Einkaufen RHEINPFALZ Plus Artikel Auch die Kunden müssen bei Bio mitspielen

Verschiedene Siegel versprechen den nachhaltigen Anbau von Bananen.
Verschiedene Siegel versprechen den nachhaltigen Anbau von Bananen.

Die Supermarktketten sind nachhaltiger geworden. Doch ein besseres Angebot allein genügt nicht, wie ein Beispiel bei Lidl zeigt.

Die großen Supermärkte in Deutschland unternehmen inzwischen viel in puncto Umwelt- und Klimaschutz – ihren Einfluss nutzen sie aber noch nicht in ausreichendem Maße. Das ist, kurz gefasst, die Einschätzung des Umweltbundesamtes. In einer Studie hat die Behörde die acht umsatzstärksten Unternehmen der Branche auf den Prüfstand gestellt: Aldi (Nord und Süd), Lidl, Edeka, Kaufland, Netto, Penny und Rewe. Auf die großen Acht entfallen zwei Drittel aller Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel.

Wenn sie also auf faire Löhne und umweltgerechte Anbaumethoden im Herkunftsland achten, auf energieeffiziente Herstellungsprozesse und eine artgerechte Tierhaltung, so kann das einiges bewirken. Zumal, so zeigen andere Untersuchungen, die Menschen in Deutschland Bioprodukte vermehrt im Supermarkt kaufen und nicht mehr so häufig in speziellen Bioläden. Wobei die Bioware im Supermarkt oft nicht vom Biobauer aus der Region stammt, sondern von großen Biobetrieben im Osten, und das muss nicht der deutsche Osten sein. Doch das ist eine andere Geschichte.

Manches gar nicht erst anbieten

Die aktuelle Studie des Umweltbundesamtes begnügte sich nicht damit, die Lieferketten unter die Lupe zu nehmen. Vielmehr schaute man sich auch die „Sensibilisierung der Kunden“ an. Sprich: Wie sind die Produkte platziert? Motiviert die Werbung zu nachhaltigen Kaufentscheidungen? Eine geeignete Maßnahme, so das Umweltbundesamt, könne dabei sein, pflanzliche Produkte stärker in den Vordergrund zu stellen als tierische – oder per Flugzeug gelieferte Ware erst gar nicht anzubieten (Flug-Mangos). Dieses Feld, so das Verdikt der behördlichen Umweltschützer, müssten Aldi & Co. dringend intensiver beackern.

Allerdings müssen auch die Kunden mitspielen. So erlitt Lidl Schiffbruch beim Versuch, nur noch Bananen mit Fairtrade-Zertifizierung zu verkaufen. Nach einem Jahr wurden in den Lidl-Läden auch wieder konventionelle gelbe Früchte ohne Zertifikat angeboten. Begründung: Die Kunden spielten nicht mit. In der „Lebensmittelzeitung“ war damals zu lesen: Für Lidls Fairtrade-Bananen waren zehn bis 20 Cent pro Kilogramm mehr zu zahlen als für die konventionellen Bananen beim Konkurrenten Aldi.

Jetzt droht eine Energiekrise, die Inflation frisst die Gehälter. Wie werden sich die Supermarktkunden nun verhalten? Nachhaltigkeit könnte zum Fremdwort werden.

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