Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Mit wachem Blick: Saar-CDU-Politikerin Heib leitet Untersuchung zu Missbrauchsverdacht

Nicht ihr erster parlamentarischer Untersuchungsausschuss: Juristin und CDU-Frau Dagmar Heib.
Nicht ihr erster parlamentarischer Untersuchungsausschuss: Juristin und CDU-Frau Dagmar Heib. Foto: dts

Am Mittwoch geht der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Missbrauchsverdacht am Uniklinikum Homburg weiter. Erstmals sind vier Klinik-Verantwortliche geladen. Die CDU-Politikerin Dagmar Heib leitet den „U-Ausschuss“. Sie kennt das Ziehen und Zerren um Geheimhaltung von Akten.

Dagmar Heib lehnt den Kopf zurück und überlegt länger. Das tut die 56-Jährige nicht oft, meist antwortet die Juristin und Vollblutpolitikerin schnell. Ob gerade das kleine Saarland, in dem jeder jeden kennt, einen idealen Nährboden für einen Skandal wie den am Uniklinikum in Homburg bietet? „Nein“, sagt sie schließlich. An der Struktur liege es nicht – und wenn, dann an einzelnen Personen und deren Charakter. „Man kann nicht sagen, dass hier zwingend etwas unter den Teppich gekehrt wird.“ Aber: „Kleine Strukturen erfordern einen wachen Blick“, setzt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ hinzu.

Ziel: „Umfassende Aufklärung“

Genau diesen wachen Blick soll jetzt der siebenköpfige Untersuchungsausschuss auf die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum des Saarlands (UKS) in Homburg richten. Und nicht nur dorthin. Der Ausschuss unter Heibs Vorsitz soll klären, wie Verantwortliche des staatlichen Klinikums sowie der Landesregierung mit Hinweisen auf Behandlungsfehler und sexuellen Kindesmissbrauch umgegangen sind. Im Beweisbeschluss des Ausschusses ist die Rede von „umfassender und vollständiger Aufklärung“.

Wie berichtet, stand ein im Sommer 2016 verstorbener Assistenzarzt im Verdacht, an der Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKS mehr als 30 Kinder zwischen 2010 und 2014 sexuell missbraucht zu haben. Staatsanwaltliche Untersuchungen wurden mit dem Tod des Arztes, der später und bis zu seinem Ableben am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern arbeitete, eingestellt. In Kaiserslautern soll es nie zu Missbrauch gekommen sein. Laut Opferanwältin Claudia Willger gab es in Homburg deutliche Hinweise auf strafbares Handeln des Arztes; Informationen darüber seien jedoch weder richtig kommuniziert, noch entsprechend verfolgt worden. Das WDR-Magazin Monitor hatte mit seinen Recherchen Anfang diesen Jahres den Skandal aufgedeckt; erst danach wurden Eltern und mögliche Missbrauchsopfer erstmals informiert.

Verantwortliche werden nicht-öffentlich gehört

Vier Verantwortliche des Klinikums stehen zunächst im Fokus der Ausschusses: der kaufmännische Direktor Ulrich Kerle, der frühere Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Professor G., sowie eine Oberärztin und die Justiziarin. Die vier sind als sogenannte Betroffene geladen – sie können sich am heutigen Mittwoch zu dem Sachverhalt äußern. Laut Ausschuss-Vorsitzender Heib wird dies hinter geschlossenen Türen passieren. Erst Zeugenvernehmungen werden öffentlich behandelt.

In diesem Gremium wird es auch darum gehen, wie geheim und vertraulich die von Jugendämtern, Staatsanwaltschaft und Klinikum angeforderten Akten eingestuft werden. Heib kennt das. „Rechte Dritter müssen beachtet werden, grundsätzlich gilt die ärztliche Schweigepflicht und auch postmortal gibt es Rechte.“ All das sei zu klären. Noch aber sind die wenigsten Akten eingetroffen.

Gegen klassische katolische Positionen

Sie versuche, möglichst frei von Emotionen an die Arbeit zu gehen. Das Thema sexueller Missbrauch ist der gläubigen Katholikin aus der Kirche hinreichend bekannt – nicht jedoch aus nächster Nähe. Die sozial engagierte Frau ist keine typische Konservative. Zwar sei mit traditioneller Rollenverteilung aufgewachsen, doch sie selbst legte sie ab. Als die Kinder klein und ihre politische Arbeit intensiver wurde, trat ihr Mann, Bauingenieur in Leitungsfunktion, beruflich kürzer. Ein Ende des Zölibats wäre für sie genauso selbstverständlich wie Priesterinnen oder die Segnung homosexueller Paare. Am Ende auch eine Päpstin. Beim Thema Treue hört ihre Liberalität auf. „Treue gehört für mich dazu.“

Die Mutter zweier erwachsener Kinder ist überzeugt, dass der U-Ausschuss zu einem Ergebnis kommt. Zumindest dahingehend, „wie man was verbessern kann“. Ob dies am Ende für die mutmaßlichen Opfer und ihre Eltern zufriedenstellend sein wird, lässt sie offen.

Zur Person

Dagmar Heib, 56, ist stellvertretende Vorsitzende und justizpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im saarländischen Landtag. Als Juristin hat sie den Vorsitz des Untersuchungsausschusses „Verdacht von Missbrauchsfällen“ am UKS. Es ist ihr dritter U-Ausschuss. Dem Saar-Landtag gehört Heib seit 15 Jahren an. Jura studierte sie in Saarbrücken, Lausanne und Bonn; ihre Referendariatszeit führte sie auch nach Trier. Die Katholikin wohnt in Dillingen, wo sie sich schon lange kommunalpolitisch engagiert.

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