Meinung
Öl ist Fluch und Segen
So kann’s nicht weiter gehen: Öl und Gas werden ausgebeutet und verheizt, um den Motor der Weltwirtschaft anzutreiben. Das ist schlecht für den Planeten Erde, und es schadet Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Denn die immensen Aufwendungen für Brennstoffe, inklusive für Benzin an unseren Tankstellen, landen ja in den Schatullen der Scheichs und anderer Autokraten dieser Welt. Russlands Präsident Wladimir Putin ist auch deshalb seit 20 Jahren an der Macht, weil sein Land über riesige Erträge aus der Energiewirtschaft verfügt.
Es hat seit den 70er-Jahren wiederholt Abgesänge auf die fossilen Brennstoffe gegeben. Sie erwiesen sich alle als verfrüht. In den USA verschaffte die Cracking-Technologie dem Energieträger Öl und Gas ein neues Leben. Preise purzelten, Amerika wurde sogar unabhängig vom Öl der Saudis. Im hohen Norden der Erdhalbkugel verschwinden derweil durch den Klimawandel Eisflächen – was zusätzliche Exploration zu ermöglichen scheint. Insofern haben Staaten wie Russland, die darauf setzen, dass es erstmal so weiter geht, durchaus Argumente.
Gesucht: Wirtschaftliche Alternativen
In Deutschland gibt es durchaus ein Umdenken. Klimapolitik und Sicherheitspolitik werden als die zwei Seiten derselben Medaille verstanden. Aber Deutschland braucht Alliierte in diesen Fragen, allein ist es zu klein. Und es ist nicht so einfach, die Gleichung „weniger Öl ist gleich mehr Demokratie“ aufzumachen. Ölstaaten können nicht von heute auf morgen umsteuern. Im Irak zum Beispiel (einer Demokratie!) speist sich der Staatsetat zu 90 Prozent aus dem schwarzen Gold. Eine zukunftsgewandte Außenpolitik in Berlin muss auch die Entwicklung wirtschaftlicher Alternativen für solche Staaten forcieren.