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Dienstag, 05. Juni 2018 Drucken

Südwest

Kazungu-Haß wirft Bahn-Mitarbeiter Rassismus vor

Giorgina Kazungu-Haß

Giorgina Kazungu-Haß

Zugbegleiter soll Haßlocher SPD-Landtagsabgeordnete mit kenianisch-deutschen Wurzeln geduzt und sie der ersten Klasse verwiesen haben

Weil ein Zugbegleiter sie rassistisch behandelt habe, beschwerte sich die SPD-Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß gestern bei der Bahn. Zuvor hatte die 40-jährige Tochter eines Kenianers und einer Deutschen den Vorfall über Twitter verbreitet. Die Bahn prüft den Vorfall.

 

 

 

Mit 69 „gefällt mir“ Angaben und 19 Retweets waren die Reaktionen auf Twitter bis gestern Nachmittag überschaubar. Es gab Solidaritätsbekundungen, aber auch Diskussionen, ob es sich dabei um Rassismus handele oder nicht. Ein Kommentator gab an, das passiere auch Personen, die mit Kindern in der ersten Klasse säßen.

Auf Anfrage der RHEINPFALZ schilderte Kazungu-Haß den Vorfall. Demnach sei sie am Sonntag zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern vom Rheinland-Pfalz-Tag in Worms mit dem Regionalzug nach Schifferstadt gefahren. Nach dem Festumzug und wegen der Hitze hätte ihr Mann den Ticketzuschlag für die erste Klasse gelöst. Als Abgeordnete hat Kazungu-Haß selbst eine Netzkarte für die erste Klasse. Die Familie habe alleine in dem Wagen gesessen. Sie sieht einen Zusammenhang mit ihrer dunklen Hautfarbe. Von ihrem Mann sagt sie, auch er habe einen dunklen Teint, obwohl er Pfälzer sei. Ihr Mann habe die Tickets vorgezeigt, aber der Zugbegleiter habe sie erst nach einiger Diskussion akzeptiert. Sie selbst habe ihm dann ihre Netzkarte in Verbindung mit ihrem Abgeordnetenausweis gezeigt.

Kazungu-Haß: Verhalten hat zugenommen

Nachdem der Mann seinen Irrtum bemerkt habe, habe er gleich umgeschaltet und gesagt, dass er täglich schlechte Erfahrungen mache, sagte Kazungu-Haß. „Er hat sich sicher nicht aktiv entschieden, schlecht zu sein, aber ihm muss klar sein, dass es rassistisch ist, wenn er sich so äußert.“ Der Zugbegleiter hätte einfach nach dem Ticket fragen sollen, bevor er sie zum Verlassen der ersten Klasse aufgefordert habe. Nach ihrer Erfahrung hat solches Verhalten, das sie als Alltagsrassismus bezeichnet, in den vergangenen Jahren zugenommen.

Ein Sprecher der Bahn sagte gestern: „Solche Vorwürfe nehmen wir sehr ernst, so etwas darf nicht passieren.“ Zu dem konkreten Fall allerdings äußerte er sich zunächst nicht. Er verwies auf die Schutzfunktion der Bahn gegenüber Mitarbeitern. Deshalb müsse zunächst mit dem Betroffenen gesprochen werden, bevor sich das Unternehmen öffentlich äußere. Das sei gestern nicht möglich gewesen.

Kazungu-Haß gehört dem Landtag seit zwei Jahren an. Dort bearbeitet sie die Themen Bildung und Kultur. Zuvor war sie Konrektorin an der Integrierten Gesamtschule Frankenthal. |kad

Pfalz-Ticker