Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Ab ins Becken: Was die Kreisbäder können

Frisch saniert ist der Rutschenturm im Mutterstadter Aquabella, von dort geht es über eine 74 Meter lange Rutsche ins kühle Nass
Frisch saniert ist der Rutschenturm im Mutterstadter Aquabella, von dort geht es über eine 74 Meter lange Rutsche ins kühle Nass.

Endlich ohne Einschränkungen ins Freibad – und zum Start der Saison gab’s schon die ersten warmen Wochenenden. Weitere können kommen, denn der Kreisbürger hat Auswahl.

Nicht ohne Stolz erwähnen der Kreisbeigeordnete Manfred Gräf (CDU) und der für die Bäder zuständige Abteilungsleiter, Heribert Werner, die Tatsache, dass es deutschlandweit keinen weiteren Landkreis gebe, der vier Bäder sein Eigen nennt. Im Spitzenjahr 2018 besuchten 328.000 Gäste die kommunalen Einrichtungen. Die Gäste kommen laut Verwaltung nicht nur aus dem Kreis, sondern reisen aus Grünstadt, der Südpfalz und dem Dürkheimer Landkreis an. Drei der Kreisbäder sind sogenannte Kombi-Bäder – oder wie die für die Bäder zuständige Fachbereichsleitern bei der Kreisverwaltung, Simone Riedel, sie nennt: ganzjährige Allwetter-Bäder. Das sind das Aquabella in Mutterstadt, das Schifferstadter Bad und das Heidespaß-Bad Maxdorf-Lambsheim.

Alle vier Kreisbäder wurden in den 1970er-Jahren gebaut und schon mindestens einmal in ihrem „Leben“ generalsaniert, zuletzt 2019 das Römerberger Bad, das ein reines Hallenbad mit Sauna-Bereich ist, sagt Simone Riedel. Und: Alle vier Kreisbäder sind innen mit modernen Sportbecken samt Startblöcken, mit Lehrbecken für Nichtschwimmer und Kleinkindbecken ausgestattet. Ideale Bedingungen für Schulen, Vereine und Angebote der Volkshochschule. Auch das sei deutschlandweit in der Dichte nicht selbstverständlich, meint Manfred Gräf.

Während innen Schwimmen gelernt, ernsthaft gesportelt und sich bei Wettkämpfen gemessen wird, sind die Außenbereiche vorwiegend für das Freizeitvergnügen der ganzen Familie vorgesehen – so der konzeptionelle Gedanke. Und das werde in der Freibad-Saison auch dankend angenommen. Sobald im Mai die Sonne kräftig genug scheint, wird der Außenbereich freigegeben. „Für die Freibad-Saisondauer gibt es keine festen Termine, stimmt das Wetter, kann auch noch bis Ende September das Freibad genutzt werden“, sagt die Fachbereichsleiterin. In der noch ganz jungen Frischluft-Saison 2022 sei es bereits an den heißen Wochenenden sehr voll gewesen, etwa im Mutterstadter Aquabella. „Die Leute sind froh, endlich wieder wie früher ohne Einschränkungen das Freibad genießen zu können“, sagt sie.

Das große Aquabella

Mutterstadt ist auch das größte Kreisbad mit einer 2500 Quadratmeter großen Liegewiese mit vielen schattenspendenden Bäumen, Spielgeräten, einem Ganzjahresaußenbecken (vier mal zehn Meter und im Winter temperiert) und einem großen Erlebnisbecken für den Sommer von 18 mal 25 Metern Ausmaß. Wasserspeier, Bodensprudler, Sprudelliegen und Massagedüsen sollen Groß und Klein bespaßen. Vom Ein- und Drei-Meter-Sprungturm geht es schnell ins kühle Nass, noch mehr Spaß dürfte es aber über die 74 Meter lange Riesenrutsche machen. Der Rutschenturm war in die Jahre gekommen und wurde kürzlich erst frisch saniert wieder in Betrieb genommen. Das Mutterstadter Bad ist aufgrund seiner Größe auch das besucherstärkste von den Kreisbädern. Vor Corona nutzen zwischen 125.000 bis 131.000 Gäste pro Jahr die Einrichtung.

