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Mittwoch, 02. Oktober 2019 Drucken

TV & Kino

»SKIN« mit JAMIE BELL: Quälende Läuterung

Zweifelnder Neonazi, der sich nach Erlösung sehnt: Bryon Widner (Jamie Bell) sucht einen Ausweg aus der Szene.

Zweifelnder Neonazi, der sich nach Erlösung sehnt: Bryon Widner (Jamie Bell) sucht einen Ausweg aus der Szene. ( | Foto: 24 Bilder/freiDOPPELTERZEILENUMBRUCH)

Der Grund für die Kehrtwende: Bryon will mit Julie (Danielle MacDonald) und ihren Kindern ein neues Leben beginnen.

Der Grund für die Kehrtwende: Bryon will mit Julie (Danielle MacDonald) und ihren Kindern ein neues Leben beginnen. ( | Foto: 24 Bilder/freiDOPPELTERZEILENUMBRUCH)

Diese Geschichte geht wahrlich unter die Haut. Ein gewalttätiger, hasserfüllter Neonazi erleidet Höllenqualen als er aus der rechtsextremen Szene aussteigen will. Mit körperlichen Schmerzen (beim Entfernen von Tätowierungen per Laser) öffnet das laut Kritik packende Drama „Skin“, doch die seelischen Qualen, die der reale Szene-Aussteiger Bryon Widner (Jamie Bell) – und mit ihm das Publikum im Kino – erleiden muss, wiegen noch sehr viel schwerer.

Ein Pfeil quer übers Auge, der Schriftzug „Vilanders SC“ des gleichnamigen Skinhead-Clubs, Waffen und das Label des rechtsextremen Netzwerks „Blood & Honour“ zieren Beine, Hände, Arme und sogar das Gesicht von Bryon Widner. Nicht nur äußerlich, auch innerlich ist der junge Mann vom Hass auf alles Fremde geprägt. Dieser gipfelt immer wieder in Gewalttaten gegenüber Schwarzen, Immigranten, Homosexuellen. Erst als Widner bei einem Musikfestival die dreifache Mutter Julie (Danielle MacDonald, „Bird Box“) kennenlernt, beginnt er, sein Handeln und seine Gesinnung zu hinterfragen. Doch der Bruch mit der radikalen Szene ist alles andere als leicht, zumal sich Widner damit auch gegen seine die Gruppe anführenden Zieheltern (Vera Farmiga, Bill Camp) stellen muss. Unterstützung findet der Neonazi ausgerechnet bei dem afroamerikanischen Menschenrechtsaktivisten Daryle (Mike Colter) ...

Tödliche und blutige Auseinandersetzungen, brennende Menschen, derbe Sprache: Guy Nattivs englischsprachiges Filmdebüt ist alles andere als leichte Kost, davon zeugt auch die Altersfreigabe ab 16 Jahren. Der israelische Regisseur beleuchtet weniger die Machtstrukturen innerhalb der Bewegung als das Innenleben seines Protagonisten, der einst zu den meistgesuchten Schlüsselfiguren der White Surpremacists (WP) der USA gehörte. Bells intensive Performance rührt wohl auch von der Begegnung mit dem echten Widner, Bell saß vor den Dreharbeiten vier Tage mit ihm zusammen – und freundete sich nach eigenen Aussagen sogar mit ihm an. | Carolin Keller

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