Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Baugebiet, Gesundheitszentrum, Kunstrasenplatz: Was 2023 für die Stadt bringen soll

Spielen nach dem erfolgreichen Auftritt im Vorjahr am 5. August erneut auf der Schlosspark-Bühne: die Anonyme Giddarischde.
Spielen nach dem erfolgreichen Auftritt im Vorjahr am 5. August erneut auf der Schlosspark-Bühne: die Anonyme Giddarischde.

Ob das geplante Gesundheitszentrum, die Fortsetzung der Stadtsanierung oder der Bau des Kunstrasenplatzes: Bei zahlreichen Projekten benötige die Stadt Rockenhausen einen langen Atem, betont Bürgermeister Michael Vettermann. Er und die drei Beigeordneten verdeutlichen im Gespräch mit Rainer Knoll, in welchen Bereichen es 2023 voran gehen soll.

Das unangenehmste Thema gleich zuerst: Schlosshotel. Seit Monaten versucht die Stadt den insolventen Betreiber herauszuklagen – bislang vergeblich. Kürzlich wurde sogar die Verhandlung am Landgericht mit Verweis auf die Zivilprozessordnung bis zum Ende des Insolvenzverfahrens ausgesetzt. Akzeptieren Sie das?
Stadtbürgermeister Michael Vettermann: Selbstverständlich können wir das so nicht hinnehmen. Wir haben höchstes Interesse, so schnell wie möglich wieder Handlungshoheit über das Haus zu erlangen und sind ständig mit unserem Anwalt in Kontakt, um eine Veränderung der Situation herbeizuführen. Mehr kann ich derzeit aber öffentlich nicht sagen.

Sagen können Sie vielleicht, wie die Chancen sind, dass Privatleute noch 2023 am Neuberg bauen können?
Erster Beigeordneter Werner Dietz: Das ist unser Ziel – allerdings haben wir nur begrenzt Einfluss darauf, ob der Zeitplan eingehalten wird. Nächste Woche beginnt die Offenlage des Planentwurfs. Werden dabei keine Einsprüche erhoben, geht es schneller. Die Frage ist auch, wie die ausführenden Firmen dann für die Erschließung verfügbar sind.

Stichwort Stadtsanierung: Bei der Vorstellung der Planung betonten Sie, wie wichtig die Beteiligung der Hauseigentümer sei. Wie ist das Interesse?
Vettermann: An einer Umfrage zur Stadtsanierung haben sich mehr als 100 Bürger beteiligt. Das zeigt ja, dass ein grundsätzliches Interesse vorhanden ist. Konkrete Maßnahmen müssen dann natürlich in Einzelgesprächen erörtert werden.

Dietz: Dafür ist es aber noch etwas zu früh. Wir werden da Quartier für Quartier auf die Leute zukommen.

„Leuchtturmcharakter“ soll der Platz im Mühlweg haben. Wann geht’s los?
Vettermann: Wenn möglich in diesem Jahr. Wir sind dabei, eine Planung für die Gestaltung des Platzes zu erstellen und den Abriss des Gebäudes vorzubereiten. Zügig angehen wollen wir zudem im Rahmen der Stadtsanierung die Anhebung der Kaiserslauterer Straße an der Ecke Bahnhofstraße. Dadurch soll der Zebrastreifen mit dem sehr hohen Bordstein barrierefrei werden.

Für den Bau eines Gesundheitszentrums – betrieben von Westpfalz-Klinikum und Zero Praxen – wird gerade der Bebauungsplan erstellt. Wie weit sind die Vorbereitungen insgesamt?
Vettermann: Es wird auf verschiedenen Ebenen permanent daran gearbeitet. Wir haben zwei Betreiber, wir haben einen Bauträger und wir haben auch Ärzte, die dort hineingehen wollen. Es fehlen nur noch wenige Schritte, bis gebaut werden kann – auch hier vorbehaltlich möglicher Einwände während der Offenlage. Und ich hoffe, dass wir bald an dem Punkt sind, an dem Verträge unterzeichnet werden. Dann können auch Details bekanntgegeben werden.

