Karlsruhe
Ein Riesenspaß: Die Red Priests bei den Händel-Festspielen
Wer die Band schon einmal erlebt hatte, konnte erahnen, ja erhoffen, was kommen wurde. Und in der Tat, der Blockflötist Piers Adams, Julia Bishop, Violine, Angela East, Cello, und am Cembalo David Wright boten 75 Minuten lang eine umwerfende Show mit und um Musik des Geburtstagskindes, seiner Zeitgenossen Bach, Telemann und Vivaldi sowie von Henry Purcell.
Die Faszination von Red Priest
Was macht eigentlich das Faszinierende und Begeisternde an den Red Priest aus? Zum einen die animierende Energie und rhythmische Spannung ihres Spiels und ihre sagenhafte Virtuosität, vor allem die von Piers Adams auf Blockflöten aller Arten, zum anderen ist es der daraus entstehende unglaubliche Spaß an der barocken Musik, die hier trotz historischer Instrumente überhaupt nicht historisch anmutet, sondern erquickend modern und wie aus dem Augenblick geboren. Der Vergleich mit einer Band, die wirklich aus sich heraus geht und es so richtig krachen lässt, ist deshalb kein Spruch: Es trifft einfach die Sache.
Die Red Priest gehen dabei natürlich ganz in der Übernahme barocker Praktiken frei und improvisatorisch mit der Alten Musik um, in erster Instanz durch die Bearbeitung für ihre Besetzung mit der meist besonders herausgestellten Blockflöte.
Alle Nummern zünden
Da begegnet schon mal in einer zündenden Nummer „Zadok, the Priest“ aus dem berühmten Krönungsanthem der Königin von Saba aus deren populärer Einzugsmusik aus „Solomon“. Doch The Red Priest spielten jetzt bei der Geburtstagsparty auch Kammermusik Händels wie sie im Buche steht, allerdings wie so gut wie alles an diesem Abend auswendig und mit vibrierender Stimmung und Intensität.
Fulminant waren natürlich auch wieder die hinreißende Version der Variationen über den „harmonischen Grobschmied“, die weit über die ursprüngliche Cembalo-Fassung hinausging, und die Zugabe mit einer kühnen Deutung des „Halleluja“ aus dem „Messiah“, die irgendwie auch bei einem ungarischen Tanz von Brahms landete. Da war das Publikum in der „Stadtmitte“ schon längst aus dem Häuschen und im besten Sinne berauscht vom Spiel dieses einmaligen Ensemble und den irrsinnigen Flötentönen seines einmaligen Frontmann Piers Adams. Das Lied vom „Drunken Sailor“ war übrigens vorher schon einmal in einer anderen Nummer aufgetaucht.
Geburtstagsständchen für den Meister
Das obligatorische „Happy Birthday to you“ hatte es schon zuvor im Festkonzert der Deutschen Händel-Solisten gegeben, die diesmal unter der Leitung von Julian Perkins ebenso erlesen stilvoll wie frisch und munter spielten. Mit Anna Dennis trat hier eine weitere große Händel-Primadonna der Gegenwart erstmals in Karlsruhe auf. Sie brillierte in Werken Händels und in Kantaten zum Lob von Händels Wahlheimat England von Johann Christoph Pepusch und Thomas Augustine Arne. Zweite Solistin war die virtuose Barocktrompeterin Fruzsina Hara. Klar, dass die himmlische Eröffnung der Geburtstagsode für Queen Anne nicht fehlen durfte und diesmal auf deren Komponisten zu dessen 339. Wiegenfest gemünzt werden konnte.
Mit klassischen Bands geht es heute um 19.30 Uhr bei den Händel-Festspielen im Großen Haus des Badischen Staatstheaters weiter, da tritt Spark auf und bringt zusammen mit dem Countertenor Valer Sabadus ihr Programm „Closer to Paradise“, das auch schon in Landau und Speyer Furore machte. Es gibt noch Karten (www.staatstheater.karlsruhe.de).