Politik Ein Hauch von Monarchie in Washington

Bei ihrem Zusammentreffen schmeicheln US-Präsident Donald Trump und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron einander. Doch die zur Schau getragene Harmonie der beiden Staatschefs kann nicht verdecken, dass sie in etlichen politischen Fragen unterschiedliche Positionen vertreten.

Glanz und Gloria: Es passiert nicht oft, dass die amerikanische Republik mit ihren eher nüchternen Ritualen einen fast schon monarchistisch anmutenden Prunk entfaltet, um Gäste mit Dreispitz, Querflöte und Uniformen aus der Zeit der Unabhängigkeitskriege zu begrüßen. Ein Staatsbesuch mit Fanfaren und Böllerschüssen ist eine seltene Angelegenheit, Emmanuel Macron der Erste überhaupt, für den Donald Trump alle Register des Protokolls zieht. Dazu passten gestern die Reden, die beide auf dem Rasen des Weißen Hauses hielten, nachdem das „Old Guard Fife and Drum Corps“ den „Yankee Doodle“ gespielt hatte. Trump zitierte seinen Helden, den Populisten Andrew Jackson, der fast zweihundert Jahre vor ihm im Oval Office regierte. Der hatte einen Franzosen, den Marquis de Lafayette, auf eine Stufe mit George Washington gestellt, mit dem Befehlshaber der amerikanischen Rebellenarmee, dem der blutjunge Offizier als Adjutant diente. In den Herzen der Amerikaner, hatte Jackson gesagt, rangiere die Erinnerung an diesen Mann gleich neben der an Washington. Macron revanchiert sich, indem er bedauernd anmerkt, dass seine Reise leider bedeutend kürzer ausfalle als die vielen Monate, die der Marquis einst in Amerika verbrachte. Große Töne, große Gesten, großer Bahnhof. Tags zuvor hatten die beiden Präsidenten im Garten der Präsidentenresidenz einen Baum gepflanzt, eine Eiche aus dem Wald von Belleau, wo 1918 über 9000 amerikanische Marineinfanteristen in einer Schlacht gegen die Deutschen ums Leben kamen. Während Macron von Trump als seinem „lieben Freund“ sprach, stellte der Gastgeber die Bande zum „ältesten Verbündeten“ seines Landes heraus. Man hat in jüngerer Vergangenheit auch schon ganz andere Signale vernommen, etwa als sich Frankreichs damaliger Präsident Jacques Chirac gegen den Einmarsch in Irak stellte und die Kongresskantine auf Capitol Hill ihre „French Fries“ (Pommes frites) in „Freedom Fries“ umbenannte. Nur ändert die schulterklopfend zur Schau gestellte Harmonie nichts daran, dass der Gast einen Balanceakt höchsten Schwierigkeitsgrads zu absolvieren hat. Einerseits will er seine Sonderrolle festigen und beweisen, dass er der Europäer Nummer eins der Ära Trump ist, ein transatlantischer Brückenbauer, wie es Angela Merkel für Barack Obama war. Andererseits versucht er den Nationalisten im Weißen Haus davon zu überzeugen, dass auch eine Supermacht besser fährt, wenn sie nicht rüttelt an dem Geflecht von Allianzen, das sie nach dem Zweiten Weltkrieg selbst geknüpft hat. Konkret heißt das, Trump das Risiko eines Alleingangs in Sachen Iran vor Augen zu führen. Die Konsequenzen eines Soloritts, der die Belastbarkeit des westlichen Bündnisses auf eine Weise testen würde, wie es seit dem Irakkrieg nicht mehr der Fall gewesen ist. Trump will die 2015 getroffene Vereinbarung aufkündigen, weil einige ihrer Bestimmungen schon nach zehn Jahren auslaufen, weil sie Teheran nicht an der Entwicklung ballistischer Raketen hindert und es in seinen regionalen Ambitionen nicht bremst. Britische, deutsche und französische Diplomaten verhandeln mit den Amerikanern über Zusatzprotokolle, die Iran wegen seiner Raketentests und seiner aggressiven Nahostpolitik mit neuen Sanktionen drohen. Trump muss alle vier Monate entscheiden, ob er die Aussetzung der US-Sanktionen verlängert, die nächste Frist endet am 12. Mai. Ob er sich von den Europäern noch umstimmen lässt, beurteilen die Auguren in Washington eher skeptisch. Mit Macron allein würde er sicher schnell zu einer Übereinkunft gelangen, schmeichelte er gestern nach ersten Gesprächen. Niemand wisse, wie er entscheiden werde, sagte er später auf einer Pressekonferenz, wie so oft in ähnlichen Fällen darum bemüht, die Spannung zu schüren, als handle es sich um die nächste Folge einer Reality-Show. Der Iran-Deal hätte nie geschlossen werden dürfen, denn er ruhe auf einem verfaulten Fundament. „Es ist ein schlechter Deal. Ein schlechtes Gebäude. Es stürzt ein.“ Sollten die Iraner den USA drohen, schob Trump hinterher, würden sie einen Preis zahlen, den bisher nur wenige Länder gezahlt hätten. In einer anderen Frage hatte Trump zuvor seine Uneinigkeit mit den Europäern auch bekräftigt. Mit Frankreich habe Amerika eine „großartige“ Handelsbeziehung mit ausgeglichener Bilanz, lobte der US-Präsident zunächst. Doch leider überlasse es Frankreich der EU, seine handelspolitischen Interessen zu vertreten. In dem Moment war er leicht erkennbar, der Versuch, Interessenkonflikte zwischen Paris und Berlin für sich auszunutzen. Vielleicht hat er in dem Moment schon an seine nächste Besucherin gedacht: Am Freitag wird er Angela Merkel im Oval Office empfangen.

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