Die letzte Rundumerneuerung des Aquabella war vor zehn Jahren, so fallen nun hier und da punktuelle Renovierungsarbeiten an. Die haben unter anderem die Mitarbeiter selbst erledigt, lobt Manfred Gräf: „In den Schließzeiten während der Corona-Pandemie wurden die Mitarbeiter nicht freigestellt.“ Einige waren an der Corona-Hotline eingesetzt, die anderen haben ihre Bäder in Schuss gehalten. „In Mutterstadt wurde zum Beispiel der Saunagarten neugestaltet und in Maxdorf eine Beregnungsanlage installiert“, sagt Simone Riedel.

Im Schifferstadter Freibad führt die etwa 35 Meter lange Rutsche direkt ins Außenbecken.
Im Schifferstadter Freibad führt die etwa 35 Meter lange Rutsche direkt ins Außenbecken.

Der nächste Posten auf der Renovierungsliste sind die Saunen, sowohl in Mutterstadt als auch in Schifferstadt, dem kleinsten Freibad in der Dreierrunde. Die Liegewiese in Schifferstadt ist etwas kleiner und die Rutsche mit 35 Metern etwas kürzer, dafür gibt es hier einen Kinder-Matschspielplatz sowie Kleinkinderbecken draußen und ebenfalls einen Ein- und Drei-Meter-Sprungturm. Zuletzt wurde das Schifferstadter Bad 2005 runderneuert.

Mitarbeiter dringend gesucht

Wer viel planscht und schwimmt, bekommt Hunger: Eis, Heiß- und Kaltgetränke, aber auch warmes Essen – all das bieten die Pächter des Gastrobereichs in Schifferstadt und Mutterstadt. Im Heidespaß-Bad Maxdorf-Lambsheim ist seit der Corona-Pandemie das Bistro nicht verpachtet. „Aber es gibt Getränke- und Snack-Automaten und es wird auch noch ein Eis-Automat aufgestellt“, sagt Simone Riedel. Dennoch wäre die Kreisverwaltung ganz froh, wenn sich ein Pächter für das Bistro im Heidespaß finden würde, das 2013 erst komplett saniert wurde. Dem Badespaß tue das aber keinen Abbruch, auch hier gibt es etliche Wasserattraktionen außen wie innen, etwa ein Kleinkinderbecken mit Rutsche für die Kleinsten. Und im Außenbecken können Frischluft-Fans auch im Winter schwimmen, ohne zu bibbern, denn das Wasser hat dann angenehme 33 Grad.

In allen Bädern steht also dem Badespaß nichts mehr im Weg, nicht einmal Corona-Beschränkungen. Karten können wieder ganz bequem am Kassenautomat vor den Eingängen gekauft werden. Einzig der Fachkräftemangel macht der Verwaltung sorgen, der schon vor Corona deutlich spürbar war. 52 Angestellte kümmern sich um die vier Bäder, davon 25 Fachangestellte für Bäderbetriebe, 26 Mitarbeitende und ein Hausmeister. „Zurzeit sind zwei Badewärterinnen-Stellen und drei Fachangestellten-Stellen unbesetzt, wir suchen also dringend Personal und auch Auszubildende“, sagt die Fachbereichsleiterin. Gründe könnten der Schichtdienst und der nicht ganz so üppige Verdienst sein, vermutet sie. Eine Fachangestellte zum Beispiel wird nach dem öffentlichen Tarif bezahlt und verdient im ersten Berufsjahr etwa 2600 Euro brutto. Problematisch wird die dünne Personaldecke etwa bei Krankheitsausfällen in der Freibad-Saison. „Dann kann es auch schon sein, dass wir aus Sicherheitsgründen die Öffnungszeiten reduzieren müssen“, sagt Simone Riedel. Um das zu vermeiden, sucht die Verwaltung auch Aushilfsjobs auf 450-Euro-Basis für Rettungsschwimmer und für Arbeiten im Bäderbetrieb.

Rückenmassage am Wasserspeier in Mutterstadt.
Rückenmassage am Wasserspeier in Mutterstadt.

Der ganze Badespaß kostet den Kreis und den umliegenden Gemeinden auch was, denn die vier Bäder sind Zuschussbetriebe. Alle schreiben laut Simone Riedel in etwa gleich viel Verlust: 2019 zum Beispiel seien es insgesamt 3,5 Millionen Euro gewesen, 2020 dann 3,8 Millionen. „Im Jahr 2021 reduzierte sich der Verlust auf 2,5 Millionen, da waren die Bäder geschlossen oder nur eine begrenzte Anzahl an Gästen durften rein“, sagt Simone Riedel.

x