Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Rund 500 Friedensaktivisten beteiligen sich an „Totentanz“-Demo vor der Air Base

Schwarz gekleidet, oder als Skelett oder Zombie geschminkt: So mahnten die Friedensaktivisten am Samstag vor der Air Base in Ram
Schwarz gekleidet, oder als Skelett oder Zombie geschminkt: So mahnten die Friedensaktivisten am Samstag vor der Air Base in Ramstein vor den Folgen von Krieg.

„Der Drohnenkrieg ist die schlimmste Form des weltweiten Terrors. Die Ramstein Air Base spielt dabei eine entscheidende Rolle, deshalb müssen wir gegen sie sein“, sagte Eugen Drewermann am Samstag vor dem Westgate des Militärflugplatzes.

Der Theologe, Schriftsteller und bekennende Pazifist, der vor wenigen Tagen seinen 82. Geburtstag feierte, war Hauptredner der Kundgebung, zu der die Initiative „Stopp Air Base Ramstein“ zum Abschluss und als Höhepunkt eines einwöchigen Friedenscamps, das in der zurückliegenden Woche auf einem Feld bei Steinwenden stattfand, aufgerufen hatte.

Drewermann hielt vor rund 500 Friedensaktivisten – so die Schätzungen der Polizei und des Veranstalters – ein gut halbstündiges Plädoyer für Frieden und für Völkerverständigung und insbesondere gegen den Krieg mit der Drohne, den die Vereinigten Staaten unter anderem gegen mutmaßliche Terroristen im mittleren Osten von der Ramstein Air Base aus koordinieren. „Der Krieg mit der Drohne digitalisiert die Vernichtung menschlichen Lebens und verharmlost einen tausendfachen Mord, der von einem US-Stützpunkt mitten in unserem Land aus ferngesteuert wird“, sagte Drewermann und kritisierte die amtierende Bundesregierung und ihre Vorgänger wegen der Duldung, dass so etwas von deutschem Boden ausgehen könne.

Rapper Kilez More in der Rolle des Todes

„Tanz der Toten vor der Air Base – eine Hommage an die Kriegsbefürworter und -profiteure“ lautete das Motto der Kundgebung am Samstag vor dem West Gate der Airbase. Dementsprechend hatten sich viele der Friedensaktivisten trotz strahlenden Sonnenscheins und hochsommerlicher Temperaturen schwarz gekleidet, oder waren als Skelett oder Zombie geschminkt gekommen und hatten die bunten Friedensfahren – meist – gegen Plakate mit Sprüchen wie „Ramstein make Wars great again“ oder „wenn Kriege mit einer Lüge beginnen, dann beginnt der Frieden mit der Wahrheit“ eingetauscht.

Zum Beginn der Kundgebung vor der Air Base, die von zahlreichen Sicherheitskräften der Deutschen Polizei und von zur Air Base gehörenden Wachpersonal verfolgt wurde, führten Aktivisten der Initiative „Stopp Air Base Ramstein“ ein „makaberes Schauspiel“ auf, durch das der Tod – alias Kilez More, ein Rapper und Friedensaktivist aus Österreich – höchstselbst führte, und bei dem unter anderem Barack Obama, Wladimir Putin, Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Marie-Agnes Strack-Zimmermann ihre Sicht auf die aktuelle Weltpolitik – freilich ironisch verzerrt und pointiert zugespitzt – darlegten. Musikalisch umrahmt wurde die Kundgebung von der Sängerin „Morgaine“.

Veranstalter: „Motto ist gut angekommen“

Zufrieden mit dem Verlauf der Demo zeigte sich nach der Veranstaltung Pascal Luig vom Aktionsbüro „Stopp Air Base Ramstein“. Insbesondere die Tatsache, dass sehr viele Friedensaktivisten dem düsteren Motto gefolgt seien, habe gezeigt, dass die Idee gut angekommen sei. „Wir initiieren das Friedenscamp mit der Demo seit 2015 und wollten in diesem Jahr mit dem düsteren Motto ganz explizit auf das schreckliche und menschenverachtende Geschäft mit dem Krieg hinweisen“, sagte Luig. Zwar hätten sich an der Demo vor der Air Base in der Vergangenheit auch schon mal mehr Menschen beteiligt, dafür jedoch sei man beim Friedenscamp, das seit dem vergangenen Sonntag bei Steinwenden stattfand und am gestrigen Sonntag endete, an die Kapazitätsgrenzen gestoßen.

„Zwischenzeitlich waren es mehr Leute, die am Camp teilgenommen haben, als heute bei der Demo“, sagte der Historiker und Politikwissenschaftler, der 2015 die Kampagne „Stopp Air Base Ranstein“ mit initiiert hat.

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