Neuhofen
Viel Wasser und ein bisschen Wein: Unterwegs mit dem Landrat
Zwei Mal im Jahr begibt sich Clemens Körner (CDU), Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, auf Wanderschaft durch eine seine 25 Gemeinden. „Nach bislang 19 Wanderungen kenne ich alle“, sagt er lachend, und freut sich in weiteren vier Jahren Amtszeit auf noch acht Wanderungen mit Bürgern und Gästen.
Heute gehören hierzu erfahrene Wandersleute wie Helga und Klaus Keinath, die schon etliche Male mit dem Landrat unterwegs waren – „wir waren in Limburgerhof, Mutterstadt oder Harthausen dabei“, sagt Klaus Keinath, „weil man sich dabei Plätze ansieht, an denen man sonst achtlos vorbeifährt.“ Oder Gerhard Ahrens, welcher auf diesen Wanderungen Bekannte trifft, die er sonst das Jahr über nicht sieht. Dieses Jahr gibt es aber auch zahlreiche „Ersttäter“ wie Sascha Friedel. Der 43-Jährige ist Vorsitzender der Camping- und Wasserfreunde Otterstadt, lebt seit drei Jahren in Limburgerhof, und freut sich darauf, Kontakte zu knüpfen, auch auf Vereinsebene. Und weil die letztjährige Wanderung rund um Neuhofen pandemiebedingt abgesagt worden war, ist es an diesem Oktobertag für den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen Patrick Fassott (SPD) und Neuhofens Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) ebenfalls das erste Mal.
Auftakt mit Sekt
Rund 70 Wanderlustige hatten sich angemeldet, und trotz Regens sind annähernd so viele gekommen. „Bei schönem Wetter können es alle“, meint Körner gut gelaunt bei seiner Begrüßung, und bereits der Auftakt an der Waldpark-Festhalle im Unterwald sorgt dank der Bewirtung durch Stefanie Hopf und Ralf Marohn für gute Stimmung. Und schließlich hat man sich als ersten Anlaufpunkt mit dem Rehbach-Schöpfwerk ein nasses Thema vorgenommen: Hochwasserschutz für Neuhofen. Eigens für die Wandergruppe öffnet Jürgen Rieger, Mitarbeiter bei der Unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung, das Gebäude am Rheinhauptdeich.
Rieger erklärt: „Wir haben hier drei Pumpen, die, wenn der Rehbach Hochwasser hat, an der Schleuse das Wasser abpumpen und in den Rhein leiten. Jede Pumpe schafft zwei Kubikmeter Wasser in der Sekunde; sind alle drei in Betrieb, kommt das auf 6000 Liter pro Sekunde. Und weil dann der Rhein meist auch Hochwasser führt, schließen wir den Zufluss unter der Verbindungsstraße zwischen Rheingönheim und Altrip, damit nicht noch mehr Wasser in den Bach drückt.“ Dieses Jahr seien die Pumpen zwei Mal im Einsatz gewesen.
Neben der Ertüchtigung des Rheinhauptdeiches zwischen Altrip und Rheingönheim sowie der Deichrückverlegung an der Rehbachmündung ist das Schöpfwerk ein wichtiger Teil des Hochwasserschutzes. Während sie von oben weiterhin bewässert wird, gelangt die Wandergruppe erstaunlich trockenen Fußes zum Kistnerweiher. Denn dieser Weg ist bei den Neuhofenern gefürchtet, weil er beinahe ganzjährig eine einzige Schlammpfütze ist. Auf Initiative von Ralf Marohn ist er nun geschottert, „und ich habe zugesehen, dass er pünktlich zur Landratswanderung fertig ist“, sagt er lachend.
An der Schlicht
Zur nächsten Badesaison fertig sein soll Marohns Projekt an der Schlicht: Dann sollen der Parkplatz und der Weg zum Badestrand barrierefrei, und selbst der Zugang ins Wasser mit Rollstuhl und Rollator möglich sein. „Damit sind wir einzigartig in Rheinland-Pfalz“, sagt er stolz. Die Bagger stehen schon da.
Unterwegs streift die Wandergruppe zwei ungewöhnliche Friedhöfe: Den Waldfriedhof in Neuhofen, der seit etwa zehn Jahren besteht und längst nicht allen Mitwanderern bekannt ist. Nach Überquerung der Straße nach Waldsee trifft die Gruppe auf den wesentlich älteren Judenfriedhof. Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet, sind dort noch sechs Grabsteine gut erhalten. Nächstes Ziel ist das „Woogheisel“, das Naturfreundehaus, welches auf ein über 100-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Dort sorgen Hüttenwirt Walter Muntz und sein Team dafür, dass niemand hungrig und durstig bleibt. Sascha Friedel schaut auf seinen Schrittzähler: 15.000 Schritte geschafft! Doch die Wanderung ist noch nicht zu Ende.
Über den Bachstadenweg geht es nach Neuhofen auf den Rehbachwanderweg – das ehemalige Flussbett des Rehbachs. Die Gruppe wandelt also weiterhin auf des Wassers Spuren, obwohl der Regen glücklicherweise längst aufgehört hat. Letzter Anlaufpunkt ist, einen Tag vor dem Reformationstag, die protestantische Kirche. Auf seiner berühmten „Schorleführung“ zeigt Pfarrer Ralph Gölzer, dass sich auch ein 300 Jahre altes Bauwerk energetisch sanieren lässt und sorgt ganz nebenbei noch einmal bei den Wanderwilligen für eine Befeuchtung von innen.