Land und Leute RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wochenendkolumne: Von Dieben und Geistesblitzen

Neulich auf dem Schulhof ...
Neulich auf dem Schulhof ...

Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche beschäftigt hat. Kurioses, Abseitiges – und nicht ganz ernst Gemeintes aus den Dörfern.

Ortsschilder: Gesammelt

Erinnert sich noch jemand an Pokémon-Sammelkarten und Diddl-Blätter? Die waren vor einiger Zeit fester Bestandteil der Sammel- und Tauschbörse auf dem Schulhof. Und denkt man lange genug über die Tatsache nach, dass in dieser Woche schon zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Ortseingangsschild im Rhein-Pfalz-Kreis verschwunden ist, kommt man zu der Vermutung, dass es irgendwo da draußen Menschen gibt, die Ortsschilder sammeln und untereinander tauschen. Womöglich gibt es Schilder, die besonders gefragt sind, wie seinerzeit glitzernde Pokémon-Karten oder Diddl-Blätter mit Schokoduft. Wenn man bedenkt, dass die Strolche, die im Februar vier Fußgönheimer Ortsschilder abgeschraubt haben, offenbar durch einen Scherz von Fußliebhabern in Sozialen Netzwerken auf diese Idee gekommen sind, dürfte es dafür eine gewisse Nachfrage geben, vermutlich ebenso wie für die Schilder aus Oberhäslich, Hodenhagen oder Rammelsbach. Warum sich das Hochdorf-Assenheimer Ortsschild in so eine Sammlung einreiht, ist für uns nicht so ganz nachvollziehbar. Es bleibt aber trotzdem die Frage: Wie viele Hochdorf-Assenheimer Ortsschilder ist ein Schild aus Fußgönheim wert?

Kupferkessel: Gestohlen

Waren Sie auch so gespannt wie wir, was es in dieser Woche in die Rubrik der Diebstähle schafft, bei denen wir hinterher einfach nur sagen: Hä? Es war diesmal wieder eine wirklich einfache Wahl. Wieder war der Tatort Schifferstadt. Wo sonst, ist man geneigt zu fragen. Diesmal im Visier der Gauner: ein Kupferkessel und ein Bügeleisen. Vernachlässigen wir mal das Bügeleisen. Es ist der Kupferkessel, der uns stutzig, aber auch zugleich neugierig macht. Denn beim aufmerksamen Asterix-Leser werden da Erinnerungen wach. Denn der wackere Gallier ist mit seinem Freund Obelix und Hund Idefix auch mal mit einem Kupferkessel durch das Land gezogen, um dem Kessel wieder seinen Inhalt zu beschaffen. Das Gefäß war zuvor nämlich gefüllt mit Sesterzen, die auch noch nach Zwiebelsuppe rochen. Nun ist aus den Schilderungen der Polizei leider nicht zu erfahren, ob Münzen oder Suppe in dem Kessel waren. Allerdings würde das wenigstens erklären, warum der Kessel so begehrt war beim Dieb. Entweder war er pleite oder hungrig. Na ja, vielleicht kann er wenigstens das Bügeleisen zu Geld machen. Wir in der Redaktion harren derweil artig aus, was als nächstes in der Rettichmetropole ungeplant und unerlaubt den Eigentümer wechselt.

Tempo 30: Diskutiert

Wer hat’s erfunden? Jedenfalls nicht die FDP in Neuhofen. Darauf legte Fraktionssprecherin Gisela Kluger in der Sitzung des Ortsgemeinderates Neuhofen nachdrücklich Wert. Es ging um den „gemeinsamen Antrag der Fraktionen“, der eben nicht im Sinne der FDP war: Die Ortsgemeinde Neuhofen solle bitteschön der Initiative „Lebenswerte Städte und Gemeinden“ beitreten. Das sei eine Interessensgemeinschaft von Kommunen, die sich dafür einsetzt, dass jeder Ort selbst bestimmen darf, wo er Tempo 30 auf seinen Straßen ausschildert. Ideengeberin für den Antrag im Rat Neuhofen war ursprünglich das fraktionslose Ratsmitglied Annette Winter. Ihre detaillierte Ausführung, warum Tempo 30 erstrebenswert ist, wurde allerdings von Wolfgang Kraus (SPD) im Keim erstickt. Die Gemeinde Neuhofen habe schon vor Jahren auf 80 bis 90 Prozent der Straßen im Ort Tempo 30 angeordnet, machte der klar. Jetzt gehe es nur noch um Ludwigstraße, Rottstraße und Jahnstraße. „Mir stellen sich die Nackenhaare, wenn aus so einer Aktivität eine Weltverbesserungsgeschichte gemacht wird“, sagte Kraus. Außerdem bedeute das nicht, dass automatisch auf den verbliebenen Straßen Tempo 30 angeordnet wird, man wolle nur selbst entscheiden dürfen, bekam Kraus Schützenhilfe von seinem Fraktionskollegen Artur Nasel. Letztlich stimmten fast Ratsmitglieder aus diesem Grund dem Beitritt bei, auch die FDP, die den Antrag nicht gestellt hat, aber dann doch ganz in Ordnung fand. Nur Irene Gürich von der CDU-Fraktion, die den Antrag mit gestellt hat, war am Ende dann doch dagegen: Ihr kam das Ganze komisch vor, da sei nichts Greifbares dran. „Warum sollten wir das machen? Irgendwas ist da faul“, argwöhnte sie.

Dunkelheit: Recherchiert

Als Journalist ist man ständig auf der Suche nach Geschichten. Geschichten, die über Neues informieren, die das Herz berühren oder solche, die die Leser aufregen, und über die die Zeitung unbedingt mal was schreiben sollte. So zum Beispiel über den unerklärlichen Umstand, warum die Gemeinde Mutterstadt plötzlich am Samstagabend das Licht der Straßenlaternen ausgeknipst hat, wie uns ein freundlicher Leser schrieb. Bitte? Was? Das ist ja wirklich komisch. Ob das eine Stromspar-Aktion wegen der gestiegenen Energiepreise sei, fragte der Leser und bat um Aufklärung. Die journalistische Freude war groß, hier Licht ins Dunkel zu bringen, denn in Rödersheim-Gronau soll dieses seltsame Phänomen auch passiert sein. Erste Recherche-Adressen: die Bürgermeister. Verbandsbürgermeister Stefan Veth (CDU) antwortete in Lichtgeschwindigkeit. Ein Wort genügte und wie ein Blitz fuhr es durch die Erinnerungssynapsen – die vor lauter Ukrainekrieg und Energiekrise und Aufreger-Geschichten kurz ohne Strom waren. Ja, klar, Earth Hour! Das Licht, das uns in dem Moment aufging, war gleißend hell. Peinlich, peinlich!

Ein schönes Wochenende wünscht die Landkreisredaktion

x