welt. Die Bewegung „Fridays for Future“ war geboren.

In Deutschland machte Greta zuletzt Schlagzeilen, als sie Mitte Januar in Lützerath auftauchte. Dort protestierten Klimaaktivisten gegen den Abbau von Braunkohle und gegen den Abbruch des gleichnamigen Dorfes. Gretas Protestbesuch war zu erwarten – im Gegensatz zu ihrem jüngsten Mediencoup: Am Mittwoch beteiligte sich die Schwedin an Protesten vor mehreren Ministerien in Norwegen. Der Zorn richtet sich gegen den Windpark in einer nordnorwegischen Region.

Für die Samen

Wie? Greta protestiert gegen klimafreundliche Windkraft? Ganz so ist es nicht. Die Protestierenden setzen sich vielmehr ein für die Rechte indigener Völker. Diesmal sind es die Samen, bekannt für ihre Rentierzucht. Norwegens höchstes Gericht hatte im Oktober 2021 geurteilt, dass der Windpark auf der Halbinsel Fosen an der Westküste des Landes die Rechte der indigenen Völker in der Region verletze. Dort leben viele Rentierzüchter. Da seitdem aber offenbar nichts passiert ist, also der Windpark noch steht, und mittlerweile mehr als 500 Tage verstrichen sind, fordern die Aktivisten die norwegische Regierung nun auf, den Windpark zu entfernen.

Thunberg sieht in dem Konflikt einen Fall von „grünem Kolonialismus“. Klimaschutz dürfe nicht auf dem Rücken von Gruppen wie den „Naturvölkern“ ausgetragen werden, es müsse fair und gerecht zugehen. Der norwegische Premierminister Jonas Gahr Støre sagte derweil, man arbeite an einer politischen Lösung.

Schriftlich bestätigt

Pikant: Deutschland ist von der Auseinandersetzung im hohen Norden Europas mitbetroffen. Genauer gesagt, sind es die Stadtwerke München. Denn diese sind Anteilseigner des Windparks und halten 29 Prozent. Auf Anfrage erklärten die Stadtwerke: „Vor Baubeginn haben die Rentierzüchter in Nord-Fosen schriftlich bestätigt, keine Einwände gegen die Gültigkeit der Konzession zu haben.“ Diese habe das Ministerium für 25 Jahre erteilt. Dem Baubeginn sei schriftlich zugestimmt worden. Lediglich die Höhe der Entschädigungen sei noch offen gewesen. Auch die Münchener Stadtwerke unterstützen, natürlich, die Suche nach einer Lösung.

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