schönau
Katholische Kirche trennt sich von Bildungsstätte Heilsbach
Was für die einen dem Ende der Welt gleich kommt, ist für die anderen ein liebgewonnener, idyllischer Rückzugsort im Grünen. Die Heilsbach ist so ein Fleckchen Erde. Zur nächsten Straße sind es knapp zwei Kilometer, eine Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr oder das Bahnnetz ist nicht in Sicht. Am äußersten Zipfel der Südwestpfalz, unweit der französischen Grenze, beginnt 1953 die Geschichte der kirchlichen Bildungseinrichtung Heilsbach.
Anfangs noch in Zelten geschlafen
Johannes Urich, damals Kaplan in Zweibrücken, macht sich mit Jugendlichen aus der Rosenstadt und Pirmasens auf in das Areal zwischen Fischbach und Schönau. Damals schliefen die Jugendlichen noch in Zelten. Nach und nach folgten erste Bauwerke und vieles mehr. Heute verfügt die Bildungsstätte nicht nur über eine Hauskapelle und 57 Zimmer mit 140 Betten, sondern auch über ein Schwimmbad, eine Turnhalle, ein Kneippbecken und, und und. Was es nach wie vor nicht gibt: Handyempfang. Immerhin: Demnächst soll es WLAN auf dem Gelände geben.
Anfang des Jahres gab das Bistum bekannt, wie sehr es unter rückläufigen Kirchensteuereinnahmen leidet. In der Folge standen und stehen einige Einrichtungen zur Diskussion. Unter anderem die Heilsbach. In der Südwestpfalz war der Aufschrei groß. Aber nicht nur dort. Die Heilsbach hat sich längst pfalzweit und darüber hinaus einen Namen als kirchliches Bildungshaus gemacht. Während die Öffentlichkeit großteils mit Unverständnis auf die Pläne des Bistums reagierte, wurden im Hintergrund neue Perspektiven erarbeitet.
Grundgedanke der Heilsbach soll erhalten bleiben
Die sehen so aus: Zum 1. August zieht sich das Bistum aus der Heilsbach zurück. Bislang gehörte die Anlage mitsamt ihrem Kapital einer kirchlichen Stiftung. Stiftungsratsvorsitzender ist seit ein paar Jahren Erich Schlick. Der Otterstadter steht künftig einem Trägerverein vor, der auf sieben Mitglieder beschränkt ist. Dieser Verein wiederum ist der einzige Gesellschafter einer gemeinnützigen GmbH, über die die Geschäfte der Heilsbach künftig abgewickelt werden. Schlick betonte bei der Vorstellung der Pläne am Freitag, dass der Grundgedanke der Heilsbach weitestgehend erhalten bleiben soll. Aus finanzieller Sicht geben die Verantwortlichen eine schwarze Null als Ziel aus.
Zum Abschied gibt es eine Million Euro
Zuletzt subventionierte das Bistum die Heilsbach jährlich mit 200.000 Euro. Nun soll es noch eine Million aus der Bistumskasse geben – als Startkapital. Damit soll nicht zuletzt der Brandschutz auf Vordermann gebracht werden. Im Gegenzug müssen weder der Trägerverein noch die gGmbH dem Bistum, beziehungsweise der kirchlichen Stiftung Geld für die Heilsbach überweisen. Das Ganze ist steuer- sowie kirchen- und staatsrechtlich ein komplexer Vorgang. Schließlich steht hinter Stiftungen der Ewigkeitsgedanke. Allerdings war im Fall der Heilsbach zu befürchten, dass fehlende Erträge das Eigenkapital verbraucht hätten. Mit der Umwandlung der Stiftung in eine gGmbh sei es nun gelungen, das Vermögen der Gesellschaft zu erhalten, erklärt Steuerberater Christian Wolf (Bad Dürkheim), der Stellvertreter Schlicks an der Spitze des Trägervereins ist.
20.000 Übernachtungen jährlich angestrebt
Wegen Corona hatte die Heilsbach lange geschlossen. Im Jahr 2019 registrierten die Verantwortlichen dort 13.000 Übernachtungen. Für den Rest dieses Jahres sind viele Termine schon ausgebucht. Geschäftsführer Christian Federlein rechnet mit 7000 bis 8000 Übernachtungen für 2021. Er blickt optimistisch nach vorne und will in einigen Jahren die Marke von 20.000 Übernachtungen pro Jahr knacken.
Eine Zahl, an die der später zum Prälat ernannte und 2014 gestorbene Johannes Urich wohl nicht im Traum zu denken gewagt hätte, als er vor über 60 Jahren zum Zeltlager aufbrach.