Seit 2019 läuft die Erstellung einer Friedhofskonzeption. Was ist Stand?
Dietz: Es waren weitere Bodengutachten erforderlich, weil wir teils Probleme mit dem Untergrund hatten. Dieser ist nicht überall für Erdbestattungen geeignet. Jetzt ist die Erhebung abgeschlossen und die eigentliche Konzeption beginnt.

Vettermann: Nun gilt es zu überlegen, was künftig wo auf dem Friedhof gemacht wird. Dabei liegen wir im Trend, dass alternative Bestattungsformen wie Wiesen- oder Urnengräber immer gefragter sind.

Weiterer Beigeordneter Sascha Schläfer: Davon unabhängig konnten wir den Engpass bei Doppelgräbern durch das Abräumen kompletter Grabreihen beheben. Das ist deshalb von Vorteil, weil ja bei Doppelgräbern die Ruhezeiten sehr uneinheitlich sind. Daher sollen diese Gräber künftig in einem Bereich konzentriert werden – was wiederum eine genauere Planung auf dem restlichen Friedhof ermöglicht.

Startet der Bau des Kunstrasenplatzes in der Obermühle im Frühjahr?
Dietz: Wir hoffen es, aber über allen Projekten schwebt derzeit nun mal das Damoklesschwert der Preisentwicklung. Vor der anstehenden Ausschreibung haben wir eine aktuelle Kostenschätzung erstellen lassen – diese liegt deutlich über der alten Kalkulation. Der Zeitplan steht, aber wir müssen schauen, wie wir aus diesem Dilemma herauskommen.

Vettermann: Zumal wir ohnehin die Auflage haben, jedes Jahr 3,5 Prozent unserer freiwilligen Leistungen abzubauen und ich mir von der geplanten Reform des kommunalen Finanzausgleichs keine Besserung für uns erhoffe – im Gegenteil.

Werden neben der Wiesenstraße dieses Jahr weitere Straßen ausgebaut?
Dietz: Zumindest werden die Planungen für die Hügelstraße und „Im Bangert“ in Dörnbach sowie den Mühlackerweg vorangetrieben. Ob es schon zur Ausführung kommt, hängt von mehreren Faktoren ab.

Vettermann: Wie überall werden in der Wiesenstraße gleich Leerrohre für schnelles Internet mitverlegt. Apropos: Ein Funkmast am Reinhardsberg wird auf 5G hochgerüstet, zwei weitere werden Richtung Hintersteinerhof sowie zwischen Marienthal und Bastenhaus neu errichtet. Damit wird unsere Mobil- und Internetversorgung wieder etwas besser.

Am Herbstfest 2022 haben erstmals der Karnevalverein Rohau, der FVR und der BBC Fastbreakers gemeinsam die Bewirtung im Festzelt übernommen. Wie fällt die Bilanz aus?
Vettermann: Bis auf ein paar „Kinderkrankheiten“ waren wir sehr zufrieden. Die Gäste wissen zu schätzen, dass das die Stadt und einheimische Vereine in eigener Regie machen. Alle Beteiligten haben zugesagt, dass sie 2023 wieder dabei sind.

Welche Veranstaltungen gibt’s noch?
Vettermann: Wir sind mitten in den Planungen für die „Sommerzeit“. Am 5. August gastieren erneut die Anonyme Giddarischde im Schlosspark. Die Gesangvereinskapelle spielt am 16. Juli, die Carillon-Konzerte am Museum für Zeit werden ebenfalls fortgesetzt. Das Open-Air-Kino findet in Kooperation mit dem Enkenbacher Provinzkino statt. Sehr fleißig ist wieder „Team 4“: Gartenzeit, Kunsthandwerkermarkt und ROKino gehen ebenfalls weiter. Über zwei Dinge freue ich mich besonders: die Wiedereröffnung des Heimatmuseums nach sechsjähriger Sanierung und dass wir unsere Städtepartnerschaften nach der Corona-Zwangspause wieder pflegen können. Über Pfingsten fährt die Gesangvereinskappelle nach Rognac, im Mai wird eine Kunstausstellung von hier nach Krk gebracht. Seitens der Stadt sind wir jeweils mit einer kleiner Delegation dabei.

Michael Vettermann
Michael Vettermann